Nachtstrom: Vorteile und Einsparungsmöglichkeiten

Kraftwerke produzieren sowohl am Tag als auch nachts Strom. In der Nacht verbrauchen die Bürger weniger Strom, sodass es zu einer Überkapazität kommt. Um Energieverlusten vorzubeugen und dennoch eine möglichst gleichmäßige Stromauslastung zu gewährleisten, bieten die Energieversorger Nachtstrom (Niedertarif) zu günstigeren Konditionen an. Aber wie funktioniert Nachtstrom eigentlich und wann lohnt sich ein Umstieg?

Nachtstrom entsteht aus Überkapazitäten und ist deshalb günstiger als Tagstrom. Bild: QiuJu Song, Shutterstock.

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Was ist Nachtstrom (Niedertarif)?

Wie eine aktuelle Statista-Grafik zeigt, haben sich die Energiepreise seit Anfang des Jahres deutlich erhöht. Um rund elf Prozent stiegen die Preise für Haushaltsenergie innerhalb eines Jahres. Dies schließt die Preise für Strom, Gas und weitere Brennstoffe ein. Ob die Energiepreise wieder sinken werden, ist derzeit nicht abzusehen.

Vor diesem Hintergrund suchen viele Verbraucher nach Einsparmöglichkeiten. Eine Möglichkeit kann – unter bestimmten Voraussetzungen – der Bezug von Nachtstrom sein. Grundsätzlich ist Strom, der nachts bezogen wird, günstiger als Tagstrom. Die Nebenzeit liegt zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Dann stellen die Energieversorger ferngesteuert oder per Zeitschaltuhr auf Nachtstrom um. Diesen beziehen die Verbraucher über einen Nebentarif, auch Niedertarif (NT) genannt. Die speziellen Stromtarife sollen dazu beitragen, dass die Menschen nachts mehr Strom verbrauchen, um eine insgesamt bessere Stromverteilung zu erhalten.

Nachtstromtarife eignen sich vor allem für Verbraucher mit Nachtspeicherheizungen. Diese Heizungen speichern den Nachtstrom ab und geben ihn je nach Bedarf am Tag ab. Die günstigen Preise der Nachtstromtarife kommen Besitzern von Nachtspeicheröfen entgegen, da Heizen mit Strom grundsätzlich teurer ist. Für Besitzer von Nachtspeicherheizungen kann es sich somit lohnen, einen Tarif für Nachtspeicherstrom abzuschließen, da dieser preiswerter ist als Haushaltsstrom. Daneben gibt es auch günstige Tarife für Wärmepumpenstrom.

Tarife für Heizungen

Nachtspeicherheizungen sind so konzipiert, dass sie aus elektrischem Strom Heizenergie erzeugen. Dabei verbrauchen sie insgesamt sehr viel Energie. Umso mehr lohnt es sich für Besitzer von Nachtspeicheröfen, günstige Nachtstromtarife für die Heizung zu wählen. Die Tarife für Nachtspeicherheizungen unterscheiden sich zwischen Hochtarif (HT) und Niedertarif (NT). Wie erwähnt, gilt der günstigere Niedertarif in der Nacht, wenn die Nachtspeicherheizung aufgeladen wird. Den teureren Hochtarif berechnen die Energieversorger am Tag.

Wer einen Tarifvergleich durchführt, sollte beachten, dass Haushaltsstrom und Heizstrom bei einigen Nachtspeicherheizungen über denselben Stromzähler gemessen werden. Voraussetzung für einen Wechsel in einen Heizstromtarif ist jedoch das Vorhandensein eines separaten Stromzählers. Bei Verbrauchern, die bereits einen Nachtstromtarif nutzen, sollte im Normalfall aber schon ein zweiter Stromzähler vorhanden sein, der den Heizstrom separat erfasst.

Tarife für Wärmepumpen

Neben Tarifen für Nachtspeicherstrom gibt es Heizstromtarife für Wärmepumpen. Das Heizen basiert hierbei auf Temperaturunterschieden. Schnell verdampfende Kältemittel sorgen dafür, dass die Umgebungswärme in Wärmeenergie umgewandelt wird. Dafür benötigen die Wärmepumpen Strom, den sie je nach Modell auf unterschiedliche Art und Weise gewinnen.

Im Vergleich zu einer Nachtspeicherheizung ist eine Wärmepumpe eine sehr effiziente Heizmethode. So müssen bei einer Wärmepumpe nur zirka 25% der Heizenergie in Form von Heizstrom bezogen werden. Bei Heizstromtarifen für Wärmepumpen unterscheiden die Energieversorger meist nicht zwischen Hoch- und Niedertarif, weil der Stromverbrauch anders als bei Nachtspeicheröfen nicht zeitversetzt stattfindet. Der Wärmestrom kann über einen getrennten Stromzähler erfasst werden. Eine andere Möglichkeit ist ein Zweittarifzähler, der zwischen einem Heizstromtarif und einem Tarif für Haushaltsstrom unterscheiden kann.

Warum ist Nachtstrom preiswerter als Tagstrom?

Wie erwähnt, ist Nachtstrom für Besitzer von Nachtspeicherheizungen und Wärmepumpen eine gute Möglichkeit, nachts vergünstigt Strom zu beziehen. Wenn der Stromanbieter ab 22 Uhr auf Nachtstrom umschaltet, ändert sich für den Verbraucher in Bezug auf die Stromversorgung nichts. Der Energieversorger rechnet den Strom nachts lediglich zum günstigeren Niedertarif ab.

Nachtstrom ist wegen des geringeren Preises je Kilowattstunde vorteilhaft. Verbraucher zahlen bei einheitlichen Stromtarifen tagsüber einen konstanten Arbeitspreis. Der Strompreis im Niedertarif ist im Vergleich viel günstiger. Dabei variieren die Preise aber je nach Wohnort und Verbrauch.

Verbrauchern ist deshalb anzuraten, einen Heizstrom-Vergleich für den Nachtstromofen oder die Wärmepumpe durchzuführen, um einen Überblick über die aktuellen Tarife und Preise zu erhalten. Folgende Daten werden für Heizstrom-Vergleich benötigt:
• Stromzähler (Eintarifzähler, Doppeltarifzähler)
• Jahresverbrauch (separat anzugeben: Hochtarif und Niedertarif)
• Postleitzahl

Anhand der getätigten Angaben erhält der Nutzer eine Übersicht aller Heizstromtarife, die für ihn infrage kommen.

Welche Stromversorger bieten Nachtstromtarife an?

Verbraucher hatten vormals nur die Möglichkeit, über ihren Grundversorger einen Nachtstromtarif abzuschließen. Heute bieten nicht mehr nur lokale Stromversorger Nachtstromtarife an. Auch viele alternative Stromanbieter unterscheiden zwischen Hoch- und Niedertarif beziehungsweise Tag- und Nachtstrom.

Allerdings ist die Auswahl an Nachtstromtarifen weniger groß als bei den regulären Stromtarifen. Besitzer von Nachtstromheizungen und Wärmepumpen haben eine deutlich kleinere Auswahl an Anbietern von Heizstromtarifen. Dennoch lohnt sich ein Preisvergleich, um die Kosten möglichst gering zu halten.

Hat die Nutzung von Nachtstrom Zukunft?

Das Heizen mit einer Nachtspeicherheizung war vor einigen Jahren sehr beliebt, da Nachtstrom im Vergleich zu Tagstrom deutlich günstiger war. Der Grund: Die stromerzeugenden Kraftwerke wurden nachts kaum ausgelastet. Um das Problem zu lösen, führte man Nachtspeicherheizungen sowie günstige Strompreise für die nächtliche Nutzung ein. Somit konnten die Kraftwerke besser ausgelastet und ihre Effizienz gesteigert werden.

Deshalb förderte der Staat dieses Modell, indem er Strom zum Betrieb von Nachtstromspeicheröfen steuerlich subventionierte. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen aufgrund der zunehmenden Nutzung von regenerativen Energiequellen (zum Beispiel Wind- und Sonnenenergie oder Wasserkraft) und des technischen Fortschritts verändert.

Aber: Viele Energieversorger haben die Problematik erkannt und bieten Nachtstrom an, der aus regenerativen Energiequellen stammt. Auch hier entstehen Überkapazitäten, die es den Anbietern ermöglichen, den Strom zu günstigeren Preisen anzubieten. Gleichzeitig tragen sowohl die Versorger als auch die Kunden ihren Teil zum Schutz von Umwelt und Klima bei.

Auch künftig kann die Nutzung von Nachtstrom für Verbraucher also eine günstige Alternative sein. Dies sowohl für Nutzer von moderneren, sparsamen Nachtspeicheröfen oder Wärmepumpen als auch für Fahrer von Elektroautos. Besitzer von E-Autos, die diese an der eigenen Steckdose zu Hause laden, müssen mit hohen Stromkosten rechnen. Je nach Fahrzeugtyp und Steckdosen-Art kann der Ladevorgang bis zu etwa 15 Stunden dauern. Hier ist es ratsam, einen günstigen Nachtstromtarif zu wählen.

Alternativ bieten einige Stromversorger bereits spezielle Autostrom-Tarife für E-Autos an. Wie beim Nachtstrom erfolgt auch hier die Messung über separate Zähler. Zwar ist ein solcher Stromtarif nicht an bestimmte Tages- und Nachtzeiten gebunden. Die Energieversorger setzen häufig aber ein smartes Lademanagement oder eine Wallbox (Ladestation) voraus, was mit hohen Anschaffungskosten verbunden ist.

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