LWG: ADR-Prüfungsgremium in Veitshöchheim

"So ein schönes Röschen." Klaus Körber zeigt bedauernd auf die rosablühende Schönheit zu seinen Füssen. "Warum hat die eigentlich kein ADR-Siegel bekommen?" fragt der LWG-Gehölzspezialist in die Runde.

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„So ein schönes Röschen,“ Klaus Körber zeigt bedauernd auf die rosablühende Schönheit zu seinen Füssen. „Warum hat die eigentlich kein ADR-Siegel bekommen?“ fragt der LWG-Gehölzspezialist in die Runde. Seine Kollegen vom Prüfungsausschuss der Allgemeinen Deutschen Rosenneuheitenprüfung (ADR) blättern in ihren Unterlagen. Sie stehen seit elf Jahren zum ersten Mal wieder im Versuchsgelände Stutel der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim und diskutieren ihre Ergebnisse. Nein, diese Bodendeckerrose hat keine Chance auf das Gütesiegel. Sie zeigte sich während der vergangenen drei Jahre nicht auf allen elf Prüf-Standorten in Deutschland so gesund und blühfreudig wie hier in Franken. Zwar brachte es mit 25,9 Punkten in der Gesundheitswertung ein gutes Ergebnis. Doch zur begehrten Auszeichnung fehlen 0,1 Punkte. „Wir haben uns darauf geeinigt, dass 25,9 keine 26 Punkte sind,“ bleibt Dr.Burkhard Spellerberg, Koordinator der Allgemeinen Deutschen Rosenneuheitenprüfung (ADR) und Leiter des Referats Zier und Forstgehölze beim Bundessortenamt har.

Dabei hätten er und der ADR-Prüfungsausschuss in diesem Jahr vielleicht ein Auge zudrücken können. Schließlich hatten es die Rosen 2012 sehr schwer. Der warme Winter, der im Februar mit unverhofft schweren Spätfrösten ausklang, setzte den bereits ausgetriebenen, frühblühenden Sorten zu. Nicht nur in den Privatgärten erfroren vor allem junge Stöcke. Betroffen waren auch die Prüfflächen der ADR-Rosen in ganz Deutschland. Hier fielen ganze Sorten aus. Zusätzlich belasteten Trockenperioden und tropische Hitze einen Teil der Pflanzen. Doch die Prüfer, das wird deutlich, bewerten was sie sehen. Und nicht, was sie sehen könnten. Ein hartes Jahr für Rosen - und auch für ihre Züchter.

Fast jeder große europäische Rosenzüchter ist an diesem Tag im Stutel vertreten. Noack, Kordes, Tantau, Meilland (BKN Strobel) , Rosenunion Austin, Delbard,… Sie kamen selbst oder schickten ihre Vertreter. Schließlich ist das ADR-Gütesiegel auch ein Qualitätssiegel für sie: ADR-Rosen werden vom Verbraucher bevorzugt gekauft. Die Züchter nehmen regen Anteil an den Prüfungen - auch wenn sie bei der Bewertung ihrer Neuzüchtungen kein Mitspracherecht haben. Sie reisen jedes Jahr mit zu einem der elf ADR-Prüfstandorte. Dabei können sie sich persönlich davon überzeugen, dass die Kommissionsmitglieder die Pflanzen überall nach den gleichen Maßstäben messen.

Dass der Winter 2012 so hart zugeschlagen hat und so viele Neuheiten sein Opfer wurden, ist für die Züchter nicht so einfach wegzustecken. Aber diese Tatsache setzt auch neue Maßstäbe: „Der Klimawandel wird die Züchter noch vor große Herausforderungen stellen,“ ist sich Klaus Körber sicher. „Aber nicht nur deshalb überpüfen wir auch die alten ADR-Rosen immer wieder darauf, ob sie ihre Auszeichnung noch zu Recht tragen.“ Erst im letzten Jahr entfernte das Prüfergremium zahlreiche Sorten aus der Liste. „Für den Verbraucher ist diese Strenge nur von Vorteil“, erklärt LWG-Rosenspezialist Klaus Körber. „Sie gibt ihm beim Kauf einer ADR-Rose die Sicherheit, eine gesunde, reichblühende und auch winterharte Rose zu pflanzen. Eine, an der er bei richtiger Pflege viele Jahre Freude haben kann.“

Für 2012 vergaben die Prüfer in Veitshöchheim insgesamt nur fünf Gütesiegel: Sie gingen an die Beetrosen „Balou“ und „Westart“ sowie an die Edelrose „Charisma“ aus dem Hause Noack sowie an die Kletterrosen „Camelot“ von Tantau und die Ramblerrose „Guirlande d’Amour“ von Lens/Clausen. 

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