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Pestizidrückstände: Fresenius-Konferenz zeigt Risiken auf
Der Einsatz von Pestiziden in Industrie und Landwirtschaft ist zum Normalfall geworden. Nach Gebrauch verbleiben häufig Rückstände, die ihren Weg in die Nahrungskette finden kontaminierte Futter- bzw. Lebensmittel sind die Folge. Die (Langzeit-) Wirkungen der aufgenommenen Substanzen auf den menschlichen Organismus sind noch in vielen Fällen unklar. Am 28. und 29. Februar 2012 diskutierten Experten die Risikobewertung von Pflanzenschutzmittelrückständen und weitere Themen des Fachbereichs auf der 10. Internationalen Fresenius Konferenz "Food Safety and Dietary Risk Assessment" in Mainz.
Kathrin Gottlob vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) referierte zur Bewertung von Bioziden und zur Übertragung von Biozidrückständen in Lebens- und Futtermitteln. Grundsätzlich gäbe es zwei verschiedene Wege, über welche die Biozide in die Nahrungskette gelangen könnten: zum einen seien kontaminiertes Viehfutter sowie Biozid-haltige Desinfektionsmittel zur Stallreinigung für Rückstände in Zuchttieren verantwortlich. Zum anderen würden Spuren von Biozid auch bei der Verarbeitung und Lagerung auf Lebensmitteln übertragen. Grund hierfür seien beispielsweise desinfizierte Arbeitsflächen in Küchen oder Biozid-haltige Verpackungsmaterialien, so die Expertin. Für beide Übertragungswege werde bereits an Leitfäden zur Risikobewertung gearbeitet. So entwickle die Dietary Risk Assessment Working Group (DRAWG) derzeit eine Empfehlung zum Umgang mit der Übertragung von Rückständen in Lebensmittel, in der verschiedenartige Übertragungsszenarien berücksichtigt werden sollen. Eine technische Anleitung zur Bewertung der Biozid-Freisetzung in Zuchtbetrieben liege seitens DRAWG seit Dezember 2011 zur Konsultation vor, schloss Gottlob.
Pestizid-Belastung bei Fischen bislang ungeklärt
Die EU-Richtlinie EC 1107/2009 sehe eine Stoffwechsel-Studie bei Zuchttieren vor, bei denen Rückstände von Pestiziden anzunehmen seien, erläuterte Dr. Christian Schlechtriem (Frauenhofer IME). Bis-lang würden jedoch nur Hühner, Ziegen und Schweine getestet, Fische dagegen immerhin eine bedeutende Eiweißquelle innerhalb der menschlichen Ernährung seien bisher ausgespart worden. Dabei tauche gerade bei der kontrollierten Aufzucht von Fischen in so genannten Aquakulturen immer häufiger der Verdacht auf, die verfütterten Pflanzen seien durch Pestizide kontaminiert und wirkten sich damit auch negativ auf die gezüchteten Speisefische aus. Daher beabsichtige die EU derzeit, neue Anforderungen an die Datenerhebung bei Fischen als Teil des Zulassungsprozesses von Pestiziden zu veröffentlichen. Aus diesem Grund sei eine neue Empfehlung zur Risikobewertung vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dem Frauenhofer IME sowie den Unternehmen Syngenta und BASF ausgearbeitet und Anfang Februar 2012 bei der Europäischen Kommission eingereicht worden, so Schlechtriem. Der Leitfaden beinhalte neben der Beschreibung eines Studienkonzepts unter anderem Beschreibungen, welche Daten zur Bewertung gebraucht würden und gebe Hilfestellung bei der Interpretation der Ergebnisse.
Medien bestimmen Risikowahrnehmung
Ragnar E. Löfstedt (King's College London) gab in seinem Vortrag einen Überblick über die Risikowahrnehmung und die Risikokommunikation bei Lebensmitteln. Er betonte, wie wichtig es sei, die unterschiedlichen Variablen bei der Risikowahrnehmung zu verstehen und wies darauf hin, dass häufig gerade die Medien die Wahrnehmung bestimmter Risiken durch ihre Darstellungsweise verstärken oder herunter spielen. (Quelle: Fresenius)

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