BHB: Deutsche Baumärkte im 10-Jahres-Hoch

Die Branche bleibt für das Gesamtjahr 2020 optimistisch, BHB erwartet für deutschen Baumarkthandel bei erwartbar flacherer Umsatzkurve einen Zuwachs von +1,5 bis +1,8%.

Der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten e.V. (BHB) vertritt als Wirtschaftsverband die Interessen der Handelsbetriebe für Heimwerken, Bauen und Gärtnern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bild: BHB.

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Für die Unternehmen des deutschen Baumarkthandels markiert das Geschäftsjahr 2019 eine Besonderheit: Obwohl sich die Wetterbedingungen durch lange Regenperioden ebenso wie Hitzerekorde jenseits der 40°C-Marke mehr als herausfordernd zeigten, konnten die Bau- und Gartenfachmärkte in Deutschland letztendlich das beste Umsatzergebnis seit mehr als zehn Jahren verzeichnen. Mit einem Gesamtbruttoumsatz von 19,46 Mrd. Euro erzielte die Branche im vergangenen Jahr ein deutliches Umsatzplus von +3,6%. Auch auf bereinigter Verkaufsfläche verbuchte die Branche mit +3,8% ein mehr als solides Wachstum. Die Marktzahlen, basierend auf aktuellen Werten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), gibt der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten e.V. (BHB) im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz am 2. März 2020 in Köln bekannt.

„Die Bau- und Gartenfachmärkte in Deutschland haben aus dem Extremwetter 2018 mit langen Hitzeperioden und den daraus resultierenden Warenengpässen gelernt und die richtigen Maßnahmen bei Ordertätigkeit und in der Bevorratung relevanter Sortimente umgesetzt und diese zielführend erweitert. Dies hat dazu geführt, dass wir bei den nicht ganz so extremen, aber durchaus ähnlichen Anforderungen in 2019 gut vorbereitet waren und den Kunden nicht nur jederzeit die benötigten Waren liefern, sondern auch mit kompetenter Beratung und Service zur Seite stehen konnten“, betont Peter Tepaß, Sprecher des BHB-Vorstandes, die hohe Flexibilität der Branchenhändler.

Und René Haßfeld, stv. Vorstandssprecher im BHB, ergänzt: „Neben den grünen Saisonwaren wie Gartenchemie, Erden und Saatgut, die 2019 zweistellige Zuwachsraten erzielen konnten, waren es erfreulicherweise auch klassische Baumarktsortimente wie Baumaterialien oder Holz, die umsatztechnisch stark zugelegt haben. Dies zeigt, dass unsere Kunden in der andauernden Niedrigzinsphase verstärkt in ihr Zuhause investieren und die Baumärkte dazu als bevorzugte Beschaffungsquelle ansehen.“

Erstmals seit langem alle Quartale im Plus

Betrachtet man das Geschäftsjahr 2019, sticht besonders der über alle Quartale fortdauernde Anstieg ins Auge. Auch dies ein Phänomen, das die Bau- und Gartenmarkthändler in diesem Ausmaß schon seit etlichen Jahren nicht mehr registrieren konnten. So schlug beispielsweise im Vorjahr 2018 das erste Quartal noch mit einem Rekordminus von -7,1% zu Buche. Anders im Jahr der Phänomene, 2019: Hier erzielten die DIY-Händler bereits im ersten Quartal einen Umsatz von 4,15 Mrd. Euro und somit einen Umsatzanstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von +10,7% (flächenbereinigt +10,1%). Diese außergewöhnlichen Werte verdankt die Branche sicherlich zuerst der bereits im Februar mit Temperaturen bis 20 Grad extrem früh einsetzenden Outdoor- und Gartensaison. Da es keine spürbaren Rückschläge in Richtung Winter gab, konnten Grün- und Gartensortimente durchgehend verkauft werden.

Quartal 2 brachte mit einem Umsatz von 6,08 Mrd. Euro einen weiteren Umsatzanstieg von +0,8% (flächenbereinigt +1,0%). Im 3. Quartal setzten die Branchenhändler noch einmal 4,82 Mrd. Euro um, was einen Umsatzanstieg von +4,1% (flächenbereinigt +4,5%) entspricht. In diesen Zeiträumen spiegelt sich die Hitzeperiode wider, die zwar nicht die Intensität und Dauer wie im Jahr 2018 erreichte, dennoch mit Spitzenwerten bis 42°C den deutschen Hitzerekord einstellte und somit erneut die Umsätze mit Ventilatoren, Klimageräten, Sonnenschutz oder auch Gartenpools anschob. Diese Sortimente hatten die Händler entsprechen bevorratet, was die 2018 punktuell aufgetretenen Out-of-Stock-Situationen vermied.

Die Umsatzkurve im Schlussquartal verlief erwartungsgemäß flacher, blieb aber mit 4,4 Mrd. Euro und +0,9% (flächenbereinigt +1,3%) ebenfalls positiv.

Sortimente: Gartenchemie/Erden/Saatgut, Technik und Gartenausstattung als Wachstumstreiber

Beim Blick auf die Sortimentsentwicklungen im Gesamtjahr erzielten die deutschen Bau- und Heimwerkermärkte 2019 laut GfK-Total-Store-Report die höchsten Um-sätze mit den Sortimenten Bauchemie/Baumaterial (rd. 2,02 Mrd. Euro) sowie Sanitär/Heizung (rd. 1,80 Mrd. Euro). Zum zweiten Male behauptet der Sortimentsbereich Gartenausstattung den dritten Platz im Umsatzranking (1,39 Mrd. Euro) vor dem Werkzeugsegment (1,38 Mrd.  Euro). Der gesamte Bereich Anstrichmitte/ Malerzubehör folgt mit einem Gesamtumsatz von 1,27 Mrd. Euro. Interessant natürlich auch immer der Blick auf die Zu- und Abwächse innerhalb der Warengruppen. Prozentuale Zugewinne von insgesamt +10,2% über das Gesamtjahr verzeichnete die Kategorie Gartenchemie/ Erden/ Saatgut. Dies spiegelt sicherlich u.a. die Erneuerungs- und Erhaltungsaktivitäten der Gartenbesitzer nach dem Extremjahr 2018 wider. Investitionen ins Wohneigentum zeigen auch die Zuwächse in der Warengruppe Bauchemie/ Baumaterialien: Hier stiegen die Umsätze in 2019 um +6,9%. Die weiteren Umsatzgewinner: Sonstiges (+6,5%), Holz (+5,8%) und Werkzeuge/ Maschinen/ Werkstattausstattung (+5,5%). Überhaupt gab es im Jahr 2019 nur zwei Warengruppen, die im Vergleich zum Vorjahr leichte Einbußen verzeichnen mussten: Die Gartenmöbel verloren rd. -3,5%, was nach den starken Umsatzsprüngen der Vorjahre aber durchaus relativiert betrachten werden muss. Das Sortiment Wohnen und Dekoration verlor erneut an Boden:-2,1%.

Zahl der Baumärkte und Gesamtverkaufsfläche fast unverändert

Bei der Entwicklung der Vertriebswege stand das Geschäftsjahr 2019 für eine fortschreitende Schärfung des Standortportfolios der Branche. Nach wie vor werden zwar Lücken in Vertriebsnetz mit neuen Märkten geschlossen, aber auch verstärkt unrentable und veraltete Standorte vom Netz genommen. Dies zeigt sich in der Bilanz in einem weiteren, wenn auch minimalen Abwachsen der Gesamt-Marktzahl und auch der Gesamtverkaufsfläche. Zum 1. Januar 2020 zählte die Gesellschaft für Markt- und Betriebsanalyse (gemaba) bundesweit 2.106 Baumärkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von 13.240 Mio. Quadratmetern, 13 Märkte und rund 27.000 Quadratmeter Verkaufsfläche weniger als noch zum Jahresanfang 2019.

Aufgrund der erneut nur geringen absoluten Veränderungen bleibt es auch bei den Anteilen der unterschiedlichen Marktgrößen an der Gesamtfläche laut gemaba ohne nennenswerte Verschiebungen. Weiterhin halten hier die Baumärkte mit Innenverkaufsflächen zwischen 5.000 und 7.500 Quadratmetern den Löwenanteil (24%), dicht gefolgt von den Mittelflächen zwischen 3.000 und 5.000 Quadratmetern (21%).

Auch wenn die Zeit der großen Flächenzuwächse und der Neueröffnungen großer „Big Boxes“ derzeit vorbei ist: Es ist deutlich zu spüren, dass die Handelsunternehmen der Branche eine hohe Investitionsbereitschaft beim Aus- und Umbau vorhandener Flächen sowie in die Hard- und Software unterschiedlichster Digitalisierungsprozesse mitbringt. „Nach wie vor bleibt die Verschmelzung stationärer und digitaler Kanäle vorrangige Aufgabe der Branchenhändler. Nur wenn wir den Kunden eine bequeme und barrierefreie Customer Journey bieten, bleiben wir auch weiterhin bevorzugte Wahl beim Einkauf“, betont BHB-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Wüst.

Aber Digitalisierung bedeute mehr als nur Investitionen in E-Commerce-Prozesse, weiß Peter Tepaß, BHB-Vorstandssprecher. „Von allen Trend- und Marktforschern kommen deutliche Signale, dass die DIY- und Gartenbranche auch zukünftig in der Hauptsache – wenn auch sicher nicht ausschließlich – auf die Qualitäten ihrer stationären Fläche setzen sollte“. Diese Flächen werden sich allerdings immer deutlicher verändern. „Der Trend zu erweiterter Funktionalität mit Showrooming, Workshop- und Kommunikationsflächen und hoher Aufenthaltsqualität, den wir in den letzten Jahren angestoßen haben, wird sich beschleunigt fortsetzen“, so Tepaß. Viele der großen Branchenplayer testen derzeit in unterschiedlichen Formaten und Verkaufskonzepten ihre strategische Ausrichtung für die Zukunft.

E-Commerce-Umsätze mit DIY-Sortimenten auf anhaltendem Wachstumskurs

Die Dominanz der Fläche beim Erwirtschaften der Umsätze kann allerdings den Aufwärtstrend der Umsätze mit E-Commerce nicht stoppen. Auch 2019 entwickelte sich dieser Anteil spürbar - die Kundennachfrage nach DIY-Produkten im Vertriebskanal Online bleibt bei den Heimwerkern und Hobbygärtnern ungebrochen

So setzten der stationäre Handel, der Versandhandel und die Pure-Player in Deutschland nach Prognosen der Marktforscher von Teipel Research & Consulting/ IFH im E-Commerce 4,0 Mrd. Euro mit DIY-Kernsortimenten im Geschäftsjahr 2019 um. Das bedeutet eine Steigerung gegenüber 2018 (3,67 Mrd. Euro) um 9,0%. Dabei lagen die Produkte des Heimwerkersortiments in der Gunst der Kunden mit einem Gesamtjahresumsatz von 2,69 Mrd. Euro wiederum deutlich vor den Artikeln des Gartensortiments (1,1 Mrd. Euro) und Baustoffen/Baumaterialien (210 Mio. Euro). Erfreuliche Entwicklung zudem: Der Marktanteil der Bau- und Heimwerkermärkte an den E-Commerce-Umsätzen mit DIY-Kernsortimenten ist erneut gestiegen. Er lag 2019 laut Teipel bei bereits 21,4% (Vorjahr: 19,3%). Interessante Entwicklung: Die E-Commerce-Pure-Player verlieren hier erneut an Boden, ihr Marktanteil am DIY-Kernsortiment sinkt in gleichem Maße auf insgesamt 49,4% (Vorjahr: 50,4%). Der BHB rechnet derzeit für den aktuell ermittelten Branchen-Gesamtbruttoumsatz (19,46 Mrd. Euro) weiterhin mit einem Online-Anteil zwischen 5 und 6% bzw. rd. einer Mrd. Euro.

Potenzial für Umsatzzuwächse 2020 in der Baumarktbranche sieht der BHB insbesondere in den Gartensortimenten, die sich allerdings auch in andere Warengruppen (z.B. Möbel, Gartenbaustoffe etc.) ausweiten. Auch die klassischen Sortimente sollten sich durch anhaltende Investitionsbereitschaft in privaten Wohnungsbau und Renovierungstätigkeiten weiter positiv entwickeln.

BHB sieht Branche auch 2020 auf Wachstumskurs

Das laufende Geschäftsjahr 2020, das zeigt sich bereits jetzt, wird voraussichtlich unter erschwerten Bedingungen ablaufen. Noch sind die Auswirkungen durch den weltweiten Einfluss des Corona-Virus auf Produktion, Sourcing und Logistik noch nicht abzuschätzen. Außerdem bietet der zunehmende Anteil saisonabhängiger Warengruppen am Gesamtumsatz weitere nicht abschätzbare Variablen, ebenso wie die unklare Entwicklung der europäischen Wirtschaftslage nach dem Brexit sowie in den nach wie vor unklaren Stoßrichtungen der Handelsbeziehung der Großmächte. Dank allerdings weiterhin guter Rahmenbedingungen zeigt sich der BHB optimistisch und rechnet mit einem Umsatzwachstum auf einem Level zwischen +1,5 und +1,8%.

Baumarktbranche in Österreich 2019 mit deutlichem Plus

Die Bau- und Gartenfachmärkte in Österreich bewegten sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf einem sehr ähnlichen Level wie die Branche in Deutschland. Auch hier erreicht der Gesamtumsatz mit 2,68 Mrd. Euro und einem prozentualen Plus von +4,4% ein Ergebnis, das deutlich über dem der Vorjahre liegt. Auf bereinigter Fläche macht dies einen Anstieg um + 3,0% aus. Auch in Österreich konnten die Branche in diesem Jahr von den Wetterphänomenen profitieren und auch hier waren die Unternehmen gut auf die wechselnden Verhältnisse vorbereitet. Analog dazu war auch hier die Warengruppe Gartenchemie/ Erden/ Saatgut mit einem Plus von +9,5% stärkster Treiber. Mit Gartenausstattung (+8,6%) und Holz (+8,1%) waren auch zwei weitere Sortimente für das Outdoor-DIY unter den am besten verkauften Warengruppen. Nur zwei Segmente überhaupt konnten im Jahr 2019 keine Zuwächse generieren: Bei den Produkten von „Sonstiges“ (-2,2%) und Fliesen (-0,8%) ist dabei aber kein langfristiger Trend auszumachen.

Schweizer Baumärkte profitieren nicht vom Trend

Für die Branche in der Schweiz war 2019 kein Jahr mit hohen Zuwachsraten. Letztendlich blieb es beim Gesamtumsatz von 3,37 Mrd. Schweizer Franken (CHF) bei einer Nullrunde (+0,0%), lediglich in der bereinigten Entwicklung war ein Plus von +0,3% zu verzeichnen. Die Sortimente mussten im Jahr 2019 teils kräftigen Abwachs hinnehmen. So verzeichnete das Segment Gartenmöbel mit einem Minus von -10,0% den stärksten Rückgang, den man allerdings nach starken Zuwächsen in 2018 in die korrekte Relation setzen muss. Weitere abwachsende Sortimente waren Gartenwerkzeug/ Be- und Entwässerung (-3,4%) sowie Freizeit/ Saisonsortiment mit -2,9%. Es gab aber auch insgesamt erfreuliche Entwicklungen in den Warengruppen: Sowohl die Produkte im Segment „Sonstiges“ (+3,5%), Technik/ Büro/ Unterhaltung (+3,2%) und Haushaltswaren (+2,8%) lagen über den Vorjahreswerten. (BHB)

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