EU und Japan: Neues Freihandelsabkommen

Durch das neue Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan wird der Handel auf beiden Seiten zunehmen.

Neues Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan. Grafik: GABOT

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Während im Zuge der US-Präsidentschaft Donald Trumps der internationale Handel zunehmend durch Protektionismus und Zollschranken geprägt wird, gibt es auch gegenläufige Tendenzen. So haben die EU-Staaten mit Japan ein umfassendes Freihandelsabkommen (JEFTA = Japan-EU Free Trade Agreement) ausgehandelt, das 2019 in Kraft tritt. Das Abkommen soll Zölle und andere Handelshemmnisse abbauen, um das Wirtschaftswachstum anzuregen. Mit einbezogen sind unter anderem auch Agrarprodukte und Lebensmittel. Wie sich JEFTA auf die europäische bzw. deutsche Land- und Ernährungswirtschaft auswirkt, hat das Thünen-Institut in Braunschweig berechnet.

Die Analyse wurde mit einem globalen Handelsmodell durchgeführt, das die Wechselbeziehungen zwischen einzelnen Ländern und Sektoren abbilden kann. Agrarökonomin Dr. Janine Pelikan vom Thünen- Institut für Marktanalyse: „Die Ergebnisse geben, wie bei Modellierungen allgemein, nur ein vereinfachtes Bild der Realität wieder. Es wird aber deutlich, dass die EU ihren Handel mit Japan intensiviert und im Agrar- und Ernährungsbereich Produktionssteigerungen zu erwarten sind.“ In der EU wird die Produktion am stärksten im Sektor Schweinefleisch steigen. Japan ist nach China der zweitgrößte Handelspartner der EU in Asien. Im Jahr 2016 exportierten die EU-Staaten Agrarprodukte im Wert von 6 Mrd. Euro nach Japan; dem standen relativ geringe Einfuhren von rund 0,3 Mrd. Euro gegenüber. Die Umsetzung des Abkommens wird sich direkt auf die Handelsströme und Preise auswirken und auf beiden Seiten zu Produktionsänderungen führen. Durch JEFTA können sich die europäischen Agrarexporte nach Japan auf 11 bis 14 Mrd. Euro erhöhen. Die Importe von Agrarprodukten aus Japan steigen auf ca. 2 Mrd. Euro.

Es ist vorgesehen, dass die JEFTA-Vereinbarungen innerhalb von 21 Jahren, also bis zum Jahr 2040, schrittweise umgesetzt werden. Danach wird die EU 99,2% aller japanischen Produkte zollfrei importieren. Japan wird die Zölle für 97,2% der Produkte vollständig aufheben. Für einige „sensible“ Agrarprodukte wie Walfleisch, Reis und Seealgen bleibt weiterhin ein Außenschutz in Form von Zöllen und Zollquoten bestehen.

Für Getreideprodukte, Kaffee, Tee, Zucker, Milchprodukte und andere verarbeitete Lebensmittel werden neue Zollquoten gegenüber der EU eingeführt. Innerhalb der Quoten kann eine festgelegte Menge zu niedrigeren Zollsätzen oder zollfrei nach Japan exportiert werden. Außerhalb der Quoten bleiben die Zölle häufig so hoch, dass es keine zusätzlichen Exportanreize für europäische Produkte nach Japan geben wird. Für Weizen liegt der Zoll außerhalb der Quoten bei 32%, für Zucker bei 37% und für Milchprodukte bei 69%. Dennoch wurde der Marktzugang bei Milch verbessert: Für Hartkäse werden die Zölle schrittweise mit einer Übergangsfrist von 15 Jahren beseitigt, für Weich- und Frischkäse wird eine zollfreie Quote eingerichtet, die über die Jahre vergrößert wird. Auch für Butter und Magermilchpulver wird eine Zollquote eröffnet.

Der Exportanstieg der EU ist hauptsächlich auf die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Schweine- und Geflügelfleischsektors auf den japanischen Agrarmärkten zurückzuführen. In diesem Sektor erhöht sich der EU-Handelsüberschuss um 5 Mrd. Euro, und die Produktion dehnt sich um rund 3% aus, während sie in Japan um knapp 14% sinkt. Im verwendeten Modell werden Schweine- und Geflügelfleisch nur aggregiert abgebildet. Da aber Geflügelfleisch im Handel mit Japan in den vergangenen Jahren nur eine geringe Bedeutung hatte, ist davon auszugehen, dass ein Großteil des Wachstums auf die Produktionsausdehnung von Schweinefleisch zurückzuführen ist. Deutschland kann davon allerdings im Vergleich zu den anderen EU-Mitgliedstaaten eher unterdurchschnittlich profitieren. Dies liegt zum einen daran, dass die Schweineproduktion in Deutschland im europäischen Vergleich bereits relativ hoch ist. Darüber hinaus haben in der Vergangenheit vor allem Dänemark und Spanien die Exportmärkte für Schweinefleisch in Japan für sich erschlossen und werden die bestehenden Lieferbeziehungen voraussichtlich weiter ausbauen.

In Deutschland wird der Export von Milchprodukten größere Bedeutung haben. Hier könnte die Produktion um bis zu 0,5% steigen. In welchem Maße JEFTA auf die deutsche Milchproduktion wirkt, hängt aber im Wesentlichen davon ab, inwieweit die deutschen Exporteure die EU-Quote von 73.840 t pro Jahr nutzen können. Im Vergleich zu anderen Abkommen gibt es bei JEFTA zahlreiche Details bei der Definition der Quoten. Dies führt bei den europäischen Exporteuren zu einem relativ hohen Informationsaufwand. Dies kann als Handelsbarriere wirken und dazu führen, dass die Quoten nicht ausgeschöpft werden. (Johann-Heinrich von Thünen Institut)

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