Gartenbau-Versicherung: Hohe Schadenleistungen durch Wetterextreme

Ungewöhnlich hohe Schadenaufwendungen sowie Beitragszuwächse in den Auslandsmärkten prägten das Geschäftsjahr 2023 der Gartenbau-Versicherung. Auf der Mitgliedervertreter-Versammlung in Niedernhausen betonten die beiden Vorstände Christian Senft und Dr. Dietmar Kohlruss die außergewöhnlichen Herausforderungen des zurückliegenden Jahres und gaben eine vorsichtige Prognose für das laufende Jahr.

Die Mitgliedervertretung als oberstes Gremium der Gartenbau-Versicherung trifft sich einmal jährlich, um über Grundsatzfragen der Unternehmenspolitik zu entscheiden. Bild: Gartenbau-Versicherung.

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Beitragszuwächse im Direktgeschäft

Beide Vorstände zeigten sich zufrieden über das deutliche Beitragswachstum, das die Gartenbau-Versicherung im Geschäftsjahr 2023 verzeichnen konnte. So stiegen die Bruttobeiträge auf ein Gesamtvolumen von 116,2 Mio. Euro. Maßgeblich vorangetrieben wurde dieses Wachstum durch das Direktgeschäft, insbesondere in den Auslandsmärkten Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden. Das Auslandsgeschäft machte 2023 47,9% des gesamten Direktgeschäfts der Gartenbau-Versicherung aus. Für 2024 zeichnet sich erstmalig in der Geschichte der Gartenbau-Versicherung eine paritätische Beitragshöhe von jeweils 50% in Deutschland und 50% in den sonstigen europäischen Ländern ab. „Die vor etwa dreißig Jahren getroffene Entscheidung, nach Europa zu expandieren, war und ist eine richtige Entscheidung“, bekräftigte der Vorstandsvorsitzende Christian Senft und verwies auf die sinkenden Mitgliederzahlen in Deutschland, die darauf zurückzuführen sind, dass Betriebe aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen oder aber keine Nachfolge finden.

Außergewöhnlich hohe Schäden

Die Extremwetterereignisse des vergangenen Jahres spiegeln sich auch in der Schadenbilanz der Gartenbau-Versicherung wider: Mit 76,3% erreichte die Bruttoschadenquote im direkten Geschäft den zweithöchsten Wert im Zehn-Jahres-Vergleich. Verantwortlich dafür waren schwere Hagelereignisse in Deutschland, Italien und der Schweiz, aber auch Überschwemmungen in Griechenland, ein Mittelmeerzyklon über Sizilien und das Sturmtief Ciarán über der Bretagne. Der am stärksten belastete Versicherungszweig war Hagel mit einer Bruttoschadenquote von 119%. Auch das indirekte Geschäft verzeichnete 2023 eine deutlich höhere Bruttoschadenquote.

„Aufgrund der stetig wachsenden Bedeutung unserer überregionalen Risikostreuung haben wir Anfang 2024 unser Geschäftsgebiet auf Belgien ausgeweitet. Dort sind wir nun in Form einer offenen Mitversicherung auf dem Markt präsent“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Senft die künftige Ausrichtung des Unternehmens im Hinblick auf eine noch breitere Risikostreuung. Und betonte ausdrücklich: „Auch in Zeiten des Klimawandels streben wir danach, Stabilität und Sicherheit für unsere Mitglieder in Deutschland und Europa bieten zu können.“

Positives Jahresergebnis vor Abzug der Steuern

Die Gartenbau-Versicherung stellt sich sukzessive in zentralen Bereichen wie beispielsweise der IT neu auf, um ihren Mitgliedern auch weiterhin den besten Schutz und die beste Beratung bieten zu können. Die damit verbundenen Kosten sind eine wichtige Investition in die Zukunft, wirken sich aber auf die Bruttoaufwendungen für den Versicherungsbetrieb aus, die gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Mio. Euro gestiegen sind.

Der Rückversicherungsschutz bleibt ein zentraler Bestandteil des Risikomanagements der Gartenbau-Versicherung. Im Berichtsjahr belief sich das Rückversicherungsergebnis auf -3,2 Mio. Euro und verbesserte sich damit gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wies die Gartenbau-Versicherung im versicherungstechnischen Bruttoergebnis für 2023 einen Verlust von 2,3 Mio. Euro vor Schwankungsrückstellung aus. Im Gegensatz zu 2022 war im Berichtsjahr eine Entnahme aus der Schwankungsrückstellung notwendig, wodurch die Gartenbau-Versicherung ein positives versicherungstechnisches Nettoergebnis von 3,4 Mio. Euro erzielen konnte.

Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit vor Steuern lag bei einem Gewinn von 3,5 Mio. Euro. Nach Abzug der Steuern ergibt sich ein Jahresfehlbetrag von 1,1 Mio. Euro. An dieser Stelle hob der Finanzvorstand Dr. Dietmar Kohlruss das positive Bruttoergebnis hervor, dass trotz herausfordernder Marktbedingungen und höherer Rückversicherungskosten erzielt werden konnte. „Dies zeigt die Stärke und Stabilität unseres Geschäftsmodells. Wir werden weiterhin gezielt in unser Risikomanagement und unsere Rückversicherungsstrategien investieren, um auch in Zukunft stabile und positive Ergebnisse zu sichern und als zuverlässiger Partner unsere Mitglieder unterstützen zu können,“ schloss Dr. Kohlruss seine Zusammenfassung des Geschäftsverlaufs.

Neue Mitglieder in den Gremien

Bei den turnusgemäßen Wahlen wurden die Aufsichtsräte Hanspeter Meyer und Tobias Müller in ihren Ämtern bestätigt. Karin Hagdorn wurde neu in den Aufsichtsrat gewählt. Die Diplom-Verwaltungswirtin führt gemeinsam mit ihrem Mann einen Tomatenbetrieb im Raum Stuttgart. Sie tritt die Nachfolge von Klaus Umbach an, der seine Aufsichtsratstätigkeit nach 24 Jahren beendete, damit sich der Aufsichtsrat „sukzessive verjüngen kann und darf“. Der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Werner dankte Klaus Umbach ausdrücklich für seine intensive und langjährige Mitarbeit im Aufsichtsrat, die sich stets am Wohl der Gartenbau-Versicherung orientiert hat.

Auch die Amtszeit zahlreicher Mitgliedervertreter wurde durch die 40-köpfige Versammlung erneuert. Neu zur Wahl als Mitgliedervertreter stellten sich die Mitinhaberin eines Topfpflanzenbetriebs in Babenhausen Ute Gorges sowie Andreas Huben, Baumschule Huben Ladenburg. Beide konnten im Rahmen ihrer Tätigkeit als stellvertretende Mitgliedervertreter bereits Gremienerfahrung sammeln. Als ihre stellvertretenden Mitgliedervertreter kandidierten erfolgreich Mario Mertz (familiengeführtes Gartencenter aus Hadamar) und Oliver Mewes, Geschäftsführer eines Zierpflanzenbetriebs in Frankreich. Bei allen ausscheidenden Mitgliedervertretern bedankte sich Aufsichtsratsvorsitzender Frank Werner herzlich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Einen persönlichen Dank konnte er an den anwesenden Jürgen Mertz richten, der nach 26 Jahren auf eigenen Wunsch nicht mehr als Mitgliedervertreter kandidierte. (Gartenbau-Versicherung)

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