Mecklenburg-Vorpommern: Paludikulturen unterschätzter Rohstoff

Kürzlich wurde im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern die Förderung von Paludikulturen diskutiert.

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Kürzlich wurde im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern die Förderung von Paludikulturen diskutiert.

„Die in der Vergangenheit durchgeführten Trockenlegungen von Mooren für die landwirtschaftliche Nutzung bringen heute eine Vielzahl von Problemen mit. Mit etwa 30% der Gesamtemissionen stellen die Moore die größte Einzelquelle des Landes für den Ausstoß von CO2 dar. Unser Land besteht zu mehr als 10% aus Moorflächen. Daher müssen wir Nutzungsformen finden, die klimaverträglich sind, aber nicht die Landwirtschaft einschränken. Hier können Paludikulturen wirklich weiterhelfen“, erklärte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz.

Vereinfacht dargestellt sind damit der Anbau und die Nutzung von Biomasse auf Flächen mit hohen, Treibhausgasemissionen vermindernden Wasserständen gemeint. Kurz: auf nassen Moorstandorten soll Biomasse als Baumaterialoder Energieträger angebaut und geerntet werden, ohne dass der Torfkörper oxidiert.

Hochrechnungen der Universität Greifswald gehen davon aus, dass ca. 19% der Moorfläche in MV, also knapp 60.000 ha, für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen in Paludikultur geeignet sind. Es müssen u.a. noch bessere Erntetechniken entwickelt werden. Die Universität Greifswald hat insbesondere im Rahmen des BMBF-geförderten und mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichneten Projekts „Vorpommern Initiative Paludikultur (VIP)“ hierzu Lösungsmöglichkeiten gefunden. „Für uns gilt es, die Forschung in diesem Bereich weiter voranzutreiben und gezielt Modellprojekte umzusetzen“, so der Minister.

Doch die Herausforderungen liegen nicht nur in der Forschung und Entwicklung, sondern auch im politischen Raum. Paludikultur bewegt sich zwischen Natur- und Klimaschutz auf der einen und der Biomasseproduktion auf der anderen Seite. „Fakt ist: Wir wollen mit der Paludikultur weder unter Schutz stehende Flächen wieder in die Nutzung nehmen, noch Flächen aus der Nutzung herausnehmen. Grundsätzlich sollte es daher das Ziel sein, eine generelle Beihilfefähigkeit für alle Paludikulturen zu etablieren, um mehr oder weniger komplexe „Ausnahmeregelungen“ obsolet zu machen. Ich habe dies mehrfach auf die Tagesordnungen der Amtschefkonferenz im Januar 2015 und der Agrarministerkonferenz im März 2015 gebracht.

Außerdem habe ich Bundesminister Schmidt um seine Unterstützung gebeten. Für den Moment muss man leider attestieren, dass die Bereiche Moorschutz und Klimaschutz sowie Paludikultur zwar in den moorreichen Ländern hohe Priorität genießen, auf Bundes- und EU-Ebene der Handlungsbedarf jedoch vielfach noch nicht erkannt wird. Dennoch werde ich weiterhin für ein nationales Moorschutzprogramm werben, das die sinnvolle landwirtschaftliche Nutzung nicht von vornherein ausschließt“, betonte der Minister.

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