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Praktiker: Letzte verbliebene Auslandsgesellschaft verkauft
Der strategische Investor Papag AG mit Sitz in der Schweiz übernimmt nach der Praktiker Polska auch die Auslandsgesellschaft Praktiker Kft. Budapest aus dem Baumarkt-Konzern. Einen entsprechenden Kaufvertrag hat Rechtsanwalt Christopher Seagon, Insolvenzverwalter der BM Praktiker International GmbH, etwa 1,5 Jahre nach dem Insolvenzantrag in Deutschland unterzeichnet. Über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Transaktion haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Die Übernahme steht noch unter den üblichen Gremienvorbehalten.
Insolvenzverwalter Seagon hat mit dem Verkauf in Ungarn nun alle sieben Auslandsgesellschaften erfolgreich verkauft, die bei Insolvenzantrag im Oktober 2013 unter der BM Praktiker International GmbH operativ tätig waren. Der Verkaufsprozess in Ungarn gestaltete sich noch aufwändiger als bei den übrigen Auslandsgesellschaften, da seitens der Vermieter wesentlicher Betriebsimmobilien Vorbehalte des Weiterbetriebs unter Praktikerflagge bestanden. „Ich bin froh, dass wir nun sowohl für die insgesamt etwa 6.600 Beschäftigten in den sieben Auslandsgesellschaften als auch für die Gläubiger der BM Praktiker die bestmöglichen Ergebnisse erzielt haben“, sagt Seagon.
Mit dem Verkauf der Praktiker Kft. Budapest kann Seagon nun auch in Ungarn die 19 Standorte und alle 935 Arbeitsplätze sichern. Nach einem strukturierten Bieterverfahren für Praktiker Budapest hatte Seagon verschiedene verbindliche Angebote erhalten. Die Papag AG setzte sich im Zuge des langen Verkaufsprozesses mit dem besten Gesamtkonzept gegen die Mitbewerber durch. Nach eigenen Angaben wird auch Papag die Gesellschaft weiter unter der Marke Praktiker fortführen.
Praktiker in Ungarn erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 90 Mio. Euro. Seagon sieht für den neuen Investor gute Chancen in Ungarn. „Ich bin zuversichtlich, dass Praktiker in Ungarn eine positive Zukunft hat, denn wer unter den schwierigen Bedingungen seit Oktober 2013 vor Ort unter Beweis gestellt hat, dass die Fortführung gelingt, hat auch gezeigt, dass die Kunden in Ungarn Praktiker wollen“, ist Seagon überzeugt.
Praktiker Kft. Budapest ist die siebte und damit die letzte verbliebene operativ tätige Auslandsgesellschaft, die Insolvenzverwalter Seagon an einen Investor übertragen kann. Bereits im Oktober 2013 hat er die Anteile an der Batiself SA. in Luxemburg verkauft. Im Februar 2014 folgten die Praktiker-Gesellschaften in der Ukraine, Bulgarien und Rumänien, im März und April 2014 dann die Praktiker-Gesellschaften in Polen und Griechenland.
Durch diese Verkäufe kann Insolvenzverwalter Seagon im Ausland die vollständige Unternehmenssubstanz erhalten. Möglich wurde dies laut Seagon, da es dem Management aller Auslandsgesellschaften gelang, durch hartes und sehr engagiertes Krisenmanagement in Abstimmung mit der insolventen Holding BM Praktiker International Folgeinsolvenzen im Ausland zu vermeiden. Außerdem ist es in jedem Land in unterschiedlicher Weise gelungen, näher am Kunden zu sein. So wurden zum Beispiel Warensortimente an die tatsächliche Nachfrage in dem jeweiligen Land angepasst, so dass vom reinen Baumarktsortiment bis hin zum Lifestylemarkt nahezu alles vorhanden war, was den Kunden interessiert. „Individualität und Flexibilität sind die Attribute, die mitbestimmend für den diametral anderen Verlauf der Krise von Praktiker im Ausland waren“, sagt Seagon.
Nachdem der Geschäftsbetrieb von Praktiker in Deutschland vor gut einem Jahr eingestellt werden musste, kann Seagon inzwischen auch hier positive Ergebnisse bezüglich der Übernahme ehemaliger Praktiker-Standorte vermelden. So wurden an knapp 130 der ehemals 230 Standorte inzwischen Raumnachfolger gefunden, zum überwiegenden Teil aus dem Baumarktsektor. „Dies hat einen entsprechend positiven Effekt für etwa die Hälfte der ehemals etwa 11.000 Beschäftigten bei Praktiker“ so Seagon.
Hintergrund
Die BM Praktiker International GmbH ist eine Holding-Gesellschaft innerhalb des Praktiker-Konzerns. In dieser Holding sind insgesamt 11 Gesellschaften – beziehungsweise Geschäftsanteile an diesen Gesellschaften – zusammengefasst. Eine der Gesellschaften ist die Praktiker Kft. Budapest. Die BM Praktiker International GmbH hatte in Folge der verschiedenen Insolvenzen innerhalb des Praktiker-Konzerns Anfang Oktober 2013 beim zuständigen Amtsgericht in Hamburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Verfahren wurde am 21. Oktober 2013 durch das Amtsgericht Hamburg eröffnet und Rechtsanwalt Christopher Seagon zum Insolvenzverwalter bestellt. Bei Insolvenzantrag der BM Praktiker International GmbH hatten 7 der 11 Gesellschaften ein aktives operatives Geschäft, das mit Unterstützung von Christopher Seagon, Insolvenzverwalter der Holding-Gesellschaft, bis zu deren Verkauf erfolgreich fortgeführt wurde.

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