Europäische Sauerkirschenexperten im Dialog

Kleinere Ernte in Europa kein Grund für hektisches Marktverhalten.

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Bereits seit vier Jahren treffen sich auf Einladung der Fachgruppe Obstbau im Bundesausschuss Obst und Gemüse die Experten aus Ungarn, Polen, Dänemark und Deutschland, um alle relevanten Marktdaten mit Bezug auf die Sauerkirschen zu analysieren. So auch am Sonntag und Montag, 1. und 2. Juni, in Mühlhausen, Thüringen. „Durch den schwachen Fruchtansatz in allen marktrelevanten Anbaugebieten fällt die Ernte wiederholt unterdurchschnittlich aus. Die Anbauflächen nehmen europaweit ab, Neupflanzungen können die Rodungen nicht kompensieren. Auch die Preisentwicklung des Jahres 2007 reicht zur Anbaustabilisierung nicht aus“, so ein gemeinsames Fazit der Expertenrunde. Dennoch seien die Erträge ausreichend, nämlich in der Größenordnung des Vorjahres.

Nach einer starken Blüte sei in den überwiegenden Ländern ein schwacher Fruchtansatz zu beobachten, erklärten die Fachleute. Je nach Anbauregion zeichneten sich Einbußen von 15 bis 40% zu einer Vollernte ab. Ungarn erwarte eine Sauerkirschenernte von 59.000 t (15 bis 20% weniger als bei einem Vollertrag). Für Deutschland gehen die Experten von einem Minderertrag von 30 bis 40% aus. In Polen lasse sich eine Erntehöhe von 70 bis 80% der möglichen Vollernte ablesen. Ähnlich verhalte es sich in Serbien, wobei durch Frühjahrsfröste z.T. Einbußen von bis zu 50% zu 2007 genannt werden.

Die Gesamt-Lagerbestände aus 2007 seien weitestgehend abverkauft. Auch Tiefkühl-Ware werde konstant am Markt nachgefragt, wesentliche Reserven seien nicht vorhanden, so die Experten. Der Mangel an Saisonarbeitskräften in Europa erschwere die Einbringung der Ernte. Ohne ausreichende Erlöse für die Erzeugerbetriebe könnten die höheren Lohnkosten die Flächenreduzierung beschleunigen und den Verarbeitungsbetrieben längerfristig eine ausreichende Angebotsgrundlage entziehen. Auch in der Vermarktung von Sauerkirschen gewinne die Regionalität an Bedeutung. Um diese auch in der Zukunft gewährleisten zu können, bedürfe es ausreichender Erlöse für die Produzenten, die dann zur nachhaltigen Anbaustabilisierung beitragen.

Die Gesamternteerwartung in Europa (Ungarn, Deutschland, Polen, Serbien, Dänemark und Tschechien) wird von dem Gremium auf 300.000 t bis 310.000 t geschätzt und bewegt sich damit in der Größenordnung des Vorjahres (309.000 t). Es bestehe demnach kein Grund für ein hektisches Marktagieren und den Abverkauf von Ware unter den Produktionskosten, betonen die Sauerkirsch-Fachleute.

Die Notwendigkeit dieses Treffens fassen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie folgt zusammen: „Dieses Gremium liefert fachlich fundierte Argumente und Daten, damit falsche Informationen keinen Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen können.“ Die Zahlen, Daten und Fakten aus diesem Gespräch seien maßgeblich und bedeutend, Annahmen und Erwartungen der Gruppe der vergangenen Jahre hätten sich stets bestätigt. (ZVG/BOG)

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