Laimburg: Großes Interesse an neuen Apfel- und Birnensorten

Im Rahmen der gerade zu Ende gegangenen Obstmesse Interpoma (24.–26.11.2016) hat das Land- und Forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg ein internationales Symposium zu Apfel- und Birnensorten veranstaltet.

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Im Rahmen der gerade zu Ende gegangenen Obstmesse Interpoma (24.–26.11.2016) hat das Land- und Forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg ein internationales Symposium zu Apfel- und Birnensorten veranstaltet. Über 140 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 22 verschiedenen Ländern nutzten die Gelegenheit, sich über neue Sorten zu informieren.

Die Nachfrage nach neuen Sorten ist groß – das bestätigte die rege Teilnahme am Symposium zum Thema „Prüfung von Apfel- und Birnensorten“, das Walter Guerra, Pomologe und Sortenexperte am Versuchszentrum Laimburg, und sein Team in Zusammenarbeit mit der Universität Bologna und dem nationalen Institut CREA organisiert hatten. Über 140 Wissenschaftler, Anbauer, Züchter, Sortenprüfer, Vermarkter, Sortenmanager, Berater und Anwälte informierten sich in den Fachvorträgen internationaler Experten über Methoden, Ergebnisse und Herausforderungen von Züchtungsprogrammen in Italien, Europa und Australien. Darüber hinaus waren in einer vom Versuchszentrum Laimburg aufgebauten Sortenausstellung über 70 Muster von Apfelmutanten und neue Apfel- und Birnensorten zu bestaunen.

Auf der Jagd nach neuen Apfelsorten
Neue Sorten zu entwickeln und anzubieten sei eine wichtige Strategie, um sich von der Konkurrenz abzuheben, betonte Walter Guerra, Pomologe und Sortenexperte am Versuchszentrum Laimburg, in seinem Vortrag. Das Interesse an neuen Gala-Klonen, das bereits seit längerem anhält, bleibe weiterhin bestehen. Sehr interessant sind Guerra zufolge auch resistente Sorten, die inzwischen ein bemerkenswertes Qualitätsniveau erreicht haben. Daneben füllen kleinfruchtige Snack-Äpfel eine wichtige Nische im Markt. Neuheiten gebe es auch bei der Farbe des Fruchtfleisches, berichtete der Experte: Neugezüchtete Sorten mit rotem Fruchtfleisch wecken das Interesse und die Neugierde einer Vielzahl von Konsumenten. Schlussendlich komme es aber auch auf die inneren Werte des Apfels an: Saftigkeit, Süße und Knackigkeit spielen neben Geschmack und Aroma seit jeher eine wichtige Rolle. Neue Zuchtziele könnten Guerra zufolge in Zukunft auch in Richtung super-süße Äpfel gehen, die insbesondere für die Eroberung des asiatischen Marktes eine große Rolle spielen. Daneben gehe die Forschung aber auch in die Richtung von Sorten, die einen niedrigen Anteil von Allergenen aufweisen, so der Experte.

Prüfung neuer Sorten im nationalen Projekt „Liste Varietali“
Thema des Vortrags von Stefano Tartarini von der Universität Bologna war das nationale Sortenprüfungsprojekt „Liste Varietali“, das das italienische Ministerium für Landwirtschafts-, Ernährungs- und Forstpolitik (MIPAAF) 1994 ins Leben gerufen hat. Am Projekt beteiligt sind auch das Versuchszentrum Laimburg und ein Dutzend anderer Institute. Ziel des Projekts ist es, die Versuche zur Leistungsfähigkeit neuer Sorten in ganz Italien mitzufinanzieren und zu koordinieren. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind insgesamt 300 Sorten getestet worden; auf der Grundlage dieser Tests wird jährlich die Liste der für den Anbau geeigneten Sorten erstellt.

Prüfung neuer Birnensorten in Italien
Giuseppina Caracciolo von der Forschungsgruppe Obstbau im “Consiglio per la ricerca in agricoltura e l’analisi dell'economia agraria” (CREA) informierte über die Prüfung von Birnensorten im Rahmen des nationalen Projekts „Liste Varietali“. Von den 79 evaluierten Birnensorten wurden 18 für positiv befunden. In Italien bleibt die Sorte Abate Fetel trotzdem weiterhin mit Abstand die am meisten angebaute Birnensorte.

EUFRIN-Arbeitsgruppe “Apple & Pear Variety & Rootstock Testing
Jef Vercammen vom Forschungszentrum pcfruit (Belgien) stellte das EU-weite Netzwerk EUFRIN vor, an dem auch das Versuchszentrum Laimburg beteiligt ist. Das Netzwerk ist in verschiedene Arbeitsgruppen unterteilt. Ziel der Arbeitsgruppe zu Apfel- und Birnensorten sowie zu Unterlagenversuchen, die Vercammen leitet, ist es teils vertrauliche Informationen und Erfahrungen über neue Sorten und Unterlagen untereinander auszutauschen.

Prüfung neuer Apfel- und Birnensorten in Australien
Garry Langford vom Australian Pome Fruit Improvement Program Limited (Australien) erklärte in seinem Vortrag, wie Sortenprüfung in Australien vonstatten geht. Die Vereinigung der Apfel- und Birnenproduzenten hat 1997 das Programm zur Verbesserung des Australischen Kernobstes (Australian Pome Fruit Improvement Program Ltd.) gegründet. Im Rahmen des Programms werden neue Sorten geprüft und Pflanzmaterial zertifiziert. Mit den australischen Quarantänebehörden besteht eine enge Zusammenarbeit, um neue Apfel- und Birnensorten nach Australien zu importieren. Finanziert wird das Programm von der australischen Regierung. Seit Beginn des Programms wurden insgesamt 111 Apfel- und 60 Birnensorten evaluiert; momentan stehen 36 Apfel- und 30 Birnensorten in der Prüfung.

Zum Abschluss bot das Symposium Raum für eine Podiumsdiskussion mit den Referenten, die das interessierte Publikum nutzte, um Fragen zu den Sorten zu stellen.

Das Land- und Forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg
Das Land- und Forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg versteht sich als führende Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol. Das Versuchszentrum Laimburg betreibt vor allem angewandte Forschung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern. Über 200 Mitarbeiter arbeiten jährlich an rund 350 Forschungs- und Versuchsprojekten aus allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft, von Obst- und Weinbau bis hin zur Berglandwirtschaft. Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet. (Versuchszentrum Laimburg)

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