Leidenschaft für Landtechnik und Landwirtschaft: Johannes Müller

Der Biobauer Johannes Müller aus Göttingen ist Finalist beim CeresAward.

Biobauer Johannes Müller ist Finalist beim CeresAward. Bild: Müller.

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„Ich begeistere mich schnell für neue Arten, besonders wenn sie gut schmecken!“, mit einem Augenzwinkern fasst Johannes Müller aus Göttingen seine Begeisterung für den Gemüseanbau zusammen. Vor vier Jahren ist er nach dem Studium der Agrarwissenschaften in Kiel in den Biobetrieb eingestiegen, den seine Eltern bereits seit 32 Jahren bewirtschaften. Während dieser Zusammenarbeit ist der Bauernhof erheblich gewachsen.

Mittlerweile baut die Familie gemeinsam mit 30 Mitarbeitern auf 100 Hektar Gemüse wie Brokkoli, Blumenkohl, Möhren, Rot- und Weißkohl, Wirsing, Sellerie und Rote Beete sowie auf 200 Hektar Getreide und Kartoffeln an. Weitere 50 Hektar Land am südlichsten Zipfel Niedersachsens dienen dem Naturschutz oder werden mit Kleegras bestellt. Für sein Engagement wurde Müller nun für das Finale des CeresAwards des Deutschen Landwirtschaftsverlages nominiert.

Dabei liegen dem Landwirt die Nischen besonders am Herzen. So gibt es bei ihm unter anderem bunte Möhren fürs Schulobst, spezielle Ofenkartoffeln für das türkische Gericht Kumpir mit Rezeptideen und auch gelbe Beete. „Die Vielzahl an Abnehmern macht den Anbau von Besonderheiten erst möglich“, sagt Müller. Beliefert werden Großhändler, aber auch Abokistenbetriebe. Ein Großteil der Arbeitszeit verwenden die Mitarbeiter darauf, Möhren zu waschen oder Kohl abzupacken. In den kommenden Jahren ist daher der Bau einer neuen Gemüseaufbereitung geplant. „Durch die hofeigene Aufbereitungshalle und optimale Lagerbedingungen können wir fast das ganze Jahr über Möhren an den Großhandel liefern“, hebt Müller eine Besonderheit hervor.

Das Getreide des Hofes liefert er zu 70% an eine Biobäckerei. Der Kreislauf schließt sich mit dem Mist, den der viehlose Hof von Nachbarbetrieben bekommt. „Ohne Dünger wächst nun mal kein vernünftiges Gemüse“, sagt Müller, dem die Zusammenarbeit mit seinen Berufskollegen sowie den Kunden und Zulieferern wichtig ist. Auf dem Hof kümmert er sich um die Vermarktung, die Mitarbeitereinteilung und das Monitoring. „Mein Job ist es vor allem, dass der Laden rundläuft“, fasst der 27-Jährige zusammen. Immer mehr Verantwortung zu delegieren, ist dabei sein langfristiges Ziel. „Das ist ein wachsender Prozess, aber man möchte ja auch mal in den Urlaub fahren“, sagt Müller und ist dankbar, den Hof gemeinsam mit seinen Eltern führen zu dürfen.

Seine Begeisterung für Agrartechnik lebt Müller in der Zusammenarbeit mit Maschinenherstellern aus, mit denen er neue Geräte für den Biolandbau entwickelt. „So kann ich beide Interessen optimal verbinden“, freut er sich und entwickelt zukunftsweisende Ackerbaustrategien für den Hof. Dafür arbeitet er mit Firmen aus der Agrarbranche sowie den Universitäten Göttingen und Kassel zusammen.

Freude bereitet es ihm auch, die Kunden für den Wert der Lebensmittel zu sensibilisieren. „Es wird immer noch viel zu viel weggeschmissen“, bemängelt er. In Zukunft soll es daher ein Schaufeld für Schulen und Kindergärten geben, auf dem der Nachwuchs selbst ernten darf. „Wir wohnen zwar auf dem Land, aber der Bezug zur Landwirtschaft ist bei vielen verloren gegangen“, sagt Müller. Wie gut eine frische Möhre schmeckt, können die Kinder zukünftig direkt vor Ort erfahren. Vom Land nach Berlin führt der CeresAward Müller und seine Berufskollegen im Herbst, um dort gemeinsam die Landwirtschaft zu feiern. (LPD)

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