Im Interview: Dirk Bader

GABOT im Interview mit Dirk Bader, Vorstandsmitglied der Landgard eG, zur Corona-Pandemie, zu veränderten Warenströmen und was man aus der Krise lernen kann.

Landgard-Vorstand Dirk Bader. Bild: Landgard.

2020 wird ganz sicher als das "Corona-Jahr" in die Geschichte eingehen. Wie kommt Landgard durch diese globale Krise?

Wir alle werden die einzelnen Phasen, die wir gemeinsam durchlaufen haben, sicherlich so schnell nicht vergessen: Vom Lockdown über die wochenlange Schließung von Abholmärkten in Österreich, das Herunterfahren unseres stationären Handels in den unterschiedlichen Geschäftsbereichen bei Landgard (z.B. Gartenbaubedarf, Floristikartikel, Schnittblumen), die Reduzierung der Versteigerungstage bis hin zur zum ersten Mal in der Geschichte unserer Genossenschaft eingeführten Kurzarbeit in einigen Bereichen. Dies alles sind Ereignisse, die es vorher noch nicht gegeben hat.

In enger Abstimmung mit unseren Erzeugern und Kunden ist es uns jedoch nach einer gefühlt relativ kurzen Zeit gelungen, mit allen Maßnahmen, die wir in Gang gesetzt haben, die Vermarktung der Erzeugerware unserer Mitglieder in den Bereichen Blumen & Pflanzen und Obst & Gemüse wieder anzukurbeln. Unsere strategischen Kunden in den Bereichen Discount, LEH und DIY haben zu ihren Reservierungen gestanden und uns auch ansonsten stark bei der Vermarktung unterstützt. Der Fachhandel als unser größter und überaus wichtiger Vermarktungsweg hat seine Stärke und Flexibilität in dieser Krisensituation voll ausgespielt. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Cash & Carry Märkten haben Herausragendes geleistet, um die Kunden auch angesichts der sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach den Ostertagen zuverlässig mit frischen Blumen und Pflanzen zu versorgen.

Generell hat die Krise uns aber vor allem gezeigt: Gemeinsam können wir als Landgard, aber auch als Grüne Branche, selbst solch außergewöhnliche Herausforderungen erfolgreich meistern. Das zeigt ein Blick auf die aktuelle Geschäftsentwicklung. Dank unserer motivierten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in allen Bereichen, unserer starken Landgard Erzeuger, der strategischen Kunden und Partner sowie den vielen tausend Blumenfachgeschäften und Gartencentern können wir einen Umsatz kumuliert bis Juni 2020 bei Blumen & Pflanzen und bei Obst & Gemüse weit über Vorjahr ausweisen. Das macht uns natürlich sehr stolz.

Es zeigt für uns aber auch, dass Landgard durch eine schwere Krise gehen kann und gestärkt mit einem hohen Erfahrungsschatz aus dieser Situation hervor geht. Dies haben wir sicherlich auch der Tatsache zu verdanken, dass wir alle Entscheidungen innerhalb der Krisensituation und danach stets besonnen, mit viel Augenmaß und Weitblick getroffen und agiert haben, statt nur auf Vorfälle zu reagieren. Diese Erfahrung hat uns in der Zeit geprägt und den Zusammenhalt innerhalb unserer Erzeugergenossenschaft noch mehr gestärkt.

Wie merkt Landgard die Änderungen in den Warenströmen bei Obst und Gemüse? Was bedeutet die Pandemie für die Sparte Blumen und Pflanzen?

Im Bereich Obst & Gemüse lässt sich die Frage nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich ist der Absatz von Obst und Gemüse im deutschen LEH von März bis Mai gegenüber dem Vorjahr angestiegen. In der Phase des „Shutdown“ war die Nachfrage deutlich höher. Dieser Effekt hat ca. zwei Wochen angehalten. Danach flachte die Absatzmenge wieder ab und pendelte sich im deutschen LEH bei einem Plus von ca. 10% zum Vorjahr ein. Durch die Schließung der Gastronomie ist allerdings parallel dazu der Außerhaus-Konsum gesunken und der Absatz von Obst und Gemüse im Gastrobereich ist eingebrochen. Dennoch ist es uns insgesamt bis heute gelungen, unseren Umsatz mit Obst & Gemüse im Vergleich zum Vorjahr noch zu steigern. Dabei hatte die Sicherheit der Warenversorgung für uns neben dem Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter und Partner absolute Priorität.

Wie sich der Bereich Blumen & Pflanzen während der Krise entwickelt hat, habe ich ja bereits geschildert. Mit Blick in die Zukunft denken wir aber auch, dass die Erfahrungen der Corona-Zeit für die Grüne Branche durchaus eine Chance darstellen könne. Das eigene Zuhause und die Familie sind für viele Verbraucher wieder mehr zum Dreh- und Angelpunkt geworden. Dabei passen neue Trends wie der Urlaub zuhause oder die Arbeit im Homeoffice perfekt zu frischen grünen Produkten. Diese gesteigerte Bedeutung von Blumen, Pflanzen, Obst und Gemüse müssen wir nun nutzen.

Was hat Landgard in der aktuellen Krise gelernt?

Wer dynamische und flexible Prozesse hat und diese beherrscht, wer prompt auf Kundenwünsche reagiert, geschickte und flexible Verkäufer besitzt und diese Vermarktung noch digital unterstützt – der geht als Gewinner aus jeder Krise hervor. So haben wir die Corona-Pandemie erlebt und durchlebt. Unser Krisenmanagement hat dabei eine hervorragende Arbeit geleistet. Und die kontinuierliche Kommunikation und der Informationsaustausch zwischen den unterschiedlichen Sparten hat uns sehr geholfen, immer schnell richtige Entscheidungen zu treffen.

Was können Sie aus der Krise für die Zukunft mitnehmen?

Für unsere vier Hauptsäulen der Sparte Blumen & Pflanzen - Erzeuger, Vertrieb, Landgard intern und Produkte & Dienstleistung - haben wir Hauptthemen erarbeitet, die auch durch die Erfahrungen der Corona-Pandemie noch mehr in den Fokus gerückt sind. Mit Blick auf unsere Erzeuger wird die schnellere Digitalisierung der Erzeugerkommunikation und der weitere Ausbau der regionalen Produktion für uns im Fokus stehen. Im Vertrieb werden wir unser Leistungs- und Dienstleistungsportfolio schnell erweitern, die Digitalisierung der Vermarktungswege vorantreiben und die Steuerung der Produktionsplanung verstärken. Innerhalb von Landgard haben wir uns die Weiterentwicklung unserer Prozesse in der Intralogistik vorgenommen, denn dies ist der entscheidende Faktor zur Auftragsabwicklung innerhalb kürzester Zeit und auf möglichst kleiner Fläche. In Hinblick auf unsere Produkte und Dienstleistungen wollen wir das Thema Nachhaltigkeit auf allen Ebenen weiter vorantreiben und geschlossene Kreisläufe bei der Transportverpackung sicherstellen. Über allem steht aber ein letzter und wesentlicher Punkt, der mir persönlich besonders stark am Herzen liegt: Die Wertschätzung gegenüber unseren Mitarbeitern und Erzeugern. Und diese Wertschätzung misst sich nicht nur in barem Geld.

Vielen Dank!

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