Luftbilder: Drohnen filmen landwirtschaftliche Themen

Simon Möri aus Spins bei Aarberg im Kanton Bern betreibt Ackerbau, Kälberaufzucht und produziert professionelle Videofilme, die er mit der Drohne aufzeichnet.

Drohne - ein technisches Wunderwerk. Bild: Lis Eymann

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Sie bieten ganz neue Perspektiven, nicht nur beim Versprühen von Pflanzenschutzmittel oder für den Schutz der Rehkitze im zu mähenden Feld: Drohnen. Wer das Wort hört, dachte früher an Bespitzelung oder militärische Einsätze. Dabei können die unbemannten Flugkörper auch für ganz friedliche Missionen unterwegs sein. Wie für die Produktewerbung und Imagepflege in der Landwirtschaft.

Wakeboarden als Auslöser

Simon Möri aus Spins bei Aarberg im Kanton Bern hat sich neben seinem Bauernhof, den er am 1. Januar 2015 von seinen Eltern übernommen hat, ganz diesem Nebenerwerb verschrieben. Er betreibt Ackerbau, Kälberaufzucht und produziert professionelle Videofilme, die er entweder mit seiner Kamera oder mit der Drohne aufzeichnet. Ganze drei Tage pro Woche ist der Agro-Techniker mittlerweile damit engagiert. Dabei hat alles mit sehr viel Spass und einer einfachen GoPro-Kamera begonnen. Und das nicht auf dem Acker, sondern beim Wakeboarden mit seiner heutigen Frau auf dem Bielersee. Aus dem kleinen Zusammenschnitt aus Aufnahmen von der gesamten Saison wurde bald eine technische Leidenschaft mit viel professionellerer Ausrüstung und einer Drohne samt Spiegelreflexkamera für Aufnahmen aus der Luft. Die Drohne bietet die Erweiterung für aussergewöhnlich attraktive Bilder aus der Vogelperspektive, die einen viel grösseren Spielraum eröffnet. Simon Möri lässt seine kreativen Einfälle walten und überlässt dabei nichts dem Zufall. Er erarbeitet im Vorfeld bei jedem Auftrag sorgfältig ein auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittenes und wohldurchdachtes Konzept. „Es braucht immer eine Geschichte mit einem Aufbau, einem roten Faden und letztendlich einer klaren Botschaft“, so Möri.

Einzugsgebiet ist die gesamte Schweiz

Mittlerweile ist der filmende Landwirt in der ganzen Schweiz gefragt. Sein weitentferntester Auftrag war eine Produktion in Davos. Von Markus Gehrig, der das Portal bauernfilme.ch betreibt, hat er viel gelernt und arbeitet ab und zu mit ihm zusammen. Auch bei einem seiner größten Filmproduktionen war der Aargauer als Kameramann beteiligt. Einem englischen Lernvideo, bei dem auch ein Schauspieler extra gecastet wurde. Es entstand im Auftrag einer Firma, die auf Fütterungstechnik spezialisiert ist. Die größte Kundschaft von Simon Möri sind aber ganz normale Bauernbetriebe und landwirtschaftliche Partnerfirmen, die ihre Produkte bewerben möchten. So wie sein Kollege Ronny Köhli, der in Kallnach einen 10 Hektaren großen Spargelhof betreibt.

Die Landwirtschaft auf realistische Weise näherbringen

Ronny Köhli und Simon Möri sind Jugendfreunde. Köhli war denn auch der erste Kunde für einen Videodreh. Der Spargelbauer packte Simon Möri zu Beginn seiner Videojournalistenkarriere schon mal auf seinen Quad und fuhr mit ihm samt Kamera über die staubigen Felder. Dabei entstanden so faszinierende und bewegende Nahaufnahmen, dass den beiden bald klar wurde, dass da ein großes Potential brachliegt. Die mittlerweile professionell produzierten Videos sollen vor allem eines vermitteln: ein realistisches Bild der Landwirtschaft. Ronny Köhli lässt aktuell ein Produkte- und Imagevideo über das Spargelstechen produzieren. Damit will er den Konsumenten aufzeigen, wie viel Arbeit die Spargelproduktion erfordert. „Oft werde ich von Kunden gefragt, was ich außerhalb der zweimonatigen Spargelsaison mache“, sagt der Kallnacher. „Dass wir - bevor wir ernten können - rund 20'000 Setzlinge pro Hektare pflanzen, dann zwei Jahre warten und pflegen müssen, bekommt niemand mit.“ Dazu kommt, dass jede einzelne Spargel gestochen werden muss, jede einzeln aufs Band gelegt, gewaschen, gewägt und durch eine Schlusskontrolle muss. Bevor sie dann im eigenen, neu gestalteten Hofladen in den Kisten zum Verkauf und letztlich auf dem Teller landet. Ronny Köhli ist überzeugt, dass ein Video, das auf seiner Webseite oder auf Social Media-Plattformen gestellt wird, einen großen Werbeeffekt erzeugt und auch die jüngere Generation anspricht. „Ein 30-Sekundenvideo auf Facebook ist wie ein Reminder, eine Erinnerung für die Kundschaft - im Sinne von: ab jetzt gibt’s wieder einheimische Spargeln bei Köhlis in Kallnach und das verbreitet sich blitzschnell auf diesen Netzwerken“, ist er überzeugt.

Große Nachfrage nach Drohnen

Alle Kanäle zu nutzen ist auch für Simon Möri wichtig. Seine Videofilme kann er auch ganz einfach via WhatsApp versenden und erreicht durch diese breite Streuung auch mögliche neue Kunden. Das ist wichtig für seine erfolgreiche Zukunft, denn der Verkauf von Drohnen boomt enorm. Der Verkauf hat sich in der Schweiz in den vergangenen zwei Jahren versiebenfacht. Am Schweizer Himmel surrt und brummt es also wie nie zuvor. Wenn Simon Möri seine Drohne für Aufnahmen in die Luft lässt, setzt er grundsätzlich auf den gesunden Menschenverstand. Trotzdem gibt es gewisse Regeln, die er einhalten muss. Ab einer gewissen Anzahl Personen muss Möri für den Einsatz seiner Drohne eine Bewilligung beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) einholen. Auch gibt es bestimmte Zonen, in der die Drohnen nicht fliegen dürfen. Wie in Anflugschneisen eines Flughafens. Das eingebaute GPS sorgt hier dafür, dass die fliegende Kamera automatisch landet. Zudem besteht auch eine gewisse Verletzungsgefahr durch die schnell drehenden Rotoren der Drohne. „Die wirken wie Messer, wenn man ihnen zu nahe kommt“, warnt Möri. Damit könnte der fliegende Kleinsthelikopter den Spargelspitzen echt an den Kragen.(lid)

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