Berlin: Bloomy Days GmbH insolvent

In einem Offenen Brief teilte die Gründerin von Bloomydays, Franziska von Hardenberg über ihren persönlichen facebook-Account und ihre Webseite gestern mit, dass das Unternehmen Insolvenz anmelden musste.

Bloomy Days meldet Insolvenz an. Screenshot: GABOT.

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Am 19.07.2017 wurde das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen des Berliner Vorzeige-Startups Bloomy Days GmbH, Gormannstraße 14, 10119 Berlin, Amtsgericht Charlottenburg, HRB 140872, vertreten durch die Geschäftsführer Franziska Amelie Gräfin von Hardenberg und Christian Kieb eröffnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Prof. Dr. Torsten Martini, Kurfürstendamm 26 a, 10719 Berlin bestellt.

Das Geschäftsmodell von Bloomy Days setzt primär auf den Versand von frischen Schnittblumen im Abonnement (Abo-Modell). Zuletzt plante das Unternehmen die Erweiterung im Segment B2B/Geschäftskunden.

Erst im Januar hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Unternehmen besucht. Franziska von Hardenberg startete 2012 mit Bloomy Days und äußerte sich laut Medienberichten bei dem Gespräch noch positiv, dass man kurz davor sei, profitabel zu werden.

Im Jahr 2015 schloss das Unternehmen seine Series A-Finanzierung erfolgreich ab. Mehrere Millionen Euro Wagniskapital sammelte die Gründerin damals unter anderem von Ariadne Capital, den Business Angels Lars Ditrich, Matthias Ummenhofer und von Hotelier Michael Zehden ein.

Der offene Brief im Wortlaut:

"Heute ist ein sehr trauriger Tag. Unsere Finanzierungsrunde ist kurzfristig gescheitert und wir konnten trotz allergrößter Bemühungen keine alternative Finanzierung sichern. Deshalb musste ich mit meinem Unternehmen BLOOMY DAYS heute Insolvenz anmelden.

Am schlimmsten ist diese Situation für mein Team. So schwer es für mich ist, so sehr sehe ich mich als Unternehmer auch jetzt an letzter Stelle. Jeder einzelne Mitarbeiter hat gemeinsam mit mir an dem Traum gearbeitet, den Blumenhandel in Deutschland zu revolutionieren und nachhaltig zu verändern. Ich bin davon überzeugt, dass uns das auch gelungen ist. Wir haben aus dem Nichts eine starke Marke aufgebaut, ein tolles Produkt entwickelt und zehntausende Kunden gewonnen. Wir hatten sehr früh die Idee, den Online Blumenhandel von Grund auf zu verändern und mittlerweile ist der gesamte Weltmarkt im Umbruch. Wir waren also auf dem richtigen Weg, nur vielleicht einfach etwas zu früh. Leider spielt aber auch hier das Timing eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Es gibt so viele Menschen, die mir regelmäßig versichern, dass sie sich keine Welt vorstellen können, in der sie unsere Blumen nicht mehr regelmäßig erhalten. So viele Menschen, denen wir Freude bereitet haben. Nichtsdestotrotz haben wir es nicht geschafft schnell genug profitabel zu werden, um unabhängige Entscheidungen treffen zu können. Wir haben alles gegeben, Tag und Nacht dafür gearbeitet, große Erfolge erzielt und sind dennoch vorerst gescheitert.

Gescheitert auch an einer Finanzierungsstruktur, die uns immer wieder vor die größten Herausforderungen gestellt hat. All das Wachstum, die Geschichten die unser noch junges Unternehmen schrieb und vor allem all die Liebe, die wir seit Anbeginn investiert haben, haben uns nicht retten können. Dass die unternehmerische Leistung, die Vision etwas nachhaltig verändern zu wollen, ein starkes Team, massives Wachstum und die große Leidenschaft für das Thema, nicht genug sind, um eine erfolgreiche Finanzierung sichern zu können, ist eine bittere Erkenntnis.

Ich möchte die Geschichte erzählen, wie sie wirklich war, denn so haben wir immer agiert. Ehrlich, transparent und authentisch. Dafür lieben uns die Menschen und dafür stehen wir. Heute kann ich jedoch noch nicht begreifen, was alles dazu geführt hat, dass wir uns in dieser Situation befinden. Es wird Zeit brauchen um zu verstehen, was wir hätten noch besser machen müssen.

Die Zeit der Restrukturierung beginnt nun und wir kämpfen dafür eine Lösung zu finden. Eine Lösung, die die Arbeitsplätze sichert und unsere Kunden weiterhin mit den schönsten, saisonalen Blumen beliefert. Mehr kann ich dazu heute noch nicht sagen.

Unser Company-Statement „A ship is safe in harbour, but that’s not what it´s built for“, ist vermutlich heute treffender, denn je. Wir wollten die sieben Weltmeere, haben uns voller Enthusiasmus, Energie und Vertrauen auf große Fahrt begeben, wir haben Unglaubliches erlebt, uns nie vor unsicheren Gewässern gescheut und sind jetzt dabei das Leck an Bord mit allen Kräften zu stopfen. Ob uns das gelingt, steht in den Sternen, aber wir geben die Hoffnung nicht auf, denn das haben wir noch nie.

Ich danke meinen Mitarbeitern – ehemaligen und aktuellen –, die auf mich und meine Idee vertraut haben und mit mir auf unserer Reise an Bord waren. Ich danke meinem Co-Geschäftsführer dafür, dass er immer an uns geglaubt hat und BLOOMY DAYS in all den Jahren seine ganze Loyalität und Unterstützung geschenkt hat. Ich danke unseren Lieferanten und Partnern, die immer für uns da waren. Ich danke unseren Kunden, denn sie sind die besten der Welt. Ich danke unseren Gesellschaftern, ohne die dies alles nicht möglich gewesen wäre. Und ganz besonders danke ich meinem Mann, unseren Familien und meinen Freunden, die mich von der ersten Sekunde an unterstützt haben und die hinter mir stehen, auch wenn der Sturm uns vorerst in die Knie zwingt.

Es war eine unglaubliche Reise, von der ich hoffe, dass wir alle unser Leben lang von ihr erzählen werden. Wohin es nun für uns als nächstes geht, das weiß nur der Wind. Aber der wird mit Sicherheit schon bald berichten.

Danke für Alles. It was a hell of a ride.

Franziska von Hardenberg"

Bloomy Days am Vortag auf Instagram:

Bloomy Days Imagefilm

Kommentare (2)


Michael Schlawin 23. Jul. | 13:12

Genau meine Meinung. Ein Blumengroßhändler sagte mir mal auf die Frage warum es uns finanziell nicht so gut geht:
Was macht ein Blumengroßhändler wenn er mal eine Million Euro
im Lotto gewinnt? Er verkauft solange weiter Blumen bis die Million weg ist. Gruß an Rene

 
michael gerdes 21. Jul. | 00:05

Ich kann mich nur wundern... Wie weltfremd sind diese Leute eigentlich. Bekommen ein paar Millionen hinterhergeschmissen, für nicht viel mehr als einen einfachen virtuellen Blumenladen, verpassen das ganze Geld und meinen dann sogar noch den deutschen Blumenhandel revolutioniert zu haben. So ein Quatsch, unglaublich dass man dafür Geldgeber finden kann, die mehrere Millionen in den Sand setzen!?

 

Anzahl Kommentare:2