BHB Garden Summit 2018: Klassentreffen in Köln

Im Congress Centrum Nord der Koelnmesse fand direkt im Anschluss an die Messe spoga+gafa am 4. und 5. September 2018 die fünfte Auflage des BHB-GardenSummits statt. Die Branche diskutierte in Köln aktuelle Entwicklungen im Gartenmarkt, angesagte Trends und Bausteine für erfolgsversprechende Zukunftsstrategien.

Im Congress Centrum Nord der Koelnmesse fand direkt im Anschluss an die Messe spoga+gafa am 4. und 5. September 2018 die fünfte Auflage des BHB-GardenSummits statt. Bild: GABOT.

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Dr. Peter Wüst begrüßte die rund 130 Teilnehmer des diesjährigen BHB Garden Summit 2018 mit der provokanten Frage "Kann Amazon Garten?" und setze gleich ein zweites Mal an, um zu ergänzen "Können wir es denn alle?"

Kai Kächelein, kommissarischer Vorstandssprecher des Handelsverbandes Heimwerken, Bauen und Garten e.V. und Geschäftsführer hagebau Einzelhandel (Vertrieb & Marketing) der hagebau Handelsgesellschaft für Baustoffe mbH & Co. KG umriss in seinem Eröffnungsstatement den aktuellen Stand der Branche. So verstehe der Gartenmarkt wie kaum ein anderes Segment den Verkauf von und über Emotionen, dennoch sei es wichtig, eine digitale Exzellenz aufzubauen und sich der Auseinandersetzung mit neuen Wettbewerbern im E-Commerce wie alibaba.com oder jd.com zu stellen. Die Performance der stationären Märkte sei zwar gut, müsse aber kontinuierlich verbessert werden, um Online-Pure-Player auf Abstand zu halten. Die nahtlose Verknüpfung der Online- mit der Offlinewelt mit passgenauen Angeboten sei inzwischen Mainstream. Allerdings räumte Kächelein auch ein, dass die Bedeutung einer qualifizierten Beratungsleistung und Kundenansprache auf den Retailflächen noch zu häufig unterschätzt werde. Eine Reihe von langfristigen Trends wie Individualisierung, Urbanisierung und Nachhaltigkeit beschäftigten die Branche noch eine ganze Weile. Intelligente Home-Delivery-Lösungen und die Betrachtung der sogenannten Customer Journey können diese Trends aufgreifen. Zu den Sortiments-Trends gehören nach wie vor die Outdoor-Küche, hochwertige Dining-Tables oder modulare Gartenmöbel und Grills, um eine grüne Oase zu schaffen. Smartes Gärtnern mit Bewässerungs-Apps oder Mährobotern habe sich längst etabliert. Auch altersgerechtes Gärtnern mit Hochbeeten oder der Anbau von Naschpflanzen auf dem Balkon haben Einfluß auf immer individuellere Sortimente. Der Konsument erwarte hauptsächlich pflegeleichte Pflanzen, die gut aussehen.

Von den aufgezeigten langfristigen Trends könne die Branche allerdings nur dann profitieren, wenn die Unternehmen das eigene Profil stärken. Nur mit einer ausdifferenzierten Positionierung und zielgruppengenauen Angeboten könne man die Kunden in ihren Lebenswelten abholen. "Es geht längst nicht mehr um die reine Warenversorgung und das Präsentieren von Töpfen, sondern vielmehr darum, Pflanzen und Töpfe gemeinsam in der Anwendung zu zeigen und beim Endkunden Emotionen zu wecken.

Je stärker wir in virtuelle Welten eintauchen, umso wichtiger wird menschliche Nähe

Kai Kächelein ist sich sicher: Die Digitalisierung sei zu 50% ein Thema von Human Ressources (HR). Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, brauche man dringend mehr Qualifizierung. Der Vortrag schloss mit den Worten Hermann Hesses: "Die Beschäftigung mit Erde und Pflanzen kann der Seele eine ähnliche Entlastung und Ruhe geben wie die Meditation.“

20% Umsatzrückgang im ersten Quartal 2018 für Gartencenter

Christian Knapp von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK Nürnberg) präsentierte die aktuellen Zahlen zu Konjunktur und Branchensituation des Gartenmarktes. So verzeichnet der von der GfK erhobene Konjunkturindex erneut einen leichten Rückgang auf 10,5 Indexpunkte. Treiber dieses Rückgangs sind die niedrigere Einkommenserwartung und die geringere Anschaffungsneigung. Die Konjunkturerwartung sei in Deutschland aber nach wie vor positiv. So kauften 84,4% aller Haushalte in Deutschland mindestens einmal im Jahr Produkte des Gartensortiments, im Schnitt gäbe dabei jeder Haushalt 355 Euro aus. Baumärkte hatten insgesamt einen Umsatzzuwachs von 2,9% oder 2,73 Mrd. zu verzeichnen. Verantwortlich für den Mehrumsatz waren vor allem die Segmente Gartenbewässerung und -reinigung, Gartenzubehör, Motorgartengeräte, Zäune und Zubehör, Gartenmöbel, Gartenhäuser und Gartenchemie/Substrate. Lebendes Grün, Saatgut und Handgartengeräte mussten wegen der ungünstigen Witterung Verluste hinnehmen. Im Gegensatz zu den Baumärkten mussten die Gartencenter im ersten Halbjahr 2018 einen Umsatzrückgang von 0,5% hinnehmen, der vor allem durch den schlechten Saisonverlauf des ersten Quartals zustande kam. Wichtige Wachstumstreiber in 2018 waren bisher die Produktbereiche Bewässerung und Gasgrillgeräte.

Das Dach als Streuobstwiese

Jens Fischer, Inhaber und Geschäftsführer des Planungsbüros K.U.L.T.Objekt aus Dresden, stellt zum Thema "grüne Lust" vor, wie ein Gartencenter-Konzept entsteht. Er präsentiert Möglichkeiten, wie Menschen am liebsten grüne Erlebnisse kaufen und gibt eine Menge Anreize, wie die Planung für spannende Konzepte in der Zukunft aussehen kann. Es geht ihm darum, gesuchte Orte oder besondere Orte um das Thema Shopping herum zu kreieren. Bemerkenswert daran ist vor allem die Tatsache, dass die Planung neuer Stores oder erneuerter Flächen vor allem Stadtbrachen oder brach liegenden Innenstadtflächen zugutekommen soll, weg von der "grünen Wiese". Fischer träumt von der Revitalisierung ganzer Quartiere und einer Schaffung neuer Lebenswelten, in denen man eben grün einkauft und nennt diese "thematische Marktplätze mit Anziehungskraft". Stories sollen hautnah erlebt und vor allem authentisch erzählt werden. Die Konzepte beginnen in Fischer's Büro oft mit Kundenbefragungen. So werden Kundeninterviews geführt und Fragen gestellt wie: Was wollen Sie sein? Was wollen Sie haben? Fischer hat viele Erfahrungen durch die Entwicklungen im Fashionbereich hin zu Pop-Up-Stores gesammelt. Auch ungewöhnliche Ideen, wie das Dach als Streuobstwiese, werden in das "Landlust-Konzept" integriert. Allerdings und da wird Jens Fischer schon mal grundsätzlich: "Spätestens in drei Jahren müssen wir uns für die Investitionen in der Filiale entschieden und in fünf Jahren gebaut haben, denn in sechs Jahren ist es bereits zu spät!"

Flyer und Push-Werbung sind für die Generation Y ein "No Go"

Andreas Löbke von der CoConcept-Marketingberatung zeigte am Beispiel seines Avatars Ingo auf, wie sich die "Generation Y" verhalte und wie man sie vor allem als Kunde verstehen und gewinnen könne. Löbke machte deutlich, dass die in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts geborenen Menschen vor allem mit einem neuen Wertesystem aufgewachsen seien und durch Unbeständigkeit, globale Krisen und Katastrophen geprägt worden seien. Flexibilität im Lebenslauf habe die "Generation Praktikum" geprägt und Pragmatiker geschaffen. Die auch als Digital Natives bezeichnete Generation zeichne sich durch weltweite Vernetzung und ständige Einbettung in Informationsflüsse aus. Gegebene Strukturen und Abläufe werden ständig kritisch hinterfragt. Worauf kommt es dieser Generation an und welchen Einfluss hat dies möglicherweise auf das Einkaufsverhalten?: gesunde Work-Life-Balance, Zeit für Familie und Freunde, Arbeit mit Sinn und Spaß, offene Kommunikation, Partizipation, Wertschätzung, Transparenz, flexible Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, persönliche Weiterentwicklung und Sicherheit, Anerkennung von Leistungen. Die Generation Y falle immer wieder durch die Frage nach dem Warum auf. Warum sollen wir für Euch arbeiten? Warum sollen wir bei Euch einkaufen?

Im Anschluss an die Vorträge und Präsentationen der Referenten konnten die Teilnehmer zwischen drei Parallel Sessions auswählen, die unter dem Thema "Der Filialkunde im Fokus" standen. So erläuterte Jens Weber, Director Customer Offer, Obi, Schweiz, den Anwesenden, wie die Kundenfrequenz auch ohne Rabatte und Aktionen gesteigert werden könne. Martin Gaber, Geschäftsführer von Jos de Vries zeigte Beispiele gelungener Instore Kommunikation. Und Romeo Sommers, Gartenhandel PoS-Experte, zeigte zahlreiche Beispiele und Inspirationen zu den Garten Trends 2018.

Greenyourday

Romero Sommers machte gleich zu Beginn seiner Session klar: "Wir können nicht ohne Blumen oder Pflanzen leben!" Und dennoch ist es dazu gekommen, dass Technik für uns im Leben vielfach wichtiger geworden ist. Google sei zum dritten Teil unseres Gehirns geworden. Umso erfreulicher sei es, dass sich gerade jetzt wieder einige grüne Trends durchsetzen: Eco-Gardening (organische Düngemittel, grow your own), Family Gardening, Happy Gardening und nicht Zeigefinger-Gardening, Easy Gardening, die Wiederverbindung mit der Natur werde wieder wichtiger.

Die Maslow-Pyramide wird ergänzt durch die Ebene der Bedeutung

Gartencenter sollten sich künftig auch stärker dem Thema Wellness annehmen. Das Gartencenter könne sich als Wellness-Warehouse locker weitere Produktbereiche in dieser Hinsicht erschließen. Dabei dürfe auch die Frage beantwortet werden: "Wie erstelle ich einen wartungsarmen Garten?". Auch in Gartencentern fehle nach Romero Sommers Erfahrung oftmals noch die Beratung. Kompensiert werden könne dies aber durch die helfende Hand, durch noch mehr Inspiration, wie die Produkte grundsätzlich angewendet werden, wie sie kombiniert werden können oder Erlebniswelten, die dem Endverbraucher konkrete Inspiration geben. Dazu gehöre auch der Aufbau zueinander passender Sortimente an einer Stelle und nicht die Verteilung von Pflanzen, Erde und Töpfen an drei verschiedenen Stellen im Markt. Schließlich gelte es auch, Bedeutung als Bedürfnis zu erkennen. Es gebe einen Wunsch nach viel intensiveren Erlebnissen, die man nur schaffen könne, wenn man Kunden wieder mehr Verständnis entgegenbringe getreu dem Motto "Tun Sie nicht, was Ihr Kunde fragt, sondern geben Sie ihm, was er braucht!". Dazu gehöre für Sommers auch die Frage nach dem Sinn der ewigen Fokussierung auf den Preis. "Lasst uns Retailer werden und nicht Trader!"

"Der GardenSummit war im fünften Jahr seines Bestehens wieder angesagter Treffpunkt des Handels und Plattform für den innovativen Ideenaustausch. Die Präsenz zahlreicher Entscheider und Führungskräfte der Handels und das positive Feedback unserer Teilnehmer zeigen deutlich, dass unsere Veranstaltung im Anschluss an die spoga+gafa mit ihren Networking-Angeboten und dem Vortragsprogramm auch 2018 wieder interessiert angenommen wurde", zieht BHB-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Wüst ein positives Resümee des diesjährigen GardenSummits.

Im kommenden Jahr wird der GardenSummit wohl nicht mehr im Congress Centrum Nord der Koelnmesse im Anschluss an die spoga+gafa stattfinden. Das Veranstaltungsformat werde überarbeitet und künftig in einer neuen Form präsentiert. Genaue Details stehen nach Angaben des Hauptgeschäftsführers Dr. Peter Wüst aber noch nicht fest.

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