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GaLaBau NRW: "Praxisseminar"eröffnete neue Sichtweisen
Die Wünsche der Kunden werden bei der Gestaltung von Außenanlagen und Verkehrsflächen immer individueller. Eine Entwicklung, die der Kreativität im Garten- und Landschaftsbau durchaus entgegen kommt. Zumal die neue ZTV-Wegebau zu mehr Rechtssicherheit bei der kundenspezifischen Planung und Ausführung von gering belasteten Wegeflächen beiträgt. Dies wurde bei der gemeinsamen Veranstaltung „Praxisseminar“ des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten Landesgruppe NW und des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus NRW im UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen deutlich. Mehr als 80 Landschaftsarchitekten und Vertreter des GaLaBaus nahmen daran teil.
Zwar werden die Leistungen der Landschaftsgärtner immer mehr nachgefragt, dennoch gilt: „Der Kunde zahlt nur für den Nutzen“, wie Lothar Johanning von lj marketing zum Thema „Der Kunde – ein fremdes Wesen aus einer anderen Welt?“ betonte. Und auf dem Markt gibt es unterm Strich heutzutage mehr Angebot als Nachfrage. Die Folge ist ein Wettbewerb bei Leistungsversprechen und Preisen. Hier ist den Worten von Johanning zufolge auf Dauer erfolgreicher, wer geplant vorgeht: „Marketing ist Markt machen.“ Meist hake es dabei allerdings bei der Umsetzung. So beispielsweise in der Ausrichtung auf eine Zielgruppe, der Kundenansprache oder der Ablauf-Organisation. Wichtig sind laut Johanning vertrauensbildende Maßnahmen. Öffentliche oder gewerbliche Auftraggeber wollen die Sicherheit haben, ohne Probleme, fristgerecht und im geplanten Budget etwas fertig gestellt zu bekommen. Privatkunden wollen einfach ihren Traumgarten. „Ist der private Kunde im Ergebnis zufrieden, wird er sich meist keinen anderen Partner suchen.“ Um ihn zufrieden zu stellen und als Auftragnehmer selbst zufrieden zu werden, ist es wichtig, das „Bild im Kopf des Kunden“ möglichst konkret zu gestalten. Sinnvoll ist es, drei Angebotsalternativen zu erstellen, und „den Kunden an Termine zu binden“ – also mit der Angebotszustellung eine Frist für die Gültigkeit der Offerte zu setzen oder einen Präsentationstermin vorzuschlagen. Wichtig: „Den Kunden nicht mit seinem Garten alleine lassen.“ Auch später nicht – daher die Pflege gleich mit anbieten. Denn letztlich gilt: „Die Summe aller Mehrwerte ist der Preis, den der Kunde zu zahlen bereit ist.“ Wobei neben sachlichen auch emotionale Mehrwerte zählen.
Dass sich selbst mit einem vermeintlichen Allerweltsbaumaterial wie Asphalt Mehrwerte darstellen lassen, verdeutlichte Dr. Stefan Ludwig von der Firma Eurovia im Vortrag „Asphalt – Ein kreatives Baumaterial“. Im Fokus standen die unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten mit Deckschichten. So müssen Asphaltflächen nicht grau sein. Mittels Farben und Texturen lassen sich die gebundenen Gesteinsmischungen für haltbare, innerhalb von 24 Stunden nutzbare und dennoch dekorative Flächenbefestigungen im Innen- und Außenbereich nutzen. Realisierbar ist eine große Palette an Farben durch die Wahl der Bindemittel. Nachteil: Farbige Asphaltmischungen erfordern einen höheren Aufwand in den Mischwerken und empfehlen sich daher eher für große Flächen. Zudem ist farbiger Asphalt schwieriger auszubessern. Für kleine Flächen sind laut Dr. Ludwig Farbgebungen mittels Abstreuen mit farbigen Baustoffen oder Schlämmen mit Emulsionen eine gute Alternative. Wie er erläuterte, ist es generell ratsam, immer erst Probeflächen herzustellen, um bei Farbton keine Überraschungen zu erleben. Denn beim Erkaltung oder Trocknen kommt es meistens zu Farbabweichungen. Aber auch ohne besondere Farbgebungen lässt sich Asphalt dekorativer machen. Zum einen durch Prägen, wodurch sich beispielsweise eine Pflasteroptik erzielen lässt. Zum anderen sorgen Strahlen oder Schleifen der Oberflächen für Struktur- oder Glanzeffekte.
Bei der Art der Flächenbefestigung gibt es inzwischen aber nicht nur vielfältige Möglichkeiten, sondern in manchen Bereichen auch rechtliche Stolpersteine – insbesondere bei gebundenen und ungebundenen wie auch gemischten Bauweisen. Denn die vorhandenen technischen Regelwerke zielen vordergründig auf den öffentlichen Straßenbau ab. Wie Heinz Schomakers vom BGL zum Thema „ZTV-Wegebau – Ein Meilenstein für die grüne Branche“ darlegte, berücksichtigen die herkömmlichen Regelwerke die Anforderungen im GaLaBau nicht ausreichend. So könnte ein Sachverständiger durchaus eine Rasenkante bemängeln, wenn sie nicht normgerecht über einen 20 Zentimeter starken Betonunterbau verfügt. Oft wollen Kunden auch nicht das für Pflasterflächen per DIN-Normen vorgeschrieben Gefälle für ihre Terrasse – die ZTV-Wegebau ermöglicht den Planern wie auch ausführenden Fachbetrieben den Kundenwünschen eher zu entsprechen und dennoch regelkonform zu bauen. In solchen Fällen sollte vom Unternehmen eine Vereinbarung der ZTV-Wegebau bereits im Angebot fixiert werden. Letztlich gibt es durch das neue Regelwerk für den GaLaBau „viel mehr Möglichkeiten, fehlerfrei zu bauen“.
Einen anderen Aspekt, der bei der Versiegelung von Flächen wichtiger wird, brachte Dr. Ing. Mathias Kaiser von Büro KaiserIngenieure unter dem Titel „Wasser – ein Gestaltungsinstrument mit Einsparpotenzial“ zu Sprache: Da kleinräumige Stark- und Katastrophenregen häufiger auftreten, muss insbesondere in Wohngebieten der Überflutungsschutz stärker berücksichtigt werden. Die Planung und Ausführung von Entwässerungsanlagen ist in der aktualisierten Fassung der Norm DIN 1986-100 „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056“ bereits im Mai 2008 erschienen. Dr. Ing. Kaiser schätzte das Vollzugsdefizit aber noch auf mehr als 50%. Der Klimawandel ist bezogen auf den Überflutungsschutz bereits Realität. „Überflutungen können inzwischen überall und zu jeder Zeit auftreten.“ Ohne eine berechenbare Vorlaufzeit wie bei einem Hochwasser. Wie Dr. Ing. Kaiser erläuterte, haben die Starkregen vergangener Jahre bereits dazu geführt, dass sich die Regelanforderungen an Entwässerungssysteme inzwischen wertmäßig verdreifacht haben. „Einfache Lösungen wie eine Rinne vor der Türschwelle reichen heute nicht mehr aus“, um das Risiko von Wasserschäden in Gebäuden zu verringern. Angesichts der Schadensummen, die durch Hochwasser und Überflutungen in den vergangenen Jahren entstanden sind, geht der Experte davon aus, dass es in Zukunft zunehmend eine Abwälzung der Schadensregulierung auf Planer und ausführende Betriebe geben wird. „Versicherungen lernen schnell.“
Die Risiken, die durch vermehrte Überflutungen entstehen, werden aus Sicht von Dr. Ing. Kaiser mit unterirdischer Infrastruktur nicht zu beherrschen sein. „Überflutungsschutz lässt sich mit tiefbaulichen Mitteln nicht realisieren.“ Erfolgversprechender ist seinen Worten zufolge eine geschickte Oberflächen-Profilierung, die eine Regenwasserbewirtschaftung mit Ausdehnungsbereichen und Versickerungsmöglichkeiten bietet. Dafür sieht er „breite Gestaltungsspielräume“, da es in Wohngebieten oft viele Außenanlagen gibt, die nicht wirklich genutzt werden. Aber mit deren kreativer Neugestaltung kann eine Aufwertung des Wohnwertes für ganze Siedlungsbereiche erreicht werden.
Wie nachhaltig Gestaltung wirken kann, wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Praxisseminars bei der anschließenden Führung durch das Weltkulturerbe Zeche Zollverein vor Augen geführt, die speziell als Veranstaltungsort ausgesucht worden war. Denn das heutige Zentrum für Kunst, Kultur und Design gilt als „schönste Zeche der Welt“, die durch ihre bereits 1932 einzigartige Architektur zu einem Monument für die zunehmende Industriekultur geworden ist – und zum Symbol für den Wandel der einst größten Steinkohlenzeche des Kontinents in ein Wahrzeichen für eine ganze Region – durch Gestaltung als Zeichen der Zeit. (pcw)

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