FgB: Baumpflege ist aktiver Natur- und Artenschutz

Geprüfte Baumpfleger erhalten Bäumen ein langes Leben und damit vielen Tieren ihren Lebensraum.

Baumfreund: Ohne Bäume keine Eichhörnchen! Die lustigen Gesellen bauen ihre Kobel gerne in Höhlungen im Stamm. Bild: GMH/Fachverband geprüfter Baumpfleger.

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Empörtes Keckern, ein paar Mal wird demonstrativ den Stamm hinab- und wieder hinaufgeflitzt, dann entscheidet sich das Eichhörnchen, doch lieber auf die benachbarte Buche zu wechseln. „Noch lauter wird es, wenn Eichelhäher in der Nähe sind. Die werden nicht umsonst die „Wächter des Waldes“ genannt und schimpfen aus voller Kehle, sobald wir einen Baum per Hubsteiger oder Seilklettertechnik erkunden“, schmunzelt Jörg Cremer.

Dass so mancher Baumbewohner ihn misstrauisch beäugt oder sich lauthals über die Störung beschwert, nimmt der Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung nicht weiter krumm. „Die wissen ja nicht, dass wir auf derselben Seite stehen. Genau wie mancher Anwohner erst mal aufgeschreckt ist, wenn er sieht, dass wir uns einem altehrwürdigen Baum mit der Motorsäge nähern. Wir nehmen uns dann die Zeit, um zu erklären, was wir hier eigentlich betreiben: Alte Bäume zu erhalten, ist aktiver Natur- und Artenschutz.“

Naturschutz und Verkehrssicherheit im Einklang

Der Wert eines Baumes, erklärt der Vorsitzende des Fachverbands geprüfter Baumpfleger, steigt mit jedem Lebensjahr und jedem Zentimeter Umfang. Und das nicht nur im Hinblick auf die klimaverbessernden Effekte. „Eine große Eiche kann theoretisch bis zu 1.000 verschiedene Tierarten beherbergen. Vor allem Insekten und Spinnen, aber auch Kleinsäuger wie Fledermäuse oder Bilche, und natürlich viele Vogelarten. Selbst der Storch baut seinen Horst gerne in die ausladenden Eichenäste.“

Höhlungen und Risse im Holz, wie sie insbesondere bei alten Bäumen vorkommen, sind in der Tierwelt sehr begehrt – in jeder Größe: Wo zwei Daumen hineinpassen, findet schon manche Fledermaus Platz. Der Verkehrssicherheit tun auch große Hohlräume in vielen Fällen keinen Abbruch, weiß Jörg Cremer. „Selbst ein absterbender Baum mit nahezu völlig hohlem Stamm kann noch jahrelang als Mini-Biotop erhalten bleiben – wenn er fachgerecht gepflegt wird. Mit gezielten Schnittmaßnahmen unterstützen wir alte Bäume dabei, ihre Krone langsam zurückzuziehen, und verhindern so, dass es zu Astbruch kommt oder die Standfestigkeit leidet.“

Altersvorsorge für Bäume

Gerade im dichtbesiedelten Raum erreichen allerdings immer weniger Bäume das entsprechende Alter. „Gehölzpflanzungen als Straßenbegleitgrün sind überwiegend mangelhaft angelegt – die Normen und Regelwerke werden nicht ausreichend befolgt und an Pflegemaßnahmen, die Erleichterung schaffen könnten, wird gespart. Dadurch wird es künftig weniger alte Bäume geben, aber immer höhere Kosten für Maßnahmen zur Schadensbegrenzung sowie für die häufiger erforderlichen Neupflanzungen.“

Das ist ökologisch wie wirtschaftlich ärgerlich, denn fachgerecht angelegte Pflanzungen sowie ein regelmäßiger Aufbau- und Erziehungsschnitt in den ersten 15 Standjahren verlängern nicht nur das Leben der Bäume, sondern senken auch die über die gesamte Lebensdauer anfallenden Pflegekosten.

Umso mehr freuen sich Cremer und sein Team, wenn sie Gehölze vom Jugendalter an fachgerecht begleiten und ihnen so langfristig viele Lebensjahre sichern können – ob im kommunalen Auftrag, oder wie heute auf einem Privatgrundstück, wo Totholz aus einer stattlichen Rot-Buche entfernt werden soll. Das Eichhörnchen hat sich zwischenzeitlich ebenfalls wieder beruhigt. Vielleicht ahnt es ja doch, dass hier gerade seine persönlicher Gebäudesanierer am Werk sind. (GMH/FgB)

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