Nachruf auf Max Hortig

Max A. Hortig – ein Leben für die Blumensamenzucht.

Max Hortig während seiner Packtrials-Runde 2013. Bild: privat.

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Das berufliche Wirken von Max A. Hortig, Dipl.-Ing. (FH), ist untrennbar mit der Blumensamenbranche verbunden, sowohl als Züchter, ausgewiesener, ambitionierter und anerkannter Experte bei Beet-, Balkon- und Topfpflanzen-Neuzüchtungen, Verfasser zahlreicher Fachartikel, Buchautor wie auch als Preisrichter bei Internationalen und Bundes-Gartenschauen. Geboren wurde Hortig am 24. April 1932 in Reichen, Sudetenland, am 13. Dezember 2020 verstarb er im Alter von 88 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Bis zu seinem Ableben war er voller Tatendrang und arbeitete zuletzt noch an einem Fachbuch über Blumensamenzuchtfirmen in der ehemaligen DDR und Neuzüchtungen aus den dortigen Zuchtstätten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung nach Mecklenburg 1946 folgte dort der Schulabschluss. Seine Karriere in der grünen Branche startete er 1947 mit einer dreijährigen Gärtnerlehre in einem Zierpflanzen- und Gemüsebaubetrieb. Es folgten eine Gärtnergehilfenzeit und ein Gartenbaustudium. Von 1951 bis 1952 besuchte er die Ingenieursschule für Gartenbau in Ribnitz und Dresden-Pillnitz und von 1953 bis 1955 die Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem mit dem Abschluss als staatlich geprüfter Gartenbautechniker.

1955 schloss sich eine Festanstellung als Betriebsassistent bei Teichersaaten in Neustadt am Rübenberge an. Zur dortigen Tätigkeit gehörten die Prüfung aller eingehenden und überlagerten Samenpartien auf ihre Keimfähigkeit sowie die Planung und Einrichtung eines modernen Labors mit den damals neuesten technischen Apparaturen.

1959 absolvierte er die zweite Staatsprüfung zum staatlich geprüften Gartenbauinspektor, 1968 erfolgte eine Nachgraduierung zum Gartenbau-Ingenieur und 1978 eine Nachdiplomierung durch die Fachhochschule für Gartenbau Berlin-Dahlem zum Diplom-Ingenieur Gartenbau (FH).

Ab 1959 begannen 32 Jahre im Blumensamenvertrieb, der Samenproduktion sowie der Züchtung neuer Blumensamensorten in drei verschiedenen deutschen Blumensamenspezialfirmen, davon elf Jahre bei der Samenzucht Hans Meisert in Hannover. Insgesamt entwickelte er über 250 neue Blumensamenzüchtungen und brachte sie in den Markt, dabei mehr als 50 F1 Hybrid-Sorten. Darunter waren auch Züchtungen, die damals weltweit große Anerkennung fanden, wie die erste F1 Hybrid Primula acaulis Teisa Hybriden, die 1972 als erste F1 Hybridzüchtung bei Primula acaulis eingeführt wurde. Aufgrund der starken Veränderung des Erbgutes wurde für den erfolgreichen Profianbau auch eine neue, den starkwüchsigen und wesentlich reichblühenderen Sorten angepasste Anbaumethode notwendig, die er zusammen mit seinem Gärtnerfachpersonal entwickelte. Nach dieser Methode werden auch heute noch weltweit mehrere 100 Mio. Pflanzen kultiviert, allerdings mit neueren und weiterentwickelten Sorten. Zu diesen gehört auch die von Hortig selbst gezüchtete Primula acaulis Akkord-Serie, die vom Einführungsjahr 1985 an große Nachfrage fand, da sie wegen ihrer späten Blüte die Angebotslücke bei Primula acaulis zu Ostern schloss. Aus seiner Zuchtarbeit stammen weitere 52 Primula acaulis Topfsorten. Ebenfalls eine gute Aufnahme am Markt fand die 1985 eingeführte Sinningia hybrida F1 Streptoglox in Einzelfarben und Mischung. Bei dieser handelt es sich um einen erstaunlich schnellwachsenden Artbastard zweier Sinningia-Arten. Daneben züchtete Hortig unter anderem Ageratum houstonianum F1-Hybridsorten, darunter die weltweit erste triploide Ageratum F1-Hybridsorte 'Biscaya', Begonia semperflorens F1-Hybridsorten, Begonia tuberhybrida F1-Hybridsorten, Calceolaria herbeohybrida F1-Hybridsorten, Zwerg- und hohe Schnittasternsorten, Cyclamen persicum, Delphinium Elatum-Hybriden, Lobelia erinus, Matthiola incana var. annua und Viola x wittrockiana Hybriden.

Ab 1961 war Hortig als freier Autor bei fast allen deutschsprachigen Fachzeitschriften des Erwerbsgartenbaues und der Samenbranche tätig. In dieser Zeit veröffentlichte er mehr als 350 Fachbeiträge, speziell zu Neuheiten bei generativ vermehrten Beet-, Balkon- und Topfpflanzen.

Viele Jahre unterstützte Hortig den Aufbau der Deutschen Genbank für generativ vermehrte Zierpflanzen mit seinem fundierten und überragenden Fachwissen. Fast 60 Jahre nach der Ausfertigung seiner Ingenieursarbeit „Der heutige Stand der Samenprüfung unter besonderer Berücksichtigung ihrer geschichtlichen Entwicklung“ von 1959 wurde diese auf Wunsch vieler Mitwirkenden in der Deutschen Genbank Zierpflanzen vom Bundessortenamt in Abstimmung mit Hortig 2016 digitalisiert. Seither steht sie der Öffentlichkeit als frei zugängliche Spezialliteratur zur Verfügung (https://docplayer.org/51472747-Der-heutige-stand-der-samenpruefung-unter-besonderer-beru-cksichtigung-ihrer-geschichtlichen-entwicklung.html). Trotz einiger veralteter Passagen besitzt sie auch heute noch Relevanz, da noch immer Samenpartien nach den dort genannten Methoden auf ihre Qualität geprüft werden und es kaum deutschsprachige Literatur zu diesem Thema gibt.

Von 1982 bis 1990 war Hortig Mitglied im Komitee der Fleuroselect. Im März 1992 beendete Hortig die aktive Zuchtarbeit. Es folgten zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten, so etwa als Preisrichter bei Internationalen- und Bundes-Gartenschauen, elf Jahre lang beim Freilandwechselflor oder als Preisrichter Topfpflanzen in den Hallenschauen.

Konrad Wagner, ehemaliger Züchter beim Konkurrenten Benary, erinnert sich an die lebenslange Freundschaft mit ihm und den kollegialen Gedankenaustauch unter begeisterten Züchtern. Kennengelernt hatten sie sich noch während Hortigs Tätigkeit bei Teichersaaten auf einer lokalen Gartenschau mit einer Primel-Präsentation. Neben der Züchtung verbanden sie eine gemeinsame Heimat und das Gartenbaustudium in Berlin-Dahlem. Wagner erinnert sich, dass Hortig, anders als er selbst, sich stark in der Öffentlichkeit engagierte.

Hortig selber sagte immer: „Ich kann nur von Glück reden, dass mir mein Beruf immer so viel Freude gemacht hat.“

Mit seinen Züchtungen und Veröffentlichungen, insbesondere seiner Ingenieursarbeit, bleibt Hortig auf alle Zeit lebendig. Vielen ist und bleibt er als zuverlässige, vertrauensvolle und liebenswürdige Persönlichkeit in Erinnerung.

Er hinterlässt seine Ehefrau Ruth und Tochter Dörthe, die ihn in Liebe gehen lassen mussten. (wok)

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