Interview: "Mode ist wie wir leben und Pflanzen sind die Extension davon"

Kurz vor dem Höhepunkt der diesjährigen Berlin Fashion Week, der StyleNite, Modenschau und Party zugleich, führte die GABOT-Redaktion ein Gespräch mit dem Modedesigner Michael Michalsky über seinen Bezug zu edlen Blüten und über die Beziehung zwischen Mode und der Gestaltung mit Blumen und Pflanzen.

Modedesigner Michael Michalsky

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Erst seit kurzem ist die Erzeugergenossenschaft Landgard mit der Kampagne "1000 gute Gründe" Partner des Berliner Modeschöpfers. Michael Michalsky gründete sein Modelabel 2006 und ist einer der erfolgreichsten Deutschen Designer. Neben der Kreation von Mode ist er auch weltweit als Product und Interior Designer (Michalsky Design Lab) gefragt. Für den Bereich Home and Living kreiert er seit 2011 verschiedene Produkte wie Tapeten, Teppiche und Sofas. Seit 2016 sitzt er als Nachfolger von Wolfgang Joop in der Jury von Germany's Next Top Model (#GNTM) und kommentiert auf Pro7 die Oscar-Verleihungen aus Sicht eines Modeexperten.

Im Rahmen der Michalsky StyleNite ergänzten vor allem elegante und edle Pflanzen wie weiße Orchideen, Heliconia und weiße Hydrangea die in Anthrazit, Weiß und Silber gehaltenen Interior-Elemente.

Welche ist Ihre Lieblingsblume oder auch Lieblingspflanze?

Jegliche Form von Lilien und Orchideen finde ich toll, weil die vom "Design" so wunderschön, zeitlos und elegant sind. Diese Blumen gibt es in so vielen verschiedenen Farben. Und Calla gehören definitiv auch dazu, die liebe ich auch.

Wären Sie lieber Florist oder Gärtner, Herr Michalsky?

Ich glaube, da wäre ich eher Florist geworden. Ich hab' nicht so den grünen Daumen. Ich hatte mal einen großen Garten, dafür habe ich mir immer professionelle Hilfe geholt. Jetzt habe ich eine wunderschöne Dachterrasse in Berlin. Selbst da hole ich mir Hilfe. Ich sage dann eigentlich nur, wie es aussehen soll, welche Blumen und Pflanzen ich dort gerne hätte, wie viele, welche Farben, etwas in Töpfen oder Übertöpfen. Das ist mir sehr wichtig. Aber ich habe natürlich auch ein sehr hektisches Leben und Pflanzen wollen geliebt und gepflegt werden, deshalb muss man sich da dann auch Hilfe holen. Mein Kumpel Holger hat einen supergrünen Daumen, den beneide ich da immer. Der hat die tollste Dachterrasse ever. Der fährt aber auch am Samstag spontan in einen Gartenmarkt , kauft dann Pflanzen, von denen man denkt, dass die in Berlin eigentlich gar nicht anwachsen und verwandelt seine Terrasse in einen botanischen Garten. Ich weiß nicht, wo der das her hat. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich zu dem fahre (lachend).

Welche Rolle spielen Blumen und Pflanzen in Ihrem Leben? Dekorieren Sie Ihre Wohnung selbst? 

Ja natürlich! Ich meine als Designer ist man ja sehr visuell. Und als Designer hat man natürlich eine Meinung dazu, wie sein Umfeld, seine Umwelt aussieht. Deshalb mache ich ja auch viele Interieur-Projekte, ich habe hier meinen eigenen Laden am Potsdamer Platz designed, die Catwalk Bar, ich habe eine ganz tolle Vinothek in Landau für den Winzerverein Südliche Weinstraße gemacht, Sie sitzen auf einem Michalsky-Sofa und ich finde das geht auch Hand in Hand. Warum soll man denn nicht auch das Umfeld und die Räume gestalten, in denen seine Mode stattfinden könnte. Aber als Designer, wenn ich durch die Straßen gehe, habe ich zu allen möglichen Sachen natürlich eine Meinung. Und sage mir, ok, das wäre jetzt cooler, wenn das jetzt so oder so aussähe. Und für mich gehören zum Interieur natürlich auch Blumen und Pflanzen dazu.

Was kann die Floristik von der Mode lernen?

Ja, die Floristik kann von der Mode zum Beispiel lernen wie man sich präsentiert. Bei uns ist das ja so, dass man alle sechs Monate eine Fashion Show macht. Ich glaube, dass die Floristik auch inzwischen Modetrends unterliegt. Es gibt ja Blumen, die heutzutage nicht mehr so "in" sind, wie sie es vielleicht früher waren und dann wieder ein Comeback haben. Ich glaube, dass sich das inzwischen schon sehr beeinflusst. Denn Mode ist ja auch wie wir leben und die Extension von wie wir leben ist dann ja auch, welche Pflanzen wir um uns herum haben.

Wie denken Sie als Stadtbürger Berlins über Entwicklungen wie "Urban Gardening"?

Das finde ich gut, das gibt es sogar bei mir in der Straße. Bei mir in der Nähe gibt es ein großes Vattenfall-Heizkraftwerk und die haben jetzt einen Teil ihrer Vorfläche zu einem Urban Gardening gemacht, wo jeder hingehen kann. Finde ich cool. Ich bin ja sehr viel in der Welt unterwegs und habe das natürlich schon vor vielen Jahren in New York, in London, in Paris gesehen. Ich finde es gut, dass es so etwas gibt. Das macht ja unser ganzes Umfeld schöner.

Wann werden wir Vasen oder Pflanzgefäße von Michalsky (Michalsky LAB) sehen?

Ja, hoffentlich bald. Da gibt's auch großen Nachholbedarf.

Wie gehen Sie dabei konkret vor?

Ich glaube, da würde ich genauso vorgehen, wie bei anderen Produkten, zum Beispiel Besteck, Gläser oder Teller, die ich designe. Ich habe ja unter anderem WMF tableware gemacht und schon zwei Bestecke, nächstes Jahr kommt eine neue Serie. Ich glaube, dass da auch immer eine große Prise Michalsky drin ist. Das Sofa ist so geworden, weil ich das Sofa so haben wollte und ich all das zusammengetragen habe, was mich an anderen Sofas eben immer genervt hatte oder wobei ich das Gefühl hatte, dass etwas gefehlt hat. Und so würde ich das sicherlich auch mit Töpfen und Vasen machen, ganz klar. Und dann würde ich da natürlich den Michalsky-Look reinbringen!

Wie schaffen Sie es, aus dem Nichts heraus zuhause eine Atmosphäre zu schaffen?

Also erst einmal ist mein zuhause kein Nichts. Ich habe ein sehr schönes zuhause. Ich sammle Fotografien, ich sammle Vintage Möbel, ich lebe sehr eklektisch, verändere mich ab und zu und ändere das wiederum komplett. Also das ist schon mal nicht Nichts. Das hat also schon mal eine Atmosphäre an sich.

Und dann gibt es auch noch 1000 gute Gründe (so der Name der Initiative der Landgard Erzeugergenossenschaft), mit Blumen und Pflanzen Freude zu bereiten ...

Ja, man sieht natürlich, wenn ich zuhause bin, kaufe ich mir jede Woche Donnerstag oder Freitag Schnittblumen. Meine Wohnung ist für mich ein sehr privater Rückzugsort. Blumen und Pflanzen gehören da für mich auf jeden Fall dazu. Echte Blumen, die Schönheit und Vergänglichkeit zugleich in sich tragen, wie Calla oder Lilien. Damit kann ich natürlich auch anderen jederzeit eine Freude bereiten.

Und wie schaffen Sie die Atmosphäre auf dem Laufsteg? Wie präsentieren Sie eine Kollektion?

Bei mir ist es immer sehr wichtig, dass die Kollektion ein Thema hat. Dieses Thema soll sich dann immer auch durchziehen, wie die Mode inszeniert wird, in welcher Umgebung das passiert. Wie das Casting ist. Was für eine Musik läuft. Diesmal ist es das Thema "Electric Hedonism". Da passt es natürlich toll, dass die Präsentation im e-Werk in Berlin stattfindet. Da läuft dann passende Musik, das Casting und ich finde, das muss man einfach mal gesehen haben.

Man sagt Ihnen nach, dass sie es schaffen, Dinge zu kreieren, nach denen die Stars "verrückt" sind. Was machen Sie genau, damit das so ist?

Naja, wenn ich das mache, mache ich das nicht, um irgendwie nur Stars zu beeindrucken. Das ist vielleicht ein tolles Zufallsprodukt. Ich glaube, dass ich ein sehr gutes Trendgespür habe, eben weil ich jahrelang für Jugendmarken oder trendy Marken wie Levis oder adidas gearbeitet habe und denen auch geholfen habe, lange Jahre sehr erfolgreich zu werden oder wieder sehr erfolgreich zu werden. Ich glaube ich habe ein unheimlich gutes Trendgespür. Ich weiß wie Trends funktionieren, weil das für mich eben kein Job ist, sondern eine Leidenschaft, weil mir das eben Spaß macht und weil mein Leben nicht so in Beruf und Privatleben getrennt ist. Das verschmilzt ja alles und ich lebe das auch irgendwo. Und ich glaube, das ist das, was mich von vielen anderen Designern unterscheidet, dass ich eben aus den 100 Trends, die vielleicht gerade gleichzeitig passieren, den einen oder die zwei herausfinde, die sich für mich herauskristallisieren, wo ich ein Potential sehe, was viele Menschen anspricht.

Im Moment ist Amazon im Handel ja das riesen Angstthema. Wie denken Sie über Mode oder Ihr eigenes Label auf Amazon?

Also grundsätzlich bin ich ja jemand, der sich mit beiden Füßen in der Jetztzeit befindet. Und grundsätzlich hat sich ja mein Kaufverhalten auch geändert, so wie sich auch die komplette Modebranche geändert hat. Ich kaufe grundsätzlich auch im Internet ein. Ich kaufe da auch Lebensmittel ein. Aber ob und wie sich da die Kräfte verschieben, das kann ich nicht genau sagen, weil ich kein Retailspezialist bin. Aber ich selbst kaufe natürlich auch bei Amazon, meistens Bücher, so wie die mal angefangen haben. Meistens Kunstbücher, weil ich ja auch Bücher sammle.

Herr Michalsky, vielen Dank für das Gespräch!

(Das Interview führte Stefan Oberschelp, Redaktion GABOT)

Impressionen von der StyleNite

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