Gras aus guten Gründen: Miscanthus

Alles hat seine Zeit und auch der Garten hat seine Moden, manche davon dauern länger. Mit der Jahrtausendwende ist im Garten das Zeitalter der Gräser angebrochen.

Die Freiflächen in Neubaugebieten müssen viele Funktionen erfüllen: Hier brechen sie auf attraktive Art und Weise die harten Linien der Architektur. Je nach Licht, Wetter und Wind verändert sich das Erscheinungsbild. Foto: elegrass.

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Vor über 60 Jahren vom Staudengroßmeister Karl Foerster im Zusammenhang mit Farnen ins Gespräch gebracht, dauerte es noch dreißig Jahre, bis sich die Gräser als systemstabilisierende Pflanzengruppe - gekonnt in Szene gesetzt von großen Gartendesignern - in perfekt natürlich gestalteten Gärten etablierten. Seitdem sind sie aus „feinen" Gärten nicht mehr wegzudenken, so wurde nach der Jahrtausendwende in einschlägigen Medien berichtet. Als „Fein" galten architektonische und große Gärten von Gartenkünstlern und Landschaftsarchitekten, denen die knalligen Blüten der Einjährigen, Zwiebelblumen und Stauden offenbar zu laut erschienen und die grüne Gärten mit dem Augenmerk auf Strukturen und Texturen schufen. Auch diese Zeit ging vorüber und heute dürfen auch „feine" Gärten Farbe bekennen, zeigen prächtige Staudenbeete und ganz natürlich und unübersehbar einen selbstbewussten Auftritt der Gräser. Die Rede ist nicht von Rasen und Wiesen, sondern von gezielt angelegten Beeten, die sehr natürlich daherkommen und oft erst in der zweiten Jahreshälfte und vor allem im Herbst ihren Höhepunkt haben. Just in einer Zeit, in der man „früher" den Garten auf den Winter vorbereitet, die Stauden und Gräser knöchelhoch und ordentlich abgeschnitten hat, lässt man sie heute gewähren und genießt ihr spätes Spiel mit Wind und Licht und durchaus auch mit Farbe.

Wunderbare Landschaften

Ist es nicht schön, dass sich unsere Einstellung zum Garten ständig wandelt und die Gärten seit ein paar Jahrzehnten immer naturnäher werden dürfen? Auch das ist natürlich eine Kunst und hat mit einfach wachsen lassen gar nicht so viel zu tun! Wichtig ist, wie man es macht! Wenn der Standort stimmt, man zur richtigen Zeit die richtigen Pflanzen zueinander gesellt und in der ersten Zeit die Unkräuter in Schach hält, dann entsteht mit ein bisschen Glück eine wunderbare Landschaft - und die muss gar nicht groß sein, aber sie darf es. Mit Gräsern lassen sich nämlich auch gut weite Flächen bespielen, wie man immer öfter auch im öffentlichen Grün der Städte sehen kann.

Eine Gattung, die äußerst vielseitig ist und sehr viel mit sich machen lässt, ist Miscanthus, das Chinaschilf, mit vielen Arten, die sehr unterschiedlich aussehen können. Manche davon werden wie Mais mehr als mannshoch und wurden früher mit Lehm als stabilisierendes Gerüst für den Gebäude- und Mauerbau genutzt; manche geben wunderbare Solitaire in Vorgärten, andere schaffen auch hochwüchsig bewegte und seidige Gartenbilder und wieder andere gedeihen sogar im Kübel auf Balkon und Terrasse. Miscanthus ist wirklich ein Tausendsassa. Das Chinaschilf gehört für viele zu den schönsten Ziergräsern überhaupt, es stammt wie der Name vermuten lässt ursprünglich aus Ostasien und gehört zu den Süßgräsern.

Unter den Arten gibt es ein sehr abwechslungsreiches Sortiment, das verschiedenste Kombinationen auch mit Stauden und Gehölzen möglich macht. Die Großen können es durchaus im Sichtschutz mit einer Hecke aufnehmen, aber man sollte dabei nicht vergessen, dass der Sichtschutz ein zeitlich begrenzter ist. Zeitig im Jahr wird der Miscanthus geschnitten und braucht dann doch viele Monate, bis er wieder auf seine Höhe kommt. Die behält er dekorativ im Spätsommer, Herbst und Winter und das sind nicht immer die Monate, in denen im Garten ein Sichtschutz Thema ist.

Ideale Standortbedingungen

Das Chinaschilf hat lange, schmale Blätter und ein sehr robustes Wurzelsystem. Im Gegensatz zum Bambus (Phyllostachys) bildet er aber keine langen Wurzelrhizome, die eine kostenintensive Rhizomsperre nötig machten, man kann ihn also meistens gut in Schach halten. Gepflanzt werden sämtliche Miscanthusarten in durchlässige Bögen und sie kommen mit sonnigen bis halbschattigen Standorten gut zurecht. Gepflanzt werden kann getopfte Ware von März bis Dezember. Gräserproduzent Klaus Peters rät allerdings zur Frühjahrspflanzung: „Im Frühjahr gepflanzte Miscanthus sind einfach widerstandsfähiger und bis zum Winter so verwurzelt, dass Fröste den Gräsern nichts mehr anhaben können. Nutzen Sie die kalten Monate jetzt für ihre Gartenpläne und schreiten sie im frühen Frühjahr zur Tat. Zum richtigen Zeitpunkt an gutem Standort gepflanzt, ist Miscanthus sehr robust, nicht mal Schnecken können ihm etwas anhaben."

Kein Wunder, dass man Miscanthus derzeit häufig auch in neuen urbanen Wohnquartieren sieht. Durch seine harmonisierende Eigenschaft - die viele Gräser mit sich bringen - werden die harten Linien der Architektur gebrochen. Das Spiel mit Wind und Licht - und durchaus auch mit Farbe - lässt sehr dynamische Freiraumbilder entstehen und wenn man genau hinhört, dann kann man dem Gras beim Wachsen zuhören. Es ist sehr erstaunlich, welche Atmosphäre Gräserflächen mit sich bringen und wie sich mit ihnen Räume schaffen lassen. Gräser verbinden in jedem besseren Sinne und das gelingt im Großen wie im Kleinen. Gräser sind feine Partner zu Stauden, sie lassen sie sogar besonders zur Wirkung kommen, sie harmonieren aber auch bestens mit Gehölzen und saisonal mit farbstarken Zwiebelblumen. (Quelle: elegrass)

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