Glyphosat: Sicherheit von Rückstandsgehalten überprüft

Die EFSA hat die gesetzlich erlaubten Glyphosat-Höchstgehalte in Lebensmitteln überprüft.

Noch ist Roundup als bekanntestes Glyphosat-Mittel nicht überall aus den Regalen verschwunden. Bild: GABOT.

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Die EFSA hat ihre Überprüfung der gesetzlich erlaubten Glyphosat-Höchstgehalte in Lebensmitteln abgeschlossen. Die Überprüfung basiert auf Daten zu Glyphosatrückständen in Lebensmitteln, die der EFSA von allen EU-Mitgliedstaaten übermittelt wurden.

Die Rückstandshöchstgehalte (Maximum Residue Levels – MRLs) werden festgelegt, um sicherzustellen, dass die Verbraucher vor übermäßigen Glyphosatmengen in ihrer Ernährung geschützt sind. Grundlage hierfür ist eine Analyse sämtlicher in der EU zugelassenen Anwendungen des Herbizids.

Die Bewertung verweist auch auf Unsicherheiten, die sich aus Lücken in den übermittelten Daten ergeben (für Einzelheiten siehe vollständige mit Gründen versehene Stellungnahme).

Die Überprüfung – die sämtliche mit Glyphosat behandelten Kulturpflanzen berücksichtigt – umfasst eine Risikobewertung, aus der hevorgeht, dass die derzeitigen Expositionsniveaus voraussichtlich kein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen. Für die vorliegende Bewertung verglich die EFSA Daten zur Ernährung von Erwachsenen und Kindern in der EU mit den von der Behörde in ihrer Schlussfolgerung von 2015 empfohlenen unbedenklichen Aufnahmemengen.

Tiergesundheit

Daten aus der MRL-Überprüfung flossen auch in einen zweiten, ebenfalls heute veröffentlichten Bericht ein, in dem die potenziellen Auswirkungen von Glyphosatrückständen in Futtermitteln auf die Tiergesundheit bewertet werden.

Die Bewertung berücksichtigte alle verfügbaren Informationen zum Vorkommen von Glyphosat in Futtermitteln, einschließlich importierten Futtermitteln. Sie gelangt zu dem Ergebnis, dass Glyphosat voraussichtlich keine Auswirkungen auf die Gesundheit von Rindern, Schafen, Schweinen, Pferden und Hühnern hat.

Was sind Rückstandshöchstgehalte?

MRL sind rechtlich zulässige Höchstmengen an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- bzw. Futtermitteln, die ausgehend von guter landwirtschaftlicher Praxis und der niedrigsten zum Schutz empfindlicher Verbraucher notwendigen Exposition festgelegt werden. Sie werden nach einer eingehenden Bewertung der Eigenschaften des Wirkstoffs und der beabsichtigten Verwendung des Pestizids abgeleitet. Diese gesetzlichen Grenzwerte gelten auch für eingeführte Lebens- und Futtermittel. (efsa)

Der GABOT-Newsletter

Kommentare (1)


Gisela Urban 25. Jun. | 12:01

Autor: Dr. Andre Menache von Antidote Europe:
Über die Toxizität der heute vorhandenen Chemikalien ist relativ wenig bekannt.
Die EU hat versucht, dies mit der Einführung des Programms zur Prüfung von Chemikalien zu bekämpfen, das als Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) bekannt ist.
Aber mehr als zehn Jahre später, was hat das Programm erreicht und wie zuverlässig sind seine Methoden, fragt ANDRE MENACHE.
Für dieses EU-REACH sind schon unzählige grausame Tierversuche durchgeführt worden.
Wer möchte, kann den vollständigen Beitrag von Dr. Menache hier nachlesen:


Versagen des Testprogramms für Industrie-Chemikalien „gleichbedeutend mit krimineller Fahrlässigkeit“

Über die Giftigkeit der heute existierenden Chemikalien ist relativ wenig bekannt. Als Reaktion darauf, rief die EU ein Testprogramm für Chemikalien ins Leben, das wir als REACH kennen – „Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals“. Aber was wurde durch das Programm mehr als 10 Jahre später wirklich erreicht, und wie zuverlässig sind die angewandten Methoden - André Menache fragt nach …

Im Licht der aktuellen Wissenschaft ist das Festhalten an der Verwendung von tierexperimentellen Daten zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt gleichzusetzen mit krimineller Fahrlässigkeit. Die verfügbare Technologie ist immer noch „a work in progress“, also weiterhin in Entwicklung, aber sie ist evidenzbasiert, beruht also auf nachweisbaren Fakten, und ist für den Menschen wesentlich relevanter als tierexperimentelle Daten

Als die Europäische Chemikalienverordnung REACH am 01. Juni 2007 in Kraft trat, galt sie als das komplizierteste und aufwändigste Regelwerk in der Geschichte der Europäischen Union und auch als das bedeutendste innerhalb von 20 Jahren. Sie verfolgte das Ziel, „den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt durch erweitertes Wissen über chemische Substanzen und verbessertes Risikomanagement im Umgang mit den Chemikalien zu erhöhen“.

Und tatsächlich erhält die Europäische Chemikalienagentur ECHA (Anm. d. Übers. die nach der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) vom 18. Dezember 2006 die technischen, wissenschaftlichen und administrativen Aspekte bei der Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien regelt) für die Umsetzung von REACH - dessen letzte Registrierungs-Frist am 31. Mai 2018 auslief - fortlaufend Auszeichnungen durch die Industrie und die Europäische Kommission. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um einmal tief Luft zu holen und die Ergebnisse, die versäumten Gelegenheiten und etwaige Mängel der Europäischen Chemikalienverordnung zu betrachten.

Profit vor Erde

Hinsichtlich der bloßen Zahlen, hat REACH im Laufe seines 11-Jahres-Programms nur etwas mehr als die Hälfte des gesetzten Ziels von 30.000 Chemikalien bewertet. Dies ist wahrscheinlich nicht besonders verwunderlich unter dem Aspekt, dass jede Chemikalie 11 toxikologische Tests durchlaufen muss, um ihr Gefährlichkeitspotenzial für Gesundheit und Umwelt bestimmen zu können.

Um ein Beispiel zu nennen: Einer der Giftigkeitstests – der über die Lebensdauer von Nagern durchgeführte Tierversuch für Krebs – erfordert, dass Ratten für einen Zeitraum von 2 Jahren beobachtet werden müssen.

Das Ziel dieses Artikels ist es nicht, die 600 Mitarbeiter der Europäischen Chemikalienagentur zu kritisieren, die gewissenhaft für REACH arbeiten. Vielmehr ist es das Ziel, den bitteren Preis aufzuzeigen - im Hinblick auf das Leiden der Tiere und die menschliche Gesundheit -, der zu zahlen ist, wenn wir die aktuelle Wissenschaft und ein wirtschaftliches Paradigma, von dem unser Planet zukünftig profitieren würde, einfach ignorieren.

Die Europäische Chemikalienverordnung steht ganz klar im Widerspruch zum Vorsorgeprinzip. Sie besagt, dass für eine Substanz, auch wenn diese ein Risiko für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt darstellt, eine Genehmigung erteilt werden kann, wenn der sozioökonomische Nutzen nachweislich höher ist als die Risiken, die durch die Nutzung entstehen, und wenn es keine geeigneten Alternativen gibt.

Die synthetische Chemikalie Bisphenol A dient als Paradebeispiel für die schlimmsten Fehler von REACH. Ihr Gebrauch als Ausgangsstoff für die Synthese von Plastik ist allgemein bekannt. Nachdem es schon im Jahre 1936 als Östrogen-Nachahmer erkannt worden war, tauchten in den frühen 1990er Jahren durch BPA hervorgerufene Hormonstörungen in der Tierwelt und bei Menschen auf.

In 2017 erkannte die Europäische Chemikalienagentur BPA endlich als eine Chemikalie mit endokriner Wirkung an (Anm. d. Übers.: endokrin = die Drüsen mit innerer Sekretion betreffend) und als „besonders besorgniserregenden Stoff“ (Anm. d. Übers.: „substance of very high concern“ SVHC). Bis heute hat die Europäische Chemikalienagentur unter den Tausenden von Chemikalien, die sie bis jetzt bewertet hat, 181 Chemikalien als SVHCs anerkannt. Wenn diese winzig kleine Zahl zu gut scheint, um wahr zu sein, dann weil es so ist.

Beschränkte Prüfung

Der herkömmliche Weg zur Bewertung chemischer Toxizität erfolgt durch Tierversuche. Diese Vorgehensweise findet ihren Ursprung in der Zeit der Nürnberger Prozesse zu Ende des Zweiten Weltkrieges. Seitdem haben sich unsere wissenschaftlichen Kenntnisse sprunghaft erweitert, insbesondere die Entschlüsselung des menschlichen Genoms (Anm. d. Übers.: Genom = einfacher Chromosomensatz einer Zelle, der deren Erbmasse darstellt). Und dennoch ist die Notwendigkeit von tierexperimentellen Daten immer noch eine gesetzliche Vorgabe - eine frohe Botschaft für die Industrie, aber eine schlechte Botschaft für jeden anderen.

Es ist nicht nur viel leichter und schneller, tierexperimentelle Daten zu beschaffen als menschliche Daten, sondern die Zulassungsbehörden vertrauten der Industrie auch dahin gehend, eine geeignete Tierart zu wählen, um die gefährlichen Eigenschaften festzustellen. Im Falle von BPA wählte die chemische Industrie als Versuchstier die Sprague Dawley Ratte, um die Unbedenklichkeit dieser Substanz nachzuweisen. Dieser spezielle Stamm von Ratten ist besonders widerstandsfähig gegen die hormonellen Auswirkungen von BPA.

Hätten die Zulassungsbehörden darauf bestanden, dass anstelle der Ratten der CF1 Stamm von Mäusen herangezogen worden wäre, wären die Ergebnisse ganz anders ausgefallen, weil die Maus tausende Male empfindlicher auf die hormonellen Einflüsse von BPA reagiert als die Ratte. Reagieren die Menschen mehr wie Mäuse oder wie Ratten, wenn es um BPA geht? Die Antwort ist, dass Tiere menschliche Reaktionen nicht voraussagen können.

Im Gegensatz zu Arzneimitteln gibt es bei Industriechemikalien keine gesetzliche Vorgabe, dass sie nach Inverkehrbringen eine Überwachung durchlaufen müssen. Wenn starke Arzneimittel­neben­wirkungen auftauchen, können Gesundheitsbehörden ein verschreibungspflichtiges Medikament umgehend vom Markt zurückziehen. Bei Industriechemikalien indessen stehen wenige oder keine menschlichen Daten zur Verfügung, was der Suche nach der Nadel im Heuhaufen entspricht, wenn man den Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu ermitteln versucht. Der zuverlässigste Weg, die Auswirkung von Chemikalien auf die menschliche Gesundheit zu bewerten, ist die Beobachtung der Bevölkerung (Epidemiologie und Biomonitoring) in Kombination mit klinischen und Laborstudien relevanten menschlichen Materials - z. B. die Analyse von Blut- und Urinproben und die Verwendung von menschlichen Zellkulturen.

Der Weg nach vorn

Zugunsten von tierexperimentellen Daten, die in Laborversuchen erhoben werden, ignoriert REACH weitestgehend menschliche Daten. Die Gesamtverantwortung für diese Sachlage trägt die EU, deren Agentur, die Europäische Chemikalienagentur, die Durchführung dieses chemischen Programmes überwacht. Wenn die EU am Beispiel von BPA die Alarmglocken der 1990er ernst genommen hätte, hätten unsere Gesundheitsbehörden jetzt über Jahrzehnte gespeicherte menschliche Daten vorliegen, z. B. in Form von Biomarkern, die hinsichtlich der Entfernung von gefährlichen Chemikalien als Grundlage für die Gesundheitspolitik dienen könnten. Ein Biomarker ist ein natürlich vorkommendes Molekül, Gen oder Merkmal, anhand dessen ein spezieller pathologischer Prozess oder eine Krankheit bestimmt werden kann.

Im Licht der aktuellen Wissenschaft ist das Festhalten an der Verwendung von tierexperimentellen Daten zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt gleichzusetzen mit krimineller Fahrlässigkeit. Die verfügbare Technologie ist immer noch „a work in progress“, also weiterhin in Entwicklung, aber sie ist evidenzbasiert, beruht also auf nachweisbaren Fakten, und ist für den Menschen wesentlich relevanter als tierexperimentelle Daten.

„Menschen, nicht Chemikalien, haben das Recht der Unschuldsvermutung, so lange die Schuld nicht bewiesen ist. Menschen haben auch das Recht, dass nicht ohne vorherige informierte Zustimmung an ihnen experimentiert wird. Bevor wir den (toxischen) Belastungen ausgesetzt wurden, die uns nun alle vergiften, wurde nie jemandem von uns die Möglichkeit gegeben, die Zustimmung dazu zu erteilen oder zu verweigern.“ – J. Thornton. Pandora’s Poison: Chlorine, Health and a New Environmental Strategy.

https://www.youtube.com/watch?v=KV3x9fz-oJ0

 

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