BÖLN: Kupferreduzierung im Ökolandbau

Bei der Herausforderung, die ausgebrachten Kupfermengen im ökologischen Pflanzenschutz zu verringern, wurde in den letzten Jahren viel erreicht.

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Bei der Herausforderung, die ausgebrachten Kupfermengen im ökologischen Pflanzenschutz zu verringern, wurde in den letzten Jahren viel erreicht. Doch auch in Zukunft sind weitere Anstrengungen zur Reduzierung erforderlich, wobei der Forschung, Beratung und vor allem der Fortsetzung der Zulassung alternativer Präparate eine Schlüsselrolle zukommt. Das war das Fazit von Wissenschaftlern und Beratern beim Fachgespräch „Kupfer als Pflanzenschutzmittel“, das Ende Oktober 2015 im Julius Kühn-Institut (JKI) in Berlin stattfand. Initiator der vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) geförderten Veranstaltung war neben dem JKI der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW).

Im Mittelpunkt des Fachgesprächs standen die Ergebnisse der Kupferminimierungsstrategie, auf die sich ökologische und konventionelle Anbauverbände in Absprache mit der Politik geeinigt haben. Ziel ist es, die eingesetzten Kupfermengen durch praxisnahe Forschung kontinuierlich zu verringern. Dr. Thomas Strumpf vom JKI hob in seinem Vortrag hervor, wie schwierig Aussagen zum Einfluss von Kupfer auf Bodenlebewesen und damit zur Risikobewertung sind. So konnte bei Untersuchungen in Weinbergen nur tendenziell eine Abnahme der Diversität von Regenwurmarten bei hohen Kupfergehalten beobachtet werden. Eine hohe Diversität sei sowohl in Böden mit hohen als auch mit niedrigen mobilen Kupfergehalten festgestellt worden. Als Grund dafür nannte Strumpf die zahlreichen weiteren Einflussfaktoren im Boden. Seine Einschätzung: „Wegen der enormen Standortvielfalt ist eine eindeutige Bewertung der Exposition und Wirkung von Kupfer auf das Bodenleben nur standortbezogen möglich.“ Ein vielversprechendes Konzept zur Kupferreduktion im Obstbau stellte Franziska Porsche vom JKI in Dossenheim vor. Ihr Ansatz beruht darauf, mithilfe von Bierhefe den Abbau von Falllaub durch Mikroorganismen in Apfelplantagen zu beschleunigen, um das Sporenpotential des Apfelschorferregers zu minimieren. In einem einjährigen Versuch konnte die Zahl der Sporen bei zwei bis viermaliger Ausbringung im Winter um bis zu 98% verringert werden. „Unser Ziel ist es, den üblichen Behandlungszeitraum, in dem die Schwellenwerte beim Sporenflug überschritten werden, von sieben auf ein bis zwei Wochen zu verkürzen“, erklärte Porsche. Bis zur Praxisreife müssten allerdings noch viele Fragen geklärt werden, etwa zur Formulierung, vor allem zur Regenfestigkeit, zur Ausbringungsform und zur Verfügbarkeit der Hefen. Die Ergebnisse des bundesweiten Monitorings 2013 zum Kupfereinsatz im Weinbau stellte Sonja Kantak vom Ecovin-Weinbauverband vor. Mit durchschnittlich knapp 2,3 kg/ha sei laut Kantak das vereinbarte Ziel von 12,5 kg/ha in 5 Jahren zwar erreicht worden. Zukünftig sei dieser Wert aber kaum zu halten, da die weitere Zulassung wichtiger Ergänzungspräparate wie Kaliumphosphonaten und Myco-Sin noch ausstehe und echte Alternativen zu Kupfer fehlen. „Wir empfehlen deshalb ein Kupferkonto und eine Anpassung der Kupferaufwandmengen auf maximal 15 kg/ha in 5 Jahren“, erklärte Kantak. Dr. Friedhelm von Mering, politischer Referent des BÖLW, forderte in seinem Vortrag ebenfalls ein "Ende des Zulassungsstaus" von naturstofflichen Pflanzenbehandlungsmitteln im EU-Pflanzenschutzrecht und in der EU-Ökoverordnung, um die erreichten Ziele bei der Kupferreduzierung im Ökolandbau nicht zu gefährden. Darüber hinaus betonte er die große Bedeutung einer Spezialberatung beim Kupfereinsatz. Hier fehle es in den meisten Bundesländern an einer ausreichenden und kontinuierlichen finanziellen Unterstützung. Potential sieht er zudem bei der Optimierung der Applikationstechnik. "Hier wäre eine intensivere Forschung sicherlich lohnend", sagte von Mering.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde vor allem das von vielen Beratern gewünschte Kupferkonto intensiv diskutiert. Wolfram König vom Umweltbundesamt (UBA) bestätigte, dass das UBA bereit sei, sich für die Einführung eines solchen Kontos zu öffnen. Allerdings müssten hier noch Verfahrensfragen geklärt werden, z.B. wer das Konto führen und prüfen soll. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die bisher erzielten Ergebnisse der Forschungsprojekte zur Kupferminimierung sehr wertvoll sind. Prof. Stefan Kühne vom JKI sieht darin auch eine große Chance für die deutsche Landwirtschaft: „Sollten die Einsatzmöglichkeiten für Kupfer EU-weit stark eingeschränkt werden, haben wir einen großen Vorsprung auf die anderen Mitgliedsstaaten.“ (BÖLN) 

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