BdB: Baumschulwirtschaft im Gespräch mit der Politik

Schleswig-Holsteins Landwirtschafts- und Umweltminister Jan Philipp Albrecht traf sich zum Branchengespräch mit BdB-SH-Vorsitzenden Axel Huckfeldt und weiteren Baumschul-Experten.

Umweltminister Jan Philipp Albrecht (2.v.l.) besuchte das Pinneberger Baumschulland zum Expertengespräch über die aktuelle Marktlage und fachliche Herausforderungen. Bild: Mario Wienert, BdB SH.

Anzeige

300 Baumschulen, 3.000 Beschäftigte, 200 Mio. Umsatz, lebendige Gartenkultur und 250jährige Regional- und Wirtschaftsgeschichte: das ist das Pinneberger Baumschulland. Wie ist die Branche bisher durch die Corona-Krise gekommen? Was sind die aktuell größten Herausforderungen? Welche Problemlösungen hat die Branche für den Klimawandel, Insektenschutz und Biodiversität? Landwirtschafts- und Umweltminister Jan Philipp Albrecht hat sich heute vor Ort selbst ein Bild gemacht und traf sich zum Branchengespräch mit BdB-SH-Vorsitzenden Axel Huckfeldt und weiteren Baumschul-Experten in den E. Sander Baumschulen, Tornesch.

Zur wirtschaftlichen Lage der Baumschulen im Norden in Anbetracht der Coronavirus-Krise führte Axel Huckfeldt, Vorsitzender des BdB SH, aus: „Im Großen und Ganzen sind die Baumschulen bisher mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen, obwohl der Absatz an Gartencenter zeitweise und der Export gänzlich zusammengebrochen war! Aufgrund der langen Produktionszyklen bei Baumschulprodukten von drei bis 15 Jahren ist eine kurzfristige Anpassung an einen sich verändernden Markt nicht möglich! Die Produktion für die nächsten Jahre steht schon auf dem Feld! Wir hoffen also auf eine sehr schnelle Erholung der Wirtschaft!“

Zum Problem der Versorgung mit Saisonarbeitskräfte gab Vorsitzender Huckfeldt Entwarnung: „Da unsere Saison glücklicherweise sehr früh, bereits im Ende Februar/Anfang März begann, hatten wir fast keine Probleme mit der Einreise unserer Saisonarbeitskräfte! Dies muss aber auch für den Herbst Bestand haben. Denn auch das hat Corona gezeigt: Landwirtschaft und Gartenbau sind in der Produktion und Ernte angewiesen auf ausländische Saisonarbeitskräfte“.

Die E. Sander Baumschulen sind ein Pflanzen-Komplettlieferant für den Garten- und Landschaftsbau und den Gartenfachhandel. Gastgeber und Inhaber Jens Sander gab Minister Albrecht einen Marktüberblick: „Die deutschen Baumschulen produzieren u.a. nach Art, Sorte und Größe bis zu 200.000 Gehölzartikel. Unser Betrieb verzeichnet am Markt seit einigen Jahren ein stetig steigendes Interesse an Bienen- und Insektennährgehölzen. Bei Kommunen und Planern wächst das Interesse an so genannten Klimawandelgehölzen, also Baumarten, die ihre Funktionen als öffentliches Grün auch bei vermehrter Hitze und Dürre zu leisten in der Lage sind.

Verbandsgeschäftsführer Dr. Frank Schoppa verwies auf die nach Naturschutzrecht ab 2020 nunmehr gesetzlich vorgeschriebene Verwendung gebietseigener Arten in der freien Landschaft: „Unsere Branche hat sich auf die veränderten Rahmenbedingungen eingestellt. In der bundesweit tätigen Zertifizierungsgemeinschaft gebietseigener Gehölze (ZgG) sind viele Holsteiner Baumschulen Mitglied. Dieses Angebot ist angesichts des Klimawandels jedoch keinesfalls die Antwort für den überplanten und bebauten Bereich in der Stadt! Wir müssen Antworten finden, welche Baumarten die zukünftig immensen Belastungen aushalten und dennoch die ökologischen Funktionen leisten können. Hier wünschen wir uns Offenheit und mehr Unterstützung durch die Politik. Dazu gehört explizit auch keine Scheu vor nichtheimischen Gehölzarten aus vergleichbaren Klimaten“.

Vorsitzender Huckfeldt wurde nach dem Gespräch mit Umweltminister Albrecht über Klimapolitik und CO2-Abgabe deutlich: „Wir sind auch nach der Corona-Krise noch Teil der Lösung der Klima-Krise! Wir produzieren CO2-Senken! Die Investitionen in die grüne Infrastruktur müssen weiter gesteigert werden!“, und unterbreitete einen konkreten Vorschlag: „Eine im Baurecht festgeschriebene Grün-Quote würde Mensch und Umwelt helfen und wäre zugleich eine sinnvolle Antwort auf die Auswirkungen des Klimawandels in städtischen Räumen!“

Die Leistungsfähigkeit der Baumschulwirtschaft verdeutlichte BdB-Vizepräsident Bernhard von Ehren, Hamburg: „Die deutschen Baumschulen nehmen weltweit in Puncto Qualität und Leistungsfähigkeit eine Spitzenposition ein. Diese Manufakturen legen heutzutage den Fokus insbesondere auf die Themen moderne, zeitgemäße Produktionsverfahren, Klima(wandel) und Nachhaltigkeit“. Dabei zeichnete er für die Branche eine hoffnungsvolle Perspektive: „Wir gehen davon aus, dass sich der Wandel zur Green Economy nach der Corona Krise beschleunigen wird und damit auch die Wertschätzung für Gehölze in der Politik und Gesellschaft zunehmen wird“.

Abschließend dankte Huckfeldt Minister Albrecht für die Unterstützung seines Ministeriums der Fachmesse „FLORUM – Forum für Grünes Wissen“ 2019, die der BdB SH gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer S-H veranstaltet, und lud Albrecht zur Eröffnung der FLORUM 2021 am 1. September nach Ellerhoop ein. (BdB)

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.