ALTMARKTgarten Oberhausen: Bilanz nach einem Jahr

Vor einem Jahr wurde der ALTMARKTgarten auf dem Dach des Oberhausener Jobcenters eröffnet. Nach dem am Fraunhofer UMSICHT entwickelten inFARMING®-Konzept werden dort Salate, Kräuter und Co. für den lokalen Markt produziert.

ALTMARKTgarten: Über 1.000 m2 Fläche in vier Klimazonen. Bild: Fraunhofer UMSICHT.

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Salate aus der Innenstadt und Kräuter vom Dach sind längst keine Utopie mehr, werden doch immer mehr kleine Urban-Farming-Projekte auch in heimischen Gärten oder auf Balkonen realisiert. Der Trend hin zu nachhaltigerem Leben begünstigt diese Entwicklung. Dass es auch einige Nummern größer geht, zeigt Oberhausen, genauer gesagt der dortige ALTMARKTgarten. Hier werden seit einem Jahr mitten in der Stadt Agrarprodukte produziert. Doch gehen wir zunächst einen Schritt zurück: "Das Gebäude und der Dachgarten sollen eine Einheit bilden", so war es in der Ausschreibung für den ALTMARKTgarten zu lesen. Ein Vorhaben, das wie gemacht war für das am Fraunhofer UMSICHT entwickelte inFARMING®-Konzept. Denn hierbei werden Produktionssysteme und Gebäudeinfrastrukturen zu eben jener Einheit miteinander verknüpft. "Bei der gebäudeintegrierten Landwirtschaft setzen wir auf bestehende Strukturen wie Dächer und Fassaden und nutzen die Ressourcen eines Gebäudes – z. B. Abwärme und Abwasser – für die Produktion von nachhaltigen Agrarprodukten", erklärt Volkmar Keuter, Leiter der Abteilung Photonik und Umwelt am Fraunhofer UMSICHT.

Nähe zu Verbraucherinnen und Verbrauchern

Der ALTMARKTgarten wurde am 26. September 2019 feierlich eröffnet und zeigt seitdem eindrucksvoll, dass das Konzept aufgeht. In dem in Deutschland einmaligen Gewächshaus auf dem Dach des neuen Jobcenters, in der dichtbesiedelten Oberhausener Innenstadt, wachsen ganzjährig Erdbeeren und Topfkräutern, essbare Pflanzen und Salate. Über 100 kg Erdbeeren sind in der aktuellen Saison bereits geerntet worden. Angeboten werden die Erzeugnisse vor Ort, auf dem Markt und in den umliegenden Restaurants. "Die Nähe zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern minimiert den ökologischen Fußabdruck der Produkte. Es entfallen lange Lieferketten, was nicht nur die Umwelt schont, sondern auch die Transportkosten deutlich senkt", so Simone Krause, Abteilung Nachhaltigkeit und Partizipation am Fraunhofer UMSICHT. In Zukunft sind weitere regionale Absatzwege geplant, bedingt durch die Corona-Pandemie verzögern sich jedoch einige Vorhaben.

Automatisch mit Wasser und Nährstoffen versorgt

Insgesamt stehen über 1.000 m2 Fläche in vier Klimazonen zur Verfügung, die je nach Bedarf an Temperatur und Feuchtigkeit der Pflanzen unterschiedlich gesteuert werden können. Eine weitere Besonderheit sind die Kultivierungssysteme: Es gibt Ebbe-Flut-Tische, die die Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen versorgen. In UV-stabilen Growbags wachsen u. a. Erdbeeren, während z. B. Salate auf Kulturplatten in Schwimmteichen angebaut werden. Alle verwendeten Kultivierungssysteme sind hydroponisch, d. h. die Pflanzen werden vollautomatisch durch eine wässrige Lösung ernährt.

Das Fraunhofer UMSICHT betreibt vor Ort zudem einen separaten Forschungsbereich. Dort werden neueste Technologien und Entwicklungen der integrierten Agrarwirtschaft getestet und weiterentwickelt. Im Fokus steht neben den Ressourcen, die das Gebäude bereitstellt u. a. die Belichtung. Volkmar Keuter: "Mit definierten Lichtszenarien lassen sich Pflanzenwachstum und Pflanzenqualiltät positiv beeinflussen." Ein großer Vorteil des ALTMARKTgarten ist, dass die Ergebnisse aus der Forschung direkt nebenan in großem Maßstab in der Praxis erprobt werden können.

Der Trend in der Gesellschaft hin zu nachhaltig produzierten Nahrungsmitteln lässt mittlerweile viele in Richtung Oberhausen blicken. Denn der ALTMARKTgarten zeigt, dass auch dort, wo die Agrarflächen rar sind, ein klimaschonender Anbau möglich ist. (Fraunhofer UMSICHT)

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