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GABOT, 09.03.2016 - 06:12 Uhr
*Gemüse/Obst, Vermischtes

Schweiz: Bund sorgt für rote Köpfe in der Kartoffel-Branche

Jedermann soll Speisekartoffeln importieren dürfen, findet der Bund. Das kommt in der Branche schlecht an. (lid)

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In der Schweiz will der Bund künftig Importkontingente von Kartoffeln versteigern. Die Branche ist geschlossen dagegen. Produzenten befürchten steigenden Preisdruck. Der Handel rechnet mit Spekulation und Turbulenzen auf dem Markt.

Rund 8.500 t Speisekartoffeln hat die Schweiz im letzten Jahr wegen der stark unterdurchschnittlichen Ernte importieren müssen. Einführen durfte sie lediglich ein bestimmter Händlerkreis: Firmen, die selber auch Schweizer Kartoffeln abpacken und den Detailhandel beliefern. Diese sogenannte Inlandsleistung müssen Händler zwingend erfüllen, wenn sie Kartoffeln importieren wollen.

Damit soll nun Schluss sein. Das Bundesamt für Landwirtschaft schlägt im Rahmen des landwirtschaftlichen Verordnungspakets 2016 vor, dass alle Marktteilnehmer Speisekartoffeln importieren dürfen. Neu soll deshalb das jährliche Basis-Importkontingent von 6.500 t an die Meistbietenden versteigert werden. Für Zusatzkontingente soll ebenfalls nicht mehr maßgebend sein, ob jemand Schweizer Kartoffeln vermarktet, sondern das Prinzip: "First come, first served". Importiert werden dürfte dann ab einem bestimmten Zeitpunkt solange, bis das Kontingent ausgeschöpft ist.

Für das BLW sprechen mehrere Gründe für eine Änderung der Importregeln. Das heutige System sei schwierig zu kontrollieren, weil sich die Warenflüsse verändert hätten. Laut BLW haben in der Vergangenheit Händler teils getrickst, indem sie Import-Kartoffeln als Inlandsleistung deklarierten haben. Eine Versteigerung der Kontingente sorge für mehr Transparenz, zudem werde damit der Wettbewerb unter den Importeuren gefördert. Das erhöhe den Druck auf die Margen, wovon die Konsumenten in Form tieferer Preise profitieren, argumentiert der Bund. Der Grenzschutz bleibe unangetastet und auch das Basis-Kontingent von 6.500 t werde nicht erhöht.

Höherer Preisdruck erwartet
Das vermag die Kartoffel-Branche jedoch nicht zu beruhigen. Sie hat bereits Widerstand gegen die Pläne des BLW, die noch bis Mitte April in der Anhörung sind, signalisiert. Für eine Änderung der Importregeln gebe es weder international noch national zwingende Gründe, sagte Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten, kürzlich an deren Mitgliederversammlung. Befürchtet wird, dass die Kartoffel-Preise unter Druck geraten. Denn mit dem vorgeschlagenen System würden Händler die ersteigerten Kontingente vollumfänglich ausschöpfen wollen, ist sich Fischer sicher. Als Folge würden möglicherweise mehr Kartoffeln in die Schweiz importiert werden als benötigt. Heute werde, so Fischer, nur so viel eingeführt, wie zur Ergänzung des Inlandsangebotes nötig sei.

Spekulation nimmt zu
Alarmiert sind auch die Kartoffel-Händler. Sie befürchten, dass sich der heutige Branchenkonsens auflöst und der Markt unberechenbarer wird. „Bis anhin hatten Schweizer Kartoffeln Vorrang, sofern die Qualität stimmte. Das könnte sich ändern”, warnt Marc Wermelinger, Geschäftsführer von Swisscofel, dem Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels. Beispiel Frühkartoffeln: Laut Wermelinger werden heute nur so lange Frühkartoffeln aus dem Ausland eingeführt, bis Schweizer Frühkartoffeln in genügender Menge verfügbar sind. Wermelinger befürchtet, dass sich branchenfremde Firmen nicht mehr an diesen Konsens halten werden.

Weiter kritisiert er, dass das BLW mit dem vorgeschlagenen System Tür und Tor öffne für Spekulation. Finanzstarke Player könnten im Ausland Kartoffeln zu einem Zeitpunkt beschaffen, wenn sie günstig sind, um sie dann in der Schweiz teuer zu verkaufen. Der Einwand des BLW, dass die Import-Kontingente nicht erhöht werden, beruhigt Wermelinger nicht. „Mit 6.500 t kann man ganz schöne Turbulenzen anstellen, gerade wenn man sie zur Unzeit auf den Markt wirft”, erklärt der Handelsexperte. Für Wermelinger ist die Bindung der Importe an die Inlandleistung berechtigt, weil damit der Markt beruhigt wird: „Lagerhalter sind interessiert, nur so viel zu importieren, dass ihr eigener Absatz nicht gestört wird.” Dass die Konsumenten vom neuen Importsystem profitieren, glaubt Wermelinger nicht. Er rechnet tendenziell mit steigenden Preisen, weil die Versteigerungspraxis eine preistreibende Wirkung entfaltet.

Auch Verarbeiter wehren sich
Gegen die Pläne des Bundes sprechen sich auch die Kartoffel-Verarbeiter aus, obwohl ihr Rohstoff nicht betroffen ist. „Wir befürchten, dass der Bund womöglich zu einem späteren Zeitpunkt auch bei Veredelungskartoffeln ein System einführen will wie bei den Speisekartoffeln”, sagt Urs Reinhard, Geschäftsführer der Swiss Convenience Food Association. Er verstehe nicht, wie das BLW ein System vorschlagen könne, das geeignet sei, den Kartoffel-Markt zu destabilisieren. (lid) 

So funktioniert der Import von Kartoffeln
Zölle schützen die Schweizer Kartoffelproduzenten vor ausländischer Konkurrenz. Ganz abgeschottet ist der Markt aber nicht. Gemäß WTO-Verträgen muss die Schweiz einen Minimalzugang gewähren. Bei den Speisekartoffeln sind das jährlich 6.500 Tonnen. Fällt die Ernte kleiner aus als zur Inlandsversorgung nötig, kann die Branche beim Bund zusätzliche Import-Kontingente beantragen, für die ein tiefer Zollansatz gilt. Außerhalb dieser Kontingente kommen höhere Zölle zur Anwendung. Beim Import gilt die so genannte Inlandsleistung: Kartoffeln einführen dürfen nur Händler, die selber auch Schweizer Kartoffeln abpacken und den Detailhandel beliefern.

In der Schweiz bauen 4.700 Bauern auf rund 11.000 Hektar Kartoffeln an. Die Erntemengen schwanken wetterbedingt von Jahr zu Jahr stark. Der Selbstversorgungsgrad liegt zwischen 90 und 100%.
Autor: Michael Wahl, lid



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