Obstbau: Veredelung sichert Erhalt alter Sorten

Die Sortenvielfalt unserer heimischen Obstbäume wächst stetig. Dass die Mehrzahl der norddeutschen Apfelbäume aus der Region Hannover stammt, ist dabei weitgehend unbekannt.

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Die Sortenvielfalt unserer heimischen Obstbäume wächst stetig. Dass die Mehrzahl der norddeutschen Apfelbäume aus der Region Hannover stammt, ist dabei weitgehend unbekannt. In den kleinen Dörfern Lemmie und Vörie in der Region Hannover betreibt die Landwirtschaftskammer Niederachsen einen von drei sogenannten Muttergärten in Deutschland. Auf einer Fläche von fünf Hektar werden hier rund 250 Obstbaumsorten gehalten, von denen Edelreiser für die anschließende Veredlung in Baumschulen gewonnen werden.

Die Edelreiser sind einjährige Triebe, die von den Edelsorten geschnitten werden, um sie später auf Wurzelstöcke mit besonderen Eigenschaften, die sogenannten Unterlagen, aufzusetzen. 250.000 Veredelungen werden dafür pro Jahr von Lemmie und Vörie aus ins In- und Ausland verschickt. Dort hat man sich auf alte Obstsorten wie zum Beispiel den Roten Finkenwerder oder die Ananasrenette spezialisiert und achtet dabei auf eine strenge Sortenreinheit.

Die Veredelung als traditionelle Form der vegetativen Vermehrung von Obstgehölzen erlaubt dabei den Erhalt der Ursprungssorte als Klon. Anders als bei der Züchtung können hierbei die Sorteneigenschaften über einen langen Zeitraum erhalten und eine große Anzahl identischer Pflanzen erzeugt werden.

Dabei werden zwei unterschiedliche Techniken angewandt. Im Winter werden bei der Kopulation von den zuvor geschnittenen Edelreisern kleine Triebstücke abgetrennt und mit einer speziellen Schnittführung auf die Unterlage aufgepfropft. Im Sommer geschieht dies mit einer ruhenden Knospe des Edelreises, dem sogenannten Edelauge, das mit einem Stück der umgebenden Rinde in die Unterlage eingesetzt wird (Okulation).

Ob Reiser oder Augen: Von Lemmie und Vörie aus geht die fragile Fracht mit einem Expressdienst über Nacht zur Baumschule, um eine möglichst hohe Anwachsrate zu gewährleisten. (Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen) 

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