Klimaprojekt: Minister wirbt für Paludikultur

Das Projektes ZENAPA (Zero Emission Nature Protection Areas) verbindet Klima- und Artenschutz.

Paludikulturen sind nicht nur für den Klimaschutz wichtig, sondern bieten auch Lebensräume u.a. für Insekten. Bild: GABOT.

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Der Anteil von Ackerbau und Viehzucht an den Treibhausgas-Emissionen in Deutschland liegt derzeit bei rund 7,5%. Im Jahr 2015 beliefen sich die Gesamtemissionen aus dem Ackerland auf ca. 14.900 t CO2-Äquivalente. Diese Zahlen nannte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminster Dr. Till Backhaus auf der Jahreskonferenz des EU-LIFE-IP-Projektes ZENAPA (Zero Emission Nature Protection Areas) der Akademie für Nachhaltige Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern in Bollewick bei Röbel. Das Projekt verbindet Klima- und Artenschutz; die Tagung widmet sich unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit u.a. den Themen Ernährung, Energiegewinnung, Mobilität oder Tourismus.

„Etwa 77% der Treibhausgas-Emissionen aus dem Bereich der Ackerlandbewirtschaftung stammen aus ackerbaulich genutzten Mooren. Das gilt auch für Mecklenburg-Vorpommern: Trockengelegte Moore stellen mit mehr als 6 Mio. t Kohlendioxidäquivalenten die größte Treibhausgasquelle des Landes dar“, erläuterte Dr. Backhaus. Demgegenüber erfordern die international vereinbarten Klimaschutzziele die Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 90%.

Allerdings sei es nicht möglich, zugunsten des Klimaschutzes „Flächen in Größenordnungen einfach aus der Nutzung zu nehmen“, sagte Backhaus. „Vieles, was heute noch mit Hilfe fossiler Energieträger produziert wird, muss künftig mit Hilfe nachwachsender Rohstoffe herstellgestellt werden. Der Nutzungsdruck auf die Flächen wird also weiter steigen“, argumentierte er.

Genau an diesem Punkt setze nachhaltige Entwicklung an. „Wir müssen Produktionsformen entwickeln, die die Treibhausgasemissionen senken, die aber dennoch Moore für den Anbau nutzbar lassen und die Artenvielfalt erhalten“, sagte der Minister. Mit der in Zusammenarbeit mit Greifswalder Wissenschaftlern entwickelten Fachstrategie Paludikultur – der Landwirtschaft bei hohen, den Torf schonenden und damit den Treibhausgas-Ausstoß reduzierenden Wasserständen – habe das Land Ende 2017 bereits einen Meilenstein zur nachhaltigen Nutzung vormals trockengelegter und später wiedervernässter Moore gesetzt. „Als erstes Bundesland haben wir mit der Fachstrategie Paludikultur dargestellt, welche Kulturen für unser Land relevant sein können, welches ökonomische Potential sie haben und welche Emissionsminderungen durch ihren Anbau möglich sind“, so Backhaus. „Wir sind damit auf einem sehr guten Weg, unsere Landwirtschaft an den Klimaschutzzielen auszurichten“.

Weiter stellte der Minister dar, dass Paludikulturen nicht nur für den Klimaschutz wichtig sind, sondern auch Lebensräume u.a. für Insekten bieten. Angesichts des dramatischen Rückgangs der Insektenzahl in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten müsse alles getan werden, um die Lebensbedingungen für Wildbienen und Insekten zu sichern. „75% der Pflanzen sind auf bestäubende Insekten angewiesen. Die Produktion eines Drittels aller Nahrungsmittel wäre ohne vorangegangene Insektenbestäubung nicht möglich. Die durch Insekten erbrachten Ökosystemleistungen liegen weltweit im dreistelligen Milliardenbereich. Nach Schätzungen der Experten entstünde ein Schaden von bis zu 300 Mrd. Euro pro Jahr, wenn es keine bestäubenden Insekten mehr gäbe“, so der Minister. Ein nächster Schritt, um die den Insektenschutz dauerhaft in Politik und Gesellschaft zu verankern, sei die Diskussion des Ministers mit der neuen Bundesumweltministerin, Svenja Schulze. (Regierung Mecklenburg-Vorpommern)

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