BUGA Erfurt: Amazonas im egapark

Auf der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt gibt es nicht nur Pflanzen zu sehen.

Pacus sind völlig harmlose Pflanzenfresser. Bild: Jacob Schröter.

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Pacus sind mit den Piranhas verwandt und haben ebenso scharfe Zähne, mit denen sie Nüsse knacken können. Und doch sind die Pacus völlig harmlose Pflanzenfresser. Jetzt sind sie in das neue Danakilhaus im egapark eingezogen. Tierpfleger Jonas Fischer ist extra aus dem nahen egapark-Bauernhof gekommen, um den geplanten Fischumzug zu unterstützen. Er kennt die Amazonasriesen: „Pacus fressen alles, was im Amazonasgebiet ins Wasser fällt, Obst, Nüsse, Blätter.“ Die ca. 50 cm großen, tellerförmigen Fische schwimmen nach dem Ortswechsel gelassen an der Scheibe ihres neuen Aquariums vorbei. Die sechs ursprünglich in Südamerika beheimateten Tiere gehören neben sechs Welsen und sieben Barben zu den ersten tierischen Bewohnern im Danakil. Christoph Knappe, egapark-Gärtner, hat die urzeitlich anmutenden Riesen schon in den ehemaligen Pflanzenschauhäusern mehr als 20 Jahre betreut. „Wir haben sie aus dem damaligen Erfurter Aquarium bekommen. In unserem Schauhaus waren sie nicht so gut zu beobachten, da es keine Scheibe mit Einblick gab. Die Fische lebten in einem Teich, den man nur von oben einsehen konnte. Durch die große Panoramascheibe im 38 m³ großen neuen Aquarium können die Besucher die Pacus im neuen Danakil aus der Nähe betrachten“, so Christoph Knappe und ergänzt, „sie werden noch viele Jahre im neuen Becken verbringen, sie können mehr als 35 Jahre alt werden.“

Wie bereitet man Fische auf einen Umzug vor? Mit einem futterfreien Tag und ganz viel Ruhe. Behutsam hat Christoph Knappe die riesigen Fische im alten Schauhaus mit dem Kescher gefangen. Unterstützt haben ihn dabei Markus Lehmann und Jonas Fischer, gelernter Zootierpfleger. Die einmalige Gelegenheit wurde auch genutzt um die Tiere zu wiegen, 12 bis 15 kg bringt jeder von ihnen auf die Waage, ob es Weibchen oder Männchen sind, ist nicht bekannt, da die Riesenfische keine spezifischen Merkmale aufweisen.

In großen Bottichen haben die egapark-Gärtner die Pacus nach dem Wiegen dann in ihr neues Aquarium transportiert und behutsam ins Wasser gesetzt. In einem weiteren,12 m³ umfassenden Wasserbecken leben drei Großschuppenbarben. Neben den Barben und Pacus haben auch sechs ca. 30 cm lange Welse bereits das Aquarium gewechselt. Nach dem Einsetzen per Hand lassen sie sich zuerst auf den Boden sinken und erkunden dann die neue Umgebung. Weitere fünf Welse sind noch im alten Viktoriaschauhaus und warten auf den Umzug ins Danakil. Welse und Barben teilen sich künftig den Teich im oberen Bereich des Regenwaldhauses mit den Schlangenhalsschildkröten, die voraussichtlich bis zum Jahresende beschafft werden.

Der Rundgang durch das Danakil führt weiter zum Seerosenteich. Von dort sieht man bereits das Aquarium für die Süßwasser-Rochen. Hier ist noch nicht an Fische zu denken, das Becken wird gerade mit Wasser befüllt und eine Dichtheitsprobe durchgeführt. Eine riesige Scheibe trennt es von den öffentlich zugänglichen Räumen im Kellergeschoss. „Hier werden sich vor allem die Kinder dann die Nase plattdrücken, wenn die fünf Leopoldirochen elegant vorbei schwimmen“, ist sich Christoph Knappe sicher. Zu den Rochen gesellen sich dann noch Knochenzüngler. Diese Süßwasserfische leben im tropischen Südamerika, Südostasien, Neuguinea und im nördlichen Australien. Sie können bis zu 90 cm erreichen. Die urtümlich aussehenden Tiere mit großen Schuppen sind Raubfische oder Allesfresser, die ihre Beute im Sprung erbeuten können.

Beide Arten werden erst noch beschafft. Bis die ersten Besucher staunend durch das Danakil laufen, vergehen noch mehr als sechs Monate. Die Pflege der Fische, das tägliche Füttern, steht jetzt schon an. Christoph Knappe und Markus Lehmann teilen sich die Aufgabe, die keine Wochenendpause kennt, so wie im heimischen Aquarium. Weitere Danakilbewohner werden bis Dezember und Januar schrittweise einziehen. Fünf Tierpfleger kümmern sich ab 2021 um die Tiere im egapark, vier sind bereits jetzt im Einsatz, einer ist noch in der Ausbildung. Zwei davon sind dann im Danakil eingesetzt.

Bevor alle schwimmenden egapark-Bewohner ins Danakil wechseln konnten, wurde das Wasser in den Fischbecken auf die optimalen Wasserwerte eingestellt und mehrfach getestet. Der richtige pH-Wert und die Wassertemperatur sind dabei ebenso wichtig wie klares und schwebstoffarmes Wasser, damit die zukünftigen Besucher einen ungetrübten Blick auf die faszinierenden Tiere genießen können. Ein bis zwei Tage dauerte das Einstellen der Wasserwerte, erinnert sich Christoph Knappe. Das Becken wurde zuvor gereinigt und über mehr als zwei Wochen eingefahren, damit sich die nötigen Mikroorganismen bilden können. Erst dann durften die Fische umziehen. Drei der vier Teiche haben eine eigene nachhaltige Wasseraufbereitung. Der vierte Teich im Regenwaldbereich ist mit Seerosen und andere Schwimmpflanzen bestückt und wird als grünes Biotop ohne Tierbesatz betrieben. Wasser gibt es aber noch mehr im Danakil: Ein weiteres Wasserbecken befindet sich im Wüstenhaus inmitten der Oase und unter dem 7 m hohen Wasserfall im Regenwald fängt noch ein Sammelbecken die Wassermengen auf. (BUGA Erfurt 2021 )

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