Blumen- und Pflanzengroßhandel: Lieferketten intakt

Der Blumeneinzelhandel wird auch in Corona-Zeiten weiter mit Blumen- und Pflanzen versorgt.

Der BGI beobachtet ganz genau die Entwicklungen bei Produktion und Handel. Bild: GABOT.

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Der Entwicklung der Fallzahlen und der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland und weltweit gilt die gesamte Aufmerksamkeit. Die gravierenden wirtschaftlichen Folgen haben existenzbedrohende Auswirkungen auf die gesamte Branche, vom Jungpflanzenproduzenten in Afrika über den Gartenbaubetrieb in Deutschland und in den Niederlanden, bis in den im- und exportierenden Blumen- und Pflanzengroßhandel sowie den Einzelhandel.

Der BGI steht seit dem Beginn der Maßnahmen zur Einschränkung der Ausbreitung des Corona-Virus durch die Bundesregierung und die Bundesländer in engem Kontakt mit seinen Mitgliedern. Über alle digitalen Wege findet ein intensiver Austausch statt und so lässt sich ein deutliches Bild über die Lage im Blumen- und Pflanzengroßhandel skizzieren:

Unterschiedliche Situation in den Bundesländern

Aufgrund der unterschiedlichen Handhabung der Bundesländer, in Bezug auf die Schließung von Bau- und Gartenmärkten, Gartencentern und Blumenfachgeschäften und den Markthandel mit Blumen und Pflanzen, ist die Situation sehr uneinheitlich. Die meist überregional und oft auch grenzübergreifend agierenden Großhändler kämpfen darum, ständig aktuell informiert zu sein, was sich sehr schwierig gestaltet. Dies gilt auch für den Einzelhandel und im Besonderen für die Blumenfachgeschäfte, die vor der wechselnden Nachrichtenlage und der Verunsicherung der Verbraucher kapituliert haben und teilweise „vorsorglich“ schließen.

Aufrechterhaltung der Versorgung mit eingeschränkten Mitteln

Aufgrund dieser Lage haben die meisten Schnittblumengroßhändler ihre Fahrverkaufstouren eingestellt. Hier zahlt sich die fortgeschrittene Digitalisierung der BGI-Mitglieder aus: Die Webshops laufen, aber auch telefonische Bestellungen sind möglich. Viele Unternehmen stehen ihren Kunden mit eingeschränkten Öffnungszeiten zur Verfügung, Bestellungen werden ausgeliefert oder können an den Standorten abgeholt werden. Der Facheinzelhandel, der seine Geschäfte öffnen darf oder seine Dienstleistungen aufrechterhält, kann sich daher mit Blumen und Pflanzen versorgen. Der für den Großhandel logistische Aufwand kann zwar nicht kostendeckend erfolgen, aber mit Blick auf die schwierige Situation des Blumenfachhandels und die Kundenbeziehungen nach Corona, sehen sich eine ganze Reihe von Großhändlern in der Pflicht, die Grundversorgung zu gewährleisten. Hier bewähren sich langfristige Partnerschaften in der Wertschöpfungskette. Darüber hinaus müssen Lieferketten von der Produktion bis in den Handel aufrechterhalten werden. Die Ware für die nun beginnende Beet- und Balkonpflanzensaison steht bereit und die BGI-Mitglieder unternehmen alles, damit diese Ware im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten den Markt erreicht.

Viele Großhandelsunternehmen haben Kurzarbeit angemeldet, einige bilden Teams im Schichtdienst, um eine durchgehende Versorgung auch bei eventuellem Ausfall eines Teams aufrechterhalten zu können.

Corona – Soforthilfeprogramm für Kleinunternehmer und Mittelstand erforderlich

Laufende Kosten ohne oder mit deutlich geringeren Einnahmen lassen sich jedoch im eingeschränkten Betrieb nicht erwirtschaften. Liquidität durch die Aufnahme von Krediten zu erreichen, kann auch bei einer erleichterten Kreditvergabe durch die KfW-Programme nicht nachhaltig wirken. Nur durch ein Corona-Soforthilfeprogramm, mit einer nicht rückzahlbaren Förderung, kann die Basis aus klein- und mittelständischen Unternehmen, die die Branche prägen, am Leben erhalten werden und es Betrieben ermöglichen, ihr Geschäft nach der Krise fortzusetzen.

Stärkung und Stabilisierung der Lieferketten

Logistik und Dienstleistung ist eine Kernaufgabe des deutschen Blumen- Groß- und Importhandels. Deshalb ist die Aufrechterhaltung der europäischen und internationalen Lieferketten mit Frischeprodukten über alle Grenzen hinweg umso wichtiger. Auch für die Zeiten nach der Corona-Pandemie. Blumen- und Pflanzen müssen uneingeschränkt zu diesen Frischeprodukten zählen. Neben vielen anderen Themen arbeitet der BGI hier besonders eng mit dem Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. zusammen und adressiert über diesen die Anliegen der BGI-Mitglieder an die Politik und den Gesetzgeber.

Solidarität ist gefragt

Die BGI Mitgliedsbetriebe sind besonders im Bereich der Topfpflanzen eng mit der deutschen Produktion verknüpft. Die Vielfalt der deutschen Produktion und deren klein- und mittelständische Strukturen sind Basis langer und intensiver Geschäftsbeziehungen. Viele BGI Mitgliedsbetriebe haben sich aus Gartenbaubetrieben entwickelt oder haben selber noch Produktionsbetriebe. Der BGI ist seit vielen Jahren deshalb auch Mitglied im Zentralverband Gartenbau (ZVG). Der BGI schätzt und unterstützt deshalb vollumfänglich die Aktivitäten des ZVG auf politischer Ebene in Berlin.

80% aller in Deutschland verkauften Schnittblumen werden über die Niederlande importiert. Dabei stammen diese aus den Niederlanden selbst oder erreichen das Drehkreuz Niederlande aus der ganzen Welt. Der BGI beobachtet deshalb ganz genau die Entwicklungen bei Produktion und Handel in diesem wichtigen Partnerland. Die gegenseitigen Abhängigkeiten werden auch für die Zukunft eine große Rolle spielen. Der BGI ist mit seinen niederländischen Partnern und Mitgliedern im engen Austausch und unterstützt die Aufrechterhaltung der dortigen Strukturen im Rahmen seiner Möglichkeiten. Viele Schnittblumen stammen aus Afrika und Südamerika. Auch die Produktion von Jungpflanzen findet dort in erheblichem Umfang statt. Durch den Einbruch der Absatzmärkte, besonders auch in Deutschland, hat die Stornierung von Aufträgen dort verheerende ökonomische Einschnitte zur Folge, die in den meisten dieser Länder die Menschen vor Ort in Existenznot treiben. Der BGI appelliert deshalb besonders an das deutsche Entwicklungsministerium und die Europäische Union, diese Länder jetzt nicht zu vernachlässigen, sondern im Rahmen der Möglichkeiten die Existenzgrundlage zu sichern. (BGI)

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Kommentare (1)


Johann Brüntjen 25. Mär. | 12:10

BGI, ja, ja... Toller Verein! Denkt doch mal an die ganzen Produzenten! Das sind in Wirklichkeit die Gearschten. Die ganzen Gärtnereien und Urproduktionsbetriebe mit verderblichen Waren tun mir Leid. Der Handel ist noch gut dran, etwas Infrastruktur, Leute in Kurzarbeit - fertig. Aber was ist mit den Gärtnern? Da besteht die Infrastruktur aus teuren Gewächshaus- und Containeranlagen! Kurzarbeit? Schwierig, hat nicht so den Effekt, weil die Pflanzen weiterhin gepflegt werden müssen und die Versandarbeit nun in die Vernichtungsarbeit geht. Außerdem müssen Jungpflanzen weiter angenommen und gepflanzt werden für die Zeit nach Corona, wann immer das auch sein wird. Die Gärtner gehen bei der Entscheidung für das zweite Halbjahr jetzt volles Risiko. Und der Verlust durch die weggeschmissenen Pflanzen? Die Pflanzen sind über den Winter komplett vorfinanziert worden. Der Verlust von 1,- Eurone im Handel ist der Verlust von 3,- Euronen in der Produktion! Staatshilfen und Zuschüsse zuerst zur Stützung der gärtnerischen Urproduktion einsetzen, das sind die Betriebe die erhaltenswert sind! Der Handel nimmt sich das was nötig ist später sowieso.

 

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