Landgard: Umsatz und Ergebnis unter Plan

Umsatz und Ergebnis unter Plan. Hohe Verluste bei Malaco. Zahlungsausfälle in England. Probleme bei Obst und Gemüse. Lange Zahlungsziele im Lebensmittelhandel. Viele Projekte liegen auf Eis. Lieferanten sollen Zugeständnisse machen und Zahlungsziele verlängern.

Dunkle Wolken über Landgard

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Straelen-Herongen - Bei Deutschlands größtem Vermarkter von Blumen, Pflanzen, Obst und Gemüse läuft es zur Zeit nicht rund. Zwar konnte der Landgard im vergangenen Geschäftsjahr 2011 trotz hoher Verluste durch die EHEC-Krise beim Umsatz mit 2,014 Mrd. Euro erstmals die 2-Milliarden-Euro-Grenze durchbrechen (Vorjahr: 1,841 Mrd. Euro), doch die Erträge sollen zum Teil deutlich unter Plan liegen.

Der Leiter der Unternehmenskommunikation bei Landgard, Torsten Brandt, betonte in einem Interview, Landgard habe auch 2011 schwarze Zahlen geschrieben. Genaue Zahlen lägen aber noch nicht vor. Sicher ist indes: Das Umsatzziel von rund 2,1 Mrd. Euro wurde verfehlt. Den geplanten Umsatzzuwachs von 13% konnte Landgard in 2011 nicht erreichen, doch die erzielte Umsatzsteigerung um rund 9,4% ist für die widrigen Umstände beachtlich.

Landgard hat ein schweres Jahr hinter sich. Das Jahr hat nach einem sehr guten Start im Juni an Fahrt eingebüßt, heißt es in einer Landgard-Pressemitteilung. Vor allem die Insolvenz eines Großkunden in Großbritannien, die Probleme bei Malaco und die EHEC-Krise haben Spuren hinterlassen und belasten das Ergebnis.

Problemfall Malaco
Im Dezember 2011 meldete Landgard die komplette Übernahme aller noch ausstehenden Gesellschaftsanteile an der Malaco GmbH in Bergkamen ab dem 27. Dezember 2011 (GABOT berichtete). Die Firma werde zukünftig unter Landgard Obst & Gemüse GmbH & Co. KG firmieren. Durch die Integration in den Landgard Konzern könnten die umfangreichen Dienstleistungen der ehemaligen Malaco GmbH weitergeführt und noch ausgebaut werden.

Der Hintergrund: Aufgrund der Einleitung des Insolvenzverfahrens des vorherigen Minderheitsgesellschafters (49 %), der Manss Fruchtimport KG (Manss Gruppe), musste Landgard als Mehrheitsgesellschafter (51 %) die restlichen Anteile an der Malaco GmbH von der insolventen Manss Gruppe übernehmen und die entstandenen Verluste allein verbuchen. Und so muß Landgard auch für die Verbindlichkeiten, die sich bei Malaco angehäuft hatten, einstehen. Nach unbestätigten Gerüchten geht es dabei um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag, den Malaco seinen Lieferanten schuldet. Malaco soll angeblich durch „Manipulationen des Minderheitsgesellschafters“ in Schieflage geraten sein, berichtet der General-Anzeiger.

Zahlungsausfälle in England
In Großbritannien musste Landgard im Blumen- und Pflanzenhandel die Insolvenz eines Großkunden verkraften. Trotzdem plane Landgard UK in England ein Absatzplus von 15%. Dafür solle die neue Geschäftsführerin Sarah Mills sorgen. Außerdem sei in England die Gründung einer Genossenschaft geplant, der in sechs Monaten sechs große Erzeuger beitreten sollen, berichtet die Lebensmittel-Zeitung.

Veiling Rhein-Maas beendet erstes Geschäftsjahr
Eine große Veränderung bei Landgard war im vergangenen Jahr das Joint Venture mit FloraHolland: die Veiling Rhein-Maas (GAOT berichtete). Die ehemaligen Versteigerungen in Straelen-Herongen und Geldern-Lüllingen (Landgard) wurden mit der ehemaligen Versteigerung in Venlo (FloraHolland) am Standort Herongen zusammengelegt. Die in den Landgard Konzern einbezogene Veiling Rhein-Maas startete Ende November 2010 mit einer jährlichen Umsatzerwartung von 250 Mio. Euro. 

Die Verantwortlichen der Veiling Rhein-Maas sind mit der Startphase zufrieden. Man habe erste Erfolge erzielen können und die Prozesse im Verlauf des Jahres immer flüssiger gestalten können, auch wenn sicher nicht alles von Anfang an reibungslos und nach Wunsch gelaufen sei, so die Geschäftsführer der Veiling Rhein-Maas, Franz-Willi Honnen und Ruud Knorr. Kunden und Anlieferer hätten dafür viel Verständnis gezeigt. 2012 müsse man vieles noch weiter optimieren und das Unternehmen zukunftssicher aufstellen. Die Weiterentwicklung von Prozessen und Dienstleistungen und eine noch stärkere Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Kunden seien klare Ziele, die sich Veiling Rhein-Maas für 2012 gesetzt habe.

Probleme bei Obst und Gemüse
Bereits im vergangenen Jahr sei das Ergebnis von Landgard abgerutscht und das Geschäft mit Obst und Gemüse verlief zuletzt enttäuschend, so die Lebensmittelzeitung. Dennoch sehe der Vorstandsvorsitzende Henning Schmidt die Genossenschaft auf dem richtigen Kurs und gut für die Zukunft aufgestellt. 

Der Hauptgrund für die Verluste im Obst- und Gemüsebereich ist sicherlich die EHEC-Krise. Bundesweit waren dem deutschen Gemüsebau Verluste von 4 Mio. Euro täglich entstanden, für das Rheinland lagen die Verluste zwischen 200.000 und 400.000 Euro po Tag, und das geht auch an einem Vermarkter wie Landgard nicht spurlos vorbei. Selbst Monate nach der EHEC-Krise kann man immer noch nicht von einer Erholung des Marktes sprechen. Die Gemüseproduzenten und damit auch Landgard leiden immer noch unter der anhaltend niedrigen Nachfrage und dem Überangebot am Markt, ein entsprechender Preisdruck ist die Folge.

Lange Zahlungsziele - Lieferanten sollen Zugeständnisse machen
Ein weiteres großes Problem sind offenbar die Forderungen einiger Konzerne des Lebensmittelhandels. Landgard befindet sich in einer Zwickmühle: Kunden aus dem Lebensmitteleinzelhandel würden ihre Warenrechnungen durchschnittlich nach rund 40 Tagen bezahlen. Einige Großkunden aus dem Lebensmitteleinzelhandel würden massiv längere Zahlungsziele fordern, berichtet die Lebensmittelzeitung, in Einzelfällen soll es um Zahlungsziele von bis zu 60 Tagen gehen. Doch die Landwirte bekämen ihre Warenlieferungen bereits nach spätestens 14 Tagen bezahlt. Daraus ergäbe sich eine dreistellige Millionensumme, die Landgard über Kredite vorfinanzieren müsse. Aus diesem Grund sollen die Lieferanten von Landgard Zugeständnisse machen. Landgard wolle bei seinen Lieferanten für eine Verlängerung der Zahlungsziele werben. 

Bescheidenere Ziele
Für das laufende Geschäftsjahr hat sich Landgard bescheidenere Ziele gesteckt: Der Umsatz soll um rund 3 % wachsen. Durch den Ausbau von Dienstleistungen wolle die Genossenschaft ihre Abhängigkeit vom Lebensmitteleinzelhandel verringern, sagte zumindest Torsten Brandt gegenüber dem General-Anzeiger. Auch in Sachen Unternehmenskäufe und -übernahmen gibt man sich mittlerweile bei Landgard bescheiden. Laut Lebensmittelzeitung seien im laufenden Geschäftsjahr keine Zukäufe geplant.

In einem Interview gegenüber der Fachzeitung gibt sich Vorstandsvorsitzender Henning Schmidt überzeugt: Landgard werde seine Position als führender Vermarkter in Deutschland und Europa weiter ausbauen. Der Ausbau eines umfangreicheren Dienstleistungsangebots vom Feld bis in den Handel werde Schwerpunkt im nächsten Jahr sein. Das gelinge nur gemeinsam mit den Produzenten und dem Handel.

Landgard mit Sitz in Straelen-Herongen ist eine der größten europäischen Vermarktungsorganisationen für Topfpflanzen, Schnittblumen, Gärtner- und Floristenbedarf sowie Obst und Gemüse und erzielt einen jährlichen Umsatz von rund 2 Mrd. Euro (2011). In den verschiedenen Geschäftsbereichen des Unternehmens sind rund 3.500 Mitarbeiter beschäftigt. Zur Zeit betreibt Landgard unter anderem 34 Cash & Carry Märkte inner- und außerhalb Deutschlands.

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