Obst: Starker Konsum trifft auf geringe Erntemenge

Europas Obstbaubranche blickt aufgrund von ungünstigen Witterungseinflüssen auf ein ertragsschwaches Jahr 2017 zurück.

Apfelpyramide. Bild: Fruchtwelt Bodensee.

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Eugen Setz, Geschäftsführer der Obst vom Bodensee Marketinggesellschaft, vermeldet einen deutlichen Rückgang der EU-weiten Apfelproduktion um rund 20%. Mit 85.000 t Äpfeln liegt der Ernteertrag der Bodenseeregion 2017 auf dem niedrigsten Wert seit über 20 Jahren (minus 70% zum Vorjahr). Sie trifft allerdings auf kauffreudige Konsumenten: "Nach Jahren der Stagnation und sogar rückläufigen Konsums vermelden die Marktanalysten seit Herbst 2017 steigende Einkaufsmengen an Tafeläpfeln. Insgesamt nahm der Obstkonsum um 4% zu", berichtet Eugen Setz. "Das könnte an einem gestiegenen Bewusstsein für gesunde Ernährung, aber auch an der geringen Eigenernte im Hausgarten liegen, die dann über den Zukauf kompensiert wird."

Auf der Fruchtwelt Bodensee 2018 standen für die Obstbaubranche in diesem Jahr die Themen Klima, Frost und Vorsorgemaßnahmen im Mittelpunkt, denn im vergangenen Jahr litt insbesondere Kernobst in weiten Teilen Mittel-, Nord- und Osteuropas unter Blütenfrösten. Die dadurch verbundene Abnahme der Obstproduktion betraf das produktionsstärkste Land Polen mit 30% sowie Belgien mit 30% und Deutschland mit 40%. "Eine wichtige Prognose für den Obstbau ist, dass die Obstblüte früher einsetzen wird und damit die Gefahr für Blütenfröste steigt", berichtet Eugen Setz. Daher sei es für die Obstbauern wichtig, eine Vorsorge zu treffen - beispielsweise mit dem Abschluss einer Versicherung oder der Frostschutzberegnung. "Laut einer Abfrage haben 90 Betriebe in der Region Interesse an solchen Maßnahmen, was aus unserer Sicht auch das sinnvollste wäre, denn die Obstgroßmärkte brauchen Ware", betont Eugen Setz. Allerdings seien die rechtlichen Hürden derzeit noch hoch.

Konventionelle Landwirtschaft versus Bioproduktion

Ebenfalls viel diskutiert wurde das Thema Bioproduktion. Nach den Statistiken verzeichnet der Biomarkt ein globales Wachstum bei Produktionsflächen und Umsatz. In Deutschland stieg der Umsatz im Jahr 2016 um rund 10% auf 9,5 Mrd. Euro. "Die Politik verknüpft den Trend mit Zielvorstellungen. Landwirtschaftsminister Hauk spricht von 30% Ökolandbau für Baden-Württemberg bis zum Jahr 2030", berichtet Eugen Setz und ist überzeugt: "Vordergründig werden Kaufkraft und Nachfrage des Verbrauchers ins Feld geführt. Hintergründig ist eine sehr viel breiter angelegte Argumentation und extremer politischer Druck von Öko- und Umweltverbänden die treibende Kraft". Seiner Meinung nach bedeutet die Agrarwende ein gesellschaftspolitisches Wagnis: Denn damit seien geringere Erträge verbunden und dies würde den Selbstversorgungsgrad Deutschlands mit Obst weiter nach unten drücken, die Abhängigkeit von Importen wachse. Zudem sei die Ökobilanz von Importen fraglich. Seine Forderung ist daher unternehmerische Freiheit anstatt Ideologie zu fördern.

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