'Elstar': Gute Baumqualität als Grundlage

Vor Jahren klagten bayrische Erzeuger der Apfelsorte 'Elstar' über unproduktive Anlagen durch zu wüchsige Bäume, schlecht ausgefärbte Früchte und Alternanz.

Ernte 2015 im 11. Standjahr. Auf der Unterlage P 22 füllten die Bäume der Apfelsorte 'Red Elstar' oftmals den Standraum nicht aus und lieferten kleinere Früchte als auf M 9.

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'Elstar' ist neben 'Jonagold' eine der am häufigsten angebauten Apfelsorten am Bodensee. Das Pflanzmaterial bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Produktion. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf nahm die Anregung aus der Praxis auf und pflanzte am Standort Schlachters im Frühjahr 2004 die Sorte 'Red Elstar' in sechs verschiedenen Baumqualitäten und verglich das Wuchs- und Ertragsverhalten über elf Jahre.

Beschreibung des Baummaterials

Für den randomisierten Blockversuch mit vier Wiederholungen und fünf Bäumen pro Parzelle wurde qualitativ hochwertiges Pflanzgut "von der Stange" gekauft und mit einem Abstand von 3,25 x 1,0 m im März 2004 aufgepflanzt. In der Tabelle 1 sind die verschiedenen Baumqualitäten beschrieben. Die 3K-Bäume waren von minderwertiger Qualität: Die Zweige waren verkahlt und nur an den Triebspitzen mit einzelnen Blütenknospen besetzt.

Wuchskraft

Die Stämme der Bäume waren zur Pflanzung mit 14 bis 16 mm Durchmesser fast gleich stark. Nur die gut verzweigten Knipbäume auf M 9 in Variante 3 waren mit 17 mm etwas kräftiger (Tab. 2). Im 11. Standjahr (2015) besaßen die Knipbäume auf M 9 (Var. 2 und 3) mit rund 66 mm die stärksten Stämme. Bei Zwischenveredlung mit Summerred (Var. 1) waren die Stämme mit 46 mm besonders schwach. Die Stämme der 3K-Bäume und der Knipbäume auf Fleuren 56 (FL 56) und P22 maßen rund 54 mm im Durchmesser.

Das Kronenwachstum der Bäume wurde nach einem Boniturschema von 1 bis 9 bewertet (siehe Tab. 2), wobei Bäume mit sehr schwachem Wachstum die Note 1, mit mittlerem Wachstum die Note 5 und mit sehr starkem Wachstum die Note 9 erhielten. Mittleres Kronenwachstum zeigten die Bäume der Var. 1 mit Zwischenveredlung Summerred. Bei ihnen waren vegetatives und generatives Wachstum nahezu im Gleichgewicht (Note 5). Die Knipbäume auf M 9 (Var. 2 und 3) wuchsen am stärksten (Note 7). Einige Bäume erhielten die Note 8 für starke Wüchsigkeit: Sie überbauten und durch den Lichtmangel einhergehend verkahlten und vergreisten die Basisäste. Dabei machten die schwächer verzweigten Knipbäume auf M 9 (Var. 2) von der Pflanzung an einen juvenilen, wachstumsbetonten Eindruck. Die Bäume auf FL 56 und P22 wuchsen schwach und litten vielfach unter Vergreisung. Teilweise füllten die Bäume ihren Standraum nicht aus. Für die Standortverhältnisse in Schlachters mit über hundert Jahren Apfelanbau auf der selben Fläche waren die Bäume auf P 22 zu schwach wachsend.

Stammrisse und Ausfälle

Alle Bäume wiesen Risse am Stamm auf. Teilweise waren die Stämme durch klaffende Risse so stark geschädigt, dass die Gefahr des Absterbens der Baumkrone bestand (Note 9). Von Stammrissen stärker betroffen waren die Bäume auf M 9 mit Summerred Zwischenveredlung und die Knipbäume auf P 22. Ausfälle bis zum 11. Standjahr gab es insgesamt nur sechs von insgesamt 120 Bäumen verteilt auf alle Varianten.

Erträge

Im Pflanzjahr wurden die Blüten entfernt, um ein gutes Anwachsen der Bäume zu ermöglichen und Feuerbrand-Befall vorzubeugen. Im darauf folgenden Jahr war der Blütenansatz bei allen Varianten hoch und die Erträge lagen 2005 zwischen 3 und 4,5 kg pro Baum.

Im 3. Vegetationsjahr (2006) nahmen die Erträge zum Vorjahr zu und lagen zwischen 3,5 und 7 kg pro Baum. Insgesamt wurden kleinere Früchte als in 2005 geerntet. Die Knipbäume auf M 9 (Var. 2 und 3) brachten mit 6,5 bis 7 kg die höchsten Erträge. Die 3K-Bäume und die Bäume auf der Unterlage FL 56 konnten mit 3,5 kg lediglich das Vorjahresergebnis halten. An den 3K-Bäumen wuchsen die Früchte nur an den Triebenden. Dadurch neigten sich die Triebe zu Boden. Die Früchte waren unterentwickelt und beschatteten sich gegenseitig. Die Knipbäume auf P 22 und die Bäume mit Summerred Zwischenveredlung (Var.1) lieferten 5 kg Ertrag, wobei auf P 22 die Früchte deutlich kleiner waren.

2007 erreichten die Bäume die Vollertragsphase mit 8 bis 12 kg pro Baum. Die höchsten Erträge lieferten im 4. Vegetationsjahr die gut verzweigten Knipbäume auf M 9 (Var. 3) mit 12 kg pro Baum. Rund 10 kg Früchte produzierten die Bäume mit Summerred Zwischenstamm (Var. 1), sowie die schwächer verzweigten Knipbäume (Var. 2) und die 3K-Bäume.

Die Bäume auf den Unterlage P 22 und FL 56 lieferten knapp 8 kg Früchte. Rund die Hälfte der Früchte war größer als 70 mm in allen Varianten. 2009 war der Behang schwach. Dennoch lieferten die gut verzweigten Knipbäume und die Bäume mit Summerred Zwischenstamm knapp 14 kg Früchte pro Baum. Die Bäume auf P 22 brachten mit 6 kg geringe Erträge, ebenso die schwach verzweigten Knipbäume auf M 9 mit 8 kg. Im darauffolgenden Jahr (2010) wurde eine größere Ernte eingefahren. Die Erträge lagen zwischen 12 und 16 kg pro Baum. Nur die schwach verzweigten Knipbäume auf M 9 trugen mit 19 kg noch mehr Früchte. Ähnlich waren die Ergebnisse 2014. Die Erträge lagen hier zwischen 8 und 13 kg. Nur die Variante 2 trug 17 kg Früchte pro Baum. In 2015 lagen die Erträge bei den Varianten 1, 3 und 4 zwischen 15 und 16 kg. Die Bäume auf P22 lieferten nur etwas mehr als 8 kg, die Bäume auf FL 56 und die schwach verzweigten Knipbäume auf M 9 trugen 11 bis 12 kg Früchte pro Baum. Insgesamt waren die Knipbäume auf M 9 (Var. 2 und 3) sowie die Bäume mit Zwischenstamm Summerred (Var.1) die produktivsten Bäume. Danach folgten die 3K-Bäume und die Bäume auf FL 56 und die auf der Unterlage P 22.

Qualität

Die Früchte der Apfelsorte 'Red Elstar' waren durchschnittlich 149 g schwer. Die Schwankungen im Fruchtgewicht waren zwischen den Jahren stärker als zwischen den verschiedenen Baumqualitäten. Besonders große Früchte wurden im ersten Jahr (2005) mit 158 g und in 2009 (bei schwachem Behang von 62 Früchten pro Baum) mit 181 g geerntet. 2007 waren die Früchte mit 130 g bei 78 Früchten pro Baum sehr klein. Die 3K-Bäume lieferten über alle Jahre mit 157 g (signifikant) größere Früchte als die anderen Baumqualitäten bei schwächerem Behang von durchschnittlich 64 Früchten pro Baum. An den Bäumen auf der Unterlage P 22 wuchsen dagegen signifikant kleinere Früchte mit durchschnittlich 141 g bei nur 59 Früchten pro Baum. Im Mittel lagen die Varianten 1 und 3 mit 149 g (bei 73 bzw. 78 Früchten pro Baum), Variante 2 mit 152 g (bei 76 Früchten pro Baum) und die Variante 5 mit 146 g durchschnittliches Fruchtgewicht bei 64 Früchten pro Baum. Die Abbildungen 2 und 3 zeigen die Sortierung der Jahre 2009 und 2010. In beiden Jahren lag der Anteil nicht marktfähiger Ware bei 4 bis 6 kg pro Baum. Lediglich bei den Bäumen auf P 22 lag der Anteil bei rund 2 kg pro Baum. Der Anteil der vermarktungsfähigen Ware am Gesamtertrag war bei den Bäumen auf FL 56 und bei den Bäumen mit Summerred Zwischenstamm höher als bei den gut verzweigten Knipbäumen auf M 9.

Alternanz

Die Alternanz zwei aufeinander folgender Jahre wurde mit Hilfe des Biennial Bearing Index (BBI) dargestellt. Er errechnet sich wie folgt: (Differenz zwischen zwei Erträgen aufeinanderfolgender Jahre)/ (Summe der zwei Erträge) * 100. In Tabelle 3 wurden die Werte der Einzelbäume in fünf Klassen eingeteilt. Bei Werten um 0 bis +/-10 lag nach unserem Ermessen keine Alternanz vor, leichter bis mäßiger Alternanz entsprachen Werte von 11 bis 50 und schwere Alternanz lag bei Werten ab 51 bis 100 vor. Bei negativem BBI-Wert war der Vorjahresertrag geringer bzw. bei positivem Wert war der Vorjahresertrag größer als im Folgejahr.

In den Jahren 2009/2010 zeigte die Hälfte der Bäume mit Zwischenveredlung Summerred keine Alternanz, die übrigen Bäume alternierten mäßig bis stark. Keine oder schwache Alternanz wiesen die Knipbäume auf FL 56 auf. Die schwach verzweigten Knipbäume auf M 9 und die Bäume auf P 22 hatten 2009 ein Ausfalljahr und alternierten mäßig bis stark. Mäßig starke Alternanz lag ebenso bei den gut verzweigten Knipbäumen auf M 9 vor, mit schwach und voll tragenden Bäumen innerhalb eines Jahres.

Die Anzahl stark alternierender Bäume nahm von 2009/10 auf 2014/15 zu. Bei den Knipbäumen auf M 9 (Var. 2 und 3) und den 3K-Bäumen waren nur noch wenige Bäume ohne Alternanz, über die Hälfte der Bäume alternierte sogar stark. Ebenso war die Mehrheit der Knipbäume auf der Unterlage FL 56 aus dem Gleichgewicht geraten. Bei den Knipbäumen auf P22 war die Alternanz am geringsten. Mäßige Alternanz wiesen die Bäume mit Zwischenveredlung Summerred auf.

Fazit

Beim Anbau der Apfelsorte 'Elstar' stellen Bäume auf der Unterlage M 9 mit Zwischenstamm Summerred vor allem bezüglich der Alternanz eine Verbesserung zum Knipbaum auf M 9 mit guter Verzweigung (+6) dar. Dies deckt sich auch mit Erfahrungen und Beobachtungen in Praxisbetrieben. Durch den Summerred Zwischenstamm wird das Wachstum reduziert und die Alternanz abgeschwächt ohne auf Ertrag und Qualität zu verzichten. Die Knipbäume auf M 9 zeigten zwar in den ersten Jahren einen guten Start, wiesen jedoch bereits ab dem 5. Standjahr zunehmende Probleme hinsichtlich der Alternanz auf. Die schwächer wachsenden Unterlagen Fleuren 56 und P 22 waren am Standort in Schlachters gegenüber den Bäumen auf M 9 ertragsschwächer und die Fruchtgröße litt ebenfalls. Da die Vermehrung von Bäumen mit Zwischenstamm aufwändig und teuer ist, veredeln die Baumschulen die aktuellen 'Elstar'-Mutanten vielfach auf Fleuren 56. Wer eine Anlage mit einem neuen 'Elstar'-Typ pflanzen möchte, sollte daher frühzeitig planen und entsprechendes Baummaterial bei einer Baumschule vorbestellen.

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