Laimburg: Neue Methoden bei Versuchsvorstellungen

Am 11. August hat der Sachbereich Ökologischer Anbau des Versuchszentrums Laimburg zusammen mit den Kollegen der Fondazione Edmund Mach in San Michele all’Adige (TN) aktuelle Versuche im ökologischen Obst- und Weinbau vorgestellt.

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Am 11. August hat der Sachbereich Ökologischer Anbau des Versuchszentrums Laimburg zusammen mit den Kollegen der Fondazione Edmund Mach in San Michele all’Adige (TN) aktuelle Versuche im ökologischen Obst- und Weinbau vorgestellt.

Am Vormittag ging es an der Fondazione E. Mach in San Michele all’Adige (TN) um den ökologischen Weinbau. Am Nachmittag stellten die Experten des Versuchszentrums Laimburg etwa 200 Interessierten ihre Untersuchungen im ökologischen Obstbau vor. Die Schwerpunkte der diesjährigen Versuchsvorstellungen am Versuchszentrum Laimburg waren die Ertragsregulierung mittels Schwefelkalkbrühe oder Paraffinöl, der Einsatz von sog. Keep-In-Touch®-Systemen gegen Pilzbefall bei der Sorte Cripps Pink/Pink Lady® und die Förderung der funktionellen Biodiversität in Obstanlagen. Zudem haben die Experten des Versuchszentrums in einem Tastversuch vorgestellt, wie Heizwasserdampf als Alternative zum Herbizid bzw. zur mechanischen Unkrautregulierung gegen Beikräuter im Baumstreifen eingesetzt werden kann.

Ertragsregulierung mit Schwefelkalkbrühe oder Paraffinöl
Die Ertragsregulierung – das Ausdünnen – ist ein Dauerbrenner im Obstbau. Auch dieses Jahr hat sich das Versuchszentrum Laimburg dem Thema gewidmet: Zum einen wurde der Einsatz der Schwefelkalkbrühe zur Blütenausdünnung auf den neuen Sorten Nicoter/Kanzi®, Bonita und SQ159/Natyra® getestet, um zu klären, wie empfindlich diese darauf reagieren. Zum anderen wurden Versuche mit dem Eko-Oil-Spray (Paraffinöl) durchgeführt. Dieser soll den Junifall an Bäumen mit unterschiedlichem Wachstum bzw. an Bäumen, an denen ein Wurzelschnitt durchgeführt wurde, fördern. „Das unterschiedliche Wachstum der Bäume hatte keinen eindeutigen Einfluss auf die Ausdünnungswirkung. Wird der Wurzelschnitt im zeitigen Frühjahr durchgeführt, verstärkt er die Wirkung der Ausdünnung“, fasste Markus Kelderer, Leiter des Sachbereichs Ökologischer Obstbau am Versuchszentrum Laimburg die Versuchsergebnisse zusammen.

Keep-In-Touch®-Systeme gegen Pilzbefall bei der Sorte Cripps Pink/Pink Lady®
Die Apfelsorte Cripps Pink, die unter dem Markennamen Pink Lady® vertrieben wird, ist sowohl beim Konsumenten als auch beim Produzenten sehr beliebt. Der Konsument schätzt sie wegen ihres Geschmacks und ihres ansprechenden Aussehens, der Produzent wegen hoher Erträge und guter Auszahlungspreise. Den ökologisch wirtschaftenden Obstbauer hingegen konfrontiert die Sorte mit einigen Problemen: „Die lange Vegetationszeit fördert in Südtirol vor allem im Herbst den Befall der Früchte mit verschiedenen Pilzen – Schorf, Alternaria, Rußflecken und Regenflecken – wobei sich dieser Befall häufig erst nach der Lagerung zeigt“, erklärte Ewald Lardschneider vom Versuchszentrum Laimburg. Der Sachbereich Ökologischer Anbau des Versuchszentrums Laimburg hat darum im Herbst 2015 einen Versuch zur Regulierung der Pilzkrankheiten im Biologischen Anbau durchgeführt. Eine interessante Möglichkeit, den Pilzbefall in den Griff zu bekommen, stellen Keep-In-Touch®-Systeme dar, die es ermöglichen, die Reihen komplett einzunetzen. Jedoch sind diese Systeme noch nicht zur Gänze ausgereift: „Das System ist sehr teuer, die Befestigung am Stützgerüst noch nicht ideal ausgearbeitet, das Öffnen und Schließen der Netze gestaltet sich zeitaufwändig und die Lebensdauer ist noch nicht abgeklärt“, so die Einschätzung von Markus Kelderer, der das System mit seinem Team getestet hat. „Andere offene Fragen sind, welche Auswirkungen das System auf die Qualität der unterschiedlichen Apfelsorten hat und welchen Einfluss es auf die Applikationstechnik ausübt, wenn zusätzliche Behandlungen notwendig sind.“

Förderung der funktionellen Biodiversität in den Obstanlagen
Am Versuchszentrum Laimburg werden seit 2015 mehrere Versuche mit in Fahrgassen angelegten Blühstreifen durchgeführt. Diese Blühstreifen sollen sich mehrjährig in den Anlagen etablieren und während der ganzen Vegetationsperiode für ein Angebot an blühenden Pflanzen sorgen, welche nützliche Insekten als natürliche Gegenspieler gegen Schädlinge wie die Mehligen Apfelblattlaus oder die Obstmade anlocken. „Das Projekt startete 2015 aufgrund von Trockenheit und Verdrängung durch andere konkurrenzstarke Arten eher zögerlich. Heuer zeigen sich die Streifen erstmalig in ihrer vollen Blütenpracht und uns ist es gelungen, bereits zahlreiche Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegenlarven oder Schwebfliegen anzulocken “, freut sich Projektmitarbeiter Josef Telfser. Die Versuche an der Laimburg sind Teil des EU-finanzierten Projekts Ecoorchard, das erforscht, wie durch die Förderung von funktioneller Agrobiodiversität in ökologisch bewirtschafteten Obstanlagen der Schädlingsbefall und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert werden können. Finanziert wird Ecoorchard vom europäischen Förderprogramm für die ökologische Landwirtschaft CORE Organic Plus. Am Projekt sind außer dem Versuchszentrum Laimburg weitere neun Partnerinstitutionen aus neun verschiedenen Ländern beteiligt.

Der ökologische Anbau in Südtirol
2015 gab es in Südtirol insgesamt 848 ökologisch wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe sowie 44 gemischte Betriebe (mit „konventionellen“ Kulturen). Im Obstanbau entfällt der Großteil der Fläche auf Kernobst (Äpfel, Birnen) mit einem Anteil von 7,9 Prozent an der Obstanbaufläche Südtirols. Der biologische Weinanbau wird auf 4,7 Prozent der Weinbaufläche Südtirols betrieben. Die biologisch angebauten Produkte werden in insgesamt 295 Betrieben aufbereitet und vermarktet.

Land- und Forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg
Das Land- und Forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg versteht sich als führende Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol. Das Versuchszentrum Laimburg betreibt vor allem angewandte Forschung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern. Über 200 Mitarbeiter arbeiten jährlich an rund 350 Forschungs- und Versuchsprojekten aus allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft, von Obst- und Weinbau bis hin zur Berglandwirtschaft. Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet.

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