Gießen: Landesgartenschau pflanzt ohne Torf

Neues Schild im Rhododendron-Hain informiert über den Schutz der Moore Rund zehn Millionen Kubikmeter Torf werden allein in Deutschland jährlich für den Gartenbau verarbeitet.

Neues Schild im Rhododendron-Hain informiert über den Schutz der Moore Rund zehn Millionen Kubikmeter Torf werden allein in Deutschland jährlich für den Gartenbau verarbeitet. „Das ist so viel wie eine dreispurige LKW-Schlange, die von Sylt bis zum Allgäu quer durch Deutschland reicht, transportieren kann“, sagte Horst Dreier, Sprecher der Lokale-Agenda 21-Gruppe „Natur- und Umweltschutz“ heute bei einem Pressetermin mit Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich auf der Landesgartenschau Gießen. Mit dem Abbau dieses fossilen Rohstoffes gehe die Zerstörung der Moorböden und der damit verbundenen Dienstleistungen auch für den Menschen einher, machte er deutlich. Deshalb hat sich die Landesgartenschau Gießen für das Thema sensibilisieren lassen.

„Gerade sie ist eine gute Plattform, um möglichst viele Gärtner und Hobbygärtner zu erreichen“, betonte Bürgermeisterin Weigel-Greilich. Dabei setzt die Gartenschau selber Zeichen. „Auf allen Flächen der Wieseckaue, die wir selbst bepflanzt haben, wurde ein Substrat ohne Torf verwendet“, betonte Ludwig Wiemer, Geschäftsführer der Landesgartenschau Gießen 2014 GmbH. Bei den übrigen Flächen, wie etwa den Molekulargärten oder den Mustergräbern der Friedhofsgärtner, habe man dafür geworben, dass ebenfalls kein Torf verwendet werde. Er sei für die Bepflanzung nicht notwendig. Ein besonders augenfälliges Beispiel dafür ist der rund ein Hektar große Rhododendron-Hain auf dem Gartenschau-Gelände. Obwohl diese Pflanzen bekanntlich sauren Boden benötigen, sei auch er mit einer Spezialerde ohne jeglichen Torf angelegt worden, betonte Wiemer. Die spezielle „Rhodoerde“ von der Firma Gelsenrot werde an deren Standort im hessischen Messel hergestellt. Ein Schild im Rhododendron-Hain, das Bürgermeisterin Weigel-Greilich heute enthüllte, weist nun darauf hin, dass dieser torffrei angelegt ist. Die Infotafel wurde auf Initiative der Gießener Lokale Agenda 21-Gruppe vom Naturschutzbund NABU gestellt und ist Teil einer bundesweiten Aktion mit dem Titel „Torffrei Gärtnern“ zum Schutz der Moore. Sie weist alle Besucher der Landesgartenschau darauf hin, dass Torf immer noch Hauptbestandteil vieler Blumenerden ist. Torf entstehe nur im Moor und entwickle sich sehr langsam. In Deutschland seien bereits mehr als 95 Prozent der ursprünglichen Moore „tot“, ist dort zu lesen. Damit seien zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wie der Hochmoor-Bläuling vom Aussterben bedroht. „Auch für uns Menschen hat der Verlust von Mooren erhebliche Folgen“, warnte zudem Horst Dreier im Namen der rund 25 Aktiven der Agenda-Gruppe.

Moore speicherten doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen und das auf einem Drittel der Fläche. „Mit der Entwässerung von Mooren setzen wir in kurzer Zeit große Mengen klimaschädlicher Treibhausgase frei. Die Konservierung des Torfes in wiedervernässten Moorböden und der Erhalt der Moore bedeutet daher aktiven Klimaschutz." Da drei der zehn Millionen Kubikmeter Torf in Deutschland in den Freizeitgärten landen, wie der NABU vorrechnet, hat sich die Agenda-Gruppe „Natur- und Umweltschutz“ zum Ziel gesetzt, die Besucher der Landesgartenschau für das Thema zu sensibilisieren. Jeder könne etwas tun in Sachen Moorschutz / Klimaschutz, wenn er Blumenerde ohne Torf verwendet. Vorsicht sei bei der Aufschrift „Bioerde“ geboten. Selbst damit könne das Substrat einen sehr großen Anteil an Torf enthalten.

Inzwischen produzieren viele Erdenhersteller auch Substrate ganz ohne Torf, die u.a. in Gartencentern und Baumärkten angeboten werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) führt eine Liste über Hersteller und bundesweite Verkaufsorte. Für mehr Informationen hat die Gruppe eine Wanderausstellung unter dem Titel „Der Mörder ist immer der Gärtner? Urlandschaft Moor im Blumenkasten“ vorbereitet, die vom 6. bis 15. September im Gartenforum zu sehen ist. 

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