Schweiz: Kirschessigfliege auf dem Vormarsch

Die gute Nachricht: Obstbauern konnten in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Kirschen ernten. Die schlechte Nachricht: Die Kirschessigfliege hat teils erhebliche Schäden angerichtet - heuer zum ersten Mal. Eine etablierte Bekämpfungsstrategie gibt es noch nicht.

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Die gute Nachricht: Obstbauern konnten in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Kirschen ernten. Die schlechte Nachricht: Die Kirschessigfliege hat teils erhebliche Schäden angerichtet – heuer zum ersten Mal. Eine etablierte Bekämpfungsstrategie gibt es noch nicht.

Die Kirschernte neigt sich allmählich dem Ende zu. Mit bislang 3.100 t haben die Obstbauern heuer überdurchschnittlich viele Tafelkirschen gepflückt (Stand: 25. Juli) – mehr als erwartet (2.500 t) und deutlich mehr als im letzten Jahr (1.600 t).

Die Freude der Obstbauern ob der großen Ernte wird aber von einem neuen Schädling getrübt: der Kirschessigfliege. Im Sommer 2011 erstmals im Tessin nachgewiesen, ist das aus Asien eingeschleppte Insekt heute in der ganzen Schweiz verbreitet. Bislang hat die 2 bis 3mm kleine „Drosophila suzukii“, wie sie zoologisch genannt wird, vor allem im Beerenanbau Schäden verursacht, Kirschen hat sie hingegen weitgehend verschont. Anders heuer: „2014 ist das erste Jahr, in dem die Kirschessigfliege wirtschaftliche Schäden angerichtet hat”, erklärt Stefan Kuske von der Forschungsanstalt Agroscope. Die Befallssituation sei von Region zu Region und von Betrieb zu Betrieb allerdings sehr unterschiedlich. Laut Agroscope konnte die Kirschessigfliege wegen des milden Winters in größerer Anzahl überleben als in den vorherigen Jahren. Selbst im Winter wurden Fliegen in den Köderfallen gefunden, was in den Vorjahren nicht der Fall war.

Klein und gefräßig
Die Kirschessigfliege legt mit Hilfe eines sägenden Stachels ein oder mehrere Eier in die intakten Früchte. Daraus entwickeln sich weiße Maden, die sich vom Fruchtfleisch ernähren. Die Kirschen verlieren in der Folge an Festigkeit, fallen ein und beginnen schließlich zu faulen. Für Obstbauern ist das mit happigen Einbussen verbunden: Kirschen mit Maden lassen sich nicht mehr als Tafelfrüchte verkaufen. Allenfalls können sie noch als Brennkirschen verarbeitet werden. Ist der Befall und die Schäden zu groß, müssen sie entsorgt werden. Kantonale Obstbauberater sagen auf Anfrage derzeit alle das Gleiche: In den Jahren zuvor habe die Kirschessigfliege Kirschen nur in Einzelfällen befallen, zumeist Spätsorten. Die Schäden seien unbedeutend gewesen. Heuer wird ein deutlich höherer Befall registriert, einzelne Produzenten mussten happige Einbussen in Kauf nehmen.

Noch keine wirksame Bekämpfungsstrategie
Eine erprobte, wirksame Bekämpfungsstrategie gegen den neuen Schädling Kirschessigfliege existiert noch nicht. Die Forschungsanstalt Agroscope arbeitet mit Hochdruck daran. Getestet werden verschiedene Maßnahmen wie beispielsweise die Totaleinnetzung. Dabei werden Obstanlagen rundum mit einem engmaschigen Netz eingepackt, so dass die Fliegen ausgesperrt werden. Erste Tests haben positive Resultate ergeben. Köderfallen, welche die Kirschessigfliege mit einem Lockstoff anziehen, haben sich als wenig wirksam herausgestellt. Der Einsatz von Spritzmitteln ist – als Ultima Ratio – nur mit Sonderbewilligung der kantonalen Fachstellen erlaubt. Zudem ist der Erfolg ungewiss. Denn wegen mangelnder Erfahrung weiß man nicht, ob herkömmliche Spritzmittel auch gegen die Kirschessigfliege wirksam sind. Was die Bekämpfung der Kirschessigfliege besonders schwierig macht: Sie legt ihre Eier – anders als die Kirschfliege – nicht in halbreife, sondern bevorzugt in fast reife Früchte wenige Tage vor der Ernte. Spritzmittel dürfen dann wegen der Gefahr von Rückständen oft nicht mehr eingesetzt werden. Fachleute raten Obstproduzenten, überreife und faulende Früchte allesamt zu entfernen, damit sie nicht als Brutstätte für die Kirschessigfliege dienen können. Die Ernte sollte möglichst früh und in kurzen Intervallen durchgeführt werden.

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