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Baumschulwirtschaft: Branche mit guten Zukunftsperspektiven
Der Frühling ist da! Der Sonnenschein und die milden Temperaturen erfreuen die Menschen, und wer einen Garten hat, beseitigt nun die letzten Spuren des Winters. Für den Baumschuler Ubbo Kruse bedeutet das viel Arbeit und eine unruhige Zeit: „Je nach Wetterlage wickeln wir jetzt in zwei oder drei Monaten rund 75% unseres Jahresverkaufs ab." Für den Betrieb bedeutet ein umsatzstarkes Frühjahr die Existenzsicherung für den Rest des Jahres. Einen sehr wichtigen Anteil am Umsatz macht das Versandgeschäft aus. Im In- und Ausland sind Großhandel, Gartencenter, andere Baumschulen sowie Kommunalverwaltungen die größten Abnehmer. „Osteuropa spielt dabei mit einem hohen Marktanteil eine bedeutende Rolle, aber auch in der Türkei, Italien und anderen europäischen Länder sind Gehölze aus Deutschland gefragt", erklärt der Baumschuler.
Vernetzung ist wichtig
Mit Ubbo Kruse arbeitet bereits die dritte Generation im Familienbetrieb. Nachdem er national und international Erfahrungen in verschiedenen Baumschulen gesammelt hatte, trat er 2007 in den Familienbetrieb ein. 1958 gründete sein Großvater, Ubbo Kruse sen., das Unternehmen im niedersächsischen Bad Zwischenahn. Ubbos Vater Gerhard Kruse übernahm den Betrieb 1985 vom Gründer. Seitdem hat sich die Baumschule stetig weiterentwickelt und ist gewachsen. Heute arbeiten hier 15 festangestellte Mitarbeiter, davon vier Meister, und - wie für einen Familienbetrieb typisch -packen auch die Familienmitglieder immer mit an. Auf einer Gesamtfläche von rund 50 Hektar werden Gehölze im Freiland und im Container kultiviert. Das Gehölzsortiment des Betriebs umfasst 1.600 verschiedene Arten und Sorten, etwa je 50% Laub- und Nadelgehölze. „Aber", so Ubbo Kruse, „unsere Spezialitäten sind Magnolien und mobile Hecken." Eine gute Vernetzung ist heute auch für einen Baumschulbetrieb überlebenswichtig. „Über die BdB-Landesbörse haben wir etwa 70 Betriebe, mit denen wir über unsere EDV regelmäßig zusammenarbeiten", erzählt Kruse. „Hier in Niedersachsen haben wir eine hohe Baumschuldichte. Das ist für uns von großem Vorteil, denn alle Betriebe, mit denen wir zusammenarbeiten, sind in maximal eineinhalb bis zwei Stunden Fahrt erreichbar."
Alles ist schneller geworden
Seit der Gründung des Betriebs vor 54 Jahren, aber auch schon in den 14 Jahren, in denen Ubbo Kruse in der Branche tätig ist, hat sich viel verändert. „Alles ist wesentlich schneller geworden. Die Kunden haben weniger Zeit und planen deutlich kurzfristiger. Logistisch und organisatorisch stellt uns das zuweilen vor echte Herausforderungen", berichtet Kruse aus seinem Arbeitsalltag. Spezialisierte Speditionen, die ebenfalls in der Region ansässig sind, und die Tatsache, dass viele Kunden ihre bestellte Ware selbst abholen, helfen ihm bei der Bewältigung dieser Herausforderungen. Dennoch muss er sich oft selbst in den LKW setzen und kurzfristig Gehölze an seine Abnehmer ausliefern. Eine weitere wesentliche Änderung im Berufsalltag des Baumschulers ist die Technisierung. Spezialmaschinen erleichtern heutzutage die Arbeit und ersparen viele der körperlichen Anstrengungen, die für Ubbos Kruses Großvater noch üblich waren. Ein damit verbundenes gestiegenes Interesse am Beruf durch weibliche Auszubildende kann Kruse aber nicht feststellen. „Wir hatten schon immer junge Frauen ausgebildet und als Mitarbeiterinnen beschäftigt. Das Berufsbild des Baumschulers ist so vielseitig und breit gefächert, dass jeder und jede die Tätigkeit finden kann, die ihm oder ihr am besten liegt. Wichtig ist doch letztlich, dass die fachlich qualifizierten Mitarbeiter am jeweils richtigen Arbeitsplatz stehen."
Die Qualität muss stimmen
Davon, dass ‚die Wirtschaftskrise‘ in der Branche angekommen ist, will Ubbo Kruse gar nicht sprechen. „Aber", weiß er zu berichten, „die Preise sind im Keller. Die Wertigkeit unserer Produkte wird nicht erkannt, weil die Kunden unsere Arbeit und damit auch unsere Preise nicht verstehen. Es weiß doch kaum jemand, wieviel Arbeit in einem Baum oder Strauch steckt." Tatsächlich beträgt die durchschnittliche Produktionszeit für ein Gehölz sieben Jahre; manche brauchen sogar mehr als doppelt so lange zum Erreichen der Verkaufsgröße. Diese Zeit ist für den Baumschuler sehr arbeits- und kostenintensiv. Er muss die Gehölze pflegen, sie regelmäßig verschulen (verpflanzen) und vor Schädlingen schützen. Das hat natürlich Einfluss auf die Preisgestaltung, denn etwas mehr als die Kosten, die dem Baumschuler während vieler Jahre entstanden sind, muss beim Verkauf wieder erwirtschaftet werden.
Ein Beruf der begeistert
Ungeachtet solcher Rahmenbedingungen ist Ubbo Kruse mit Leib und Seele Baumschuler. Er ist von seinem Beruf so begeistert, dass er sich im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. als Sprecher des Arbeitskreises junge Unternehmer engagiert. Ein Patentrezept hat er für seine Branchenkollegen aber nicht parat. „Dazu ist die Situation in Deutschland viel zu unterschiedlich und die Branche zu weit gefächert. Es gibt viele verschiedene Arten von Baumschulen, die alle ganz individuell ihren Platz im Markt finden müssen - und auch können." Als grundsätzliche Empfehlung rät er, dass sich ein Baumschulbetrieb möglichst breit aufstellen, das heißt ein großes Sortiment führen, sollte. Darüber hinaus ist es jedem zu empfehlen, eine Marktlücke zu suchen, in der sich der Betrieb spezialisieren kann. „Außerdem", so Ubbo Kruse weiter, „sollte ein Jungunternehmer keine Angst vor Veränderung haben und die Bereitschaft mitbringen, eine Durststrecke zu überstehen. Und vor allem: Die Qualität muss stimmen! Wichtig ist, dass immer beide Seiten, also Betrieb und Kunde, mit einem Geschäft zufrieden sind."
Chancen auf Ausbildung stehen gut
Die Zukunft der Baumschulbranche sieht Kruse durchaus positiv und rät jungen Leuten, die einen Ausbildungsplatz suchen, sich für diesen vielseitigen Beruf zu interessieren. „Die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, stehen sehr gut. In unserer Region kommen auf 100 freie Stellen gerade einmal 30 Bewerber. Außerdem bietet der Beruf interessante Aufstiegschancen und gute Verdienstmöglichkeiten", begeistert sich Ubbo Kruse, der regelmäßig ausbildet und somit auch zurzeit zwei Auszubildende beschäftigt. Für viele Auszubildende steht nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung ein längerer Auslandsaufenthalt an. Besonders wenn weitere Berufsabschlüsse wie Meister oder Gartenbauingenieur angestrebt werden, ist die Kenntniserweiterung in ausländischen Betrieben sehr hilfreich. Ubbo Kruse würde niemals einen andern Beruf ausüben wollen: „Mein Beruf ist für mich zur Berufung geworden." Kann es ein besseres Plädoyer für einen Berufsstand geben? (Quelle: BdB)

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