Dank Globuli: Kräftigere Pflanzen und bessere Erträge

Homöopathie ist bei Tieren etabliert, bei der Behandlung von Pflanzen überwiegt Skepsis. Zu Unrecht, ist Agronom Cornel Stutz überzeugt. Homöopathie könne eine verlässliche Alternative zu chemisch-synthetischen Spritzmitteln werden.

"Im Pflanzenbau sind Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz dringend gesucht": Pflanzen-Homöopath Cornel Stutz. Bild: ZVG.

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Bauern behandeln ihre Tiere zunehmend homöopathisch, Pflanzen hingegen kaum. Warum?

Cornel Stutz: Das stimmt. Anders als bei den Tieren steckt die Homöopathie bei Pflanzen noch in den Kinderschuhen. Es gibt erst wenige Bauern und Gärtner, die ihre Kulturen homöopathisch behandeln. Grund dafür ist die Befürchtung, dass die Pflanzen auf Homöopathie-Gaben nicht ausreichend ansprechen und Ertragsausfälle die Folge sein könnten. Es fehlte bislang an Erfahrung. In der Forschung ist die Pflanzen-Homöopathie noch nicht aufgegriffen worden. Im deutschsprachigen Raum gibt es erst zwei Homöopathen, die zu diesem Thema Bücher verfasst haben.

Wie sind sie auf dieses Thema aufmerksam geworden?

2012 hatte ich an einer Tagung zum Thema Homöopathie bei Pflanzen an der Homöopathie-Schule SHI in Zug teilgenommen. Ich dachte mir: Wenn nur schon die Hälfte dessen stimmt, was die Referenten über die vielen Möglichkeiten bei der Anwendung an Pflanzen erzählen, dann ist das eine wunderbare Sache. Ich habe anschließend bei mir zu Hause im Garten mit homöopathischen Behandlungen begonnen und einige Schlüsselerlebnisse gehabt. Das hat mich motiviert, noch mehr auszuprobieren.

Sie haben unter anderem mit Kartoffeln Versuche durchgeführt. Mit welchem Ergebnis?

Meine Frau und ich haben fünf verschiedene Kartoffel-Sorten an fünf Standorten betreut und diese im Rahmen von sechs Verfahren mit unterschiedlichen Globuli-Kombinationen homöopathisch behandelt. Die zwei besten Verfahren haben einen signifikanten Mehrertrag von knapp 30% ergeben gegenüber den unbehandelten Kartoffeln, die als Kontrolle dienten. Das war eine erfreuliche Überraschung.

Wie erklären Sie sich die Mehrerträge?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Wissenschaftlich kann man die Homöopathie nicht erklären. Homöopathie zielt darauf ab, einen Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie hilft, das Potenzial der Pflanzen auszuschöpfen. Wir haben beobachtet, dass Pflanzen, die homöopathisch behandelt werden, kräftiger und robuster sind - insbesondere die mehrjährigen. Vielfach ist der Pilzbefall geringer oder beleibt ganz aus. Zahlreiche Schädlinge wie zum Beispiel Möhrenfliegen, Weisse Fliegen, Pflaumenwickler, Walnussfruchtfliegen oder die Kirschessigfliegen meiden homöopathisch behandelte Wirtspflanzen.

Welches Potenzial hat die Pflanzen-Homöopathie?

Ich denke, dass Homöopathie bei Pflanzen ein ähnlich großes Potenzial hat wie bei den Tieren. Ich kenne Bauern, die dank Homöopathie seit Jahren ihre Tiere nicht mehr mit Antibiotika behandeln mußten.

Im Pflanzenbau sind Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz dringend gesucht, weil der Einsatz von Spritzmitteln enorm unter Druck ist. In der Gemüseproduktion beispielsweise stehen immer weniger Wirkstoffe zur Verfügung. Resistenzen bei Schädlingen und Pilzkrankheiten können die Folge sein. Man steht in diesem Bereich je länger, desto mehr mit dem Rücken zur Wand.

Was sind die Schwierigkeiten einer homöopathischen Behandlung?

Bei den Tieren werden Symptome schneller erkannt, weil Bauern täglich mit ihnen zu tun haben. Bei den Pflanzen ist das nicht der Fall. Es besteht deshalb die Gefahr, dass Krankheiten zu spät erkannt werden. Eine Herausforderung kann zudem sein, zu bestimmen, welches Mittel man bei welchen Symptomen anwenden muss.

Meine Frau und ich sind dazu übergegangen, unsere Kulturen präventiv zu behandeln und nicht erst, wenn die Symptome bereits sichtbar sind, wie das traditionell in der Homöopathie gemacht wird. Wir sind mit diesem Ansatz bislang sehr gut gefahren.

Wie aufwendig sind homöopathische Behandlungen?

Der Aufwand darf nicht unterschätzt werden. Gerade wenn man mehrere Kulturen hat, kann es schon intensiv sein. Die Kartoffeln beispielsweise behandeln wir fünfmal zwischen Mitte Mai und Mitte Juli. Bei den Zwetschgenbäumen genügen im Laufe der Vegetationszeit drei Globuli-Gaben. Der Aufwand ist nicht ganz so groß wie bei einer umfassenden chemischen Behandlung. Außerdem sind die Mittel ungiftig und rückstandsfrei.

Hatten Sie mit Rückschlägen zu kämpfen?

Es kam auch schon vor, dass wir mit keinem Mittel wirklich zufrieden waren. So zeigten beispielsweise die in Frage kommenden Globuli bei der Blattlaus-Bekämpfung in unseren Versuchen keine klare Wirkung. Meine Frau und ich haben dann selbst ein homöopathisches Mittel hergestellt. In Kombination mit einem herkömmlichen Globuli funktioniert dieses tadellos. Rückschläge haben uns stets angespornt, die Nuss erst recht zu knacken, auch wenn sie etwas härter war als erwartet. Wichtig ist bei homöopathischen Anwendungen, dass man Geduld hat. Bis sich die Wirkung voll entfaltet, braucht es ein paar Tage. Es geht nicht ganz so schnell wie mit Chemie.

Was braucht es, damit Bauern künftig vermehrt Pflanzen homöopathisch behandeln, wie es bei Tieren bereits der Fall ist?

Es braucht Landwirte, die den Mut haben, Homöopathie auszuprobieren. Es braucht Vorreiter, die ihre Schlüsselerlebnisse weitererzählen und damit andere Bauern motivieren, eigene Versuche zu machen. Die Wirkung der Homöopathie bei Pflanzen muss man selber erlebt haben. (Quelle: LID)

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