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GABOT, 08.03.2010 - 06:39 Uhr
Garten- und Landschaftsbau

Netzwerk auf 33 Forschungseinrichtungen erweitert

Am 4. und 5. Februar fand in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim zum zweiten Mal das unter Federführung der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (FLL) organisierte Forschungsforum Landschaft statt.

FLL-Präsident Dr. Karl-Heinz Kerstjens begrüßte fast 80 Teilnehmende, die zum Leitthema „Stadtgrün 2025 – Chancen und Herausforderungen“ gekommen waren. In drei Veranstaltungsteilen präsentierten und diskutieren Referenten Themen und neue Forschungsergebnisse zu Stadtgrün im Klimawandel, Wissenschaftsmanagement und die Umsetzung umweltbezogener EU-Richtlinien in die deutsche Rechtspraxis.

„Weitere fünf Forschungseinrichtungen haben sich in diesem Jahr zusätzlich in die Forschungslandschaft eingebracht, 33 sind es nun insgesamt“, stellte Dr. Kerstjens in seiner Betrachtung des 1. Forschungsforums 2008 und des aktuellen Sachstandes dar. Alle Daten, die von Forschungsinstituten über ihre Arbeit und Personen in einem Erhebungsbogen erfasst worden waren, hat die FLL in einige übersichtliche Tabellen zusammengeführt.

Leider war der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, kurzfristig erkrankt, so dass der Text seines Impulsvortrages verlesen werden musste. Er beinhaltete einen breiten Überblick über mit dem Klimawandel erwartete Veränderungen in unseren urbanen Räumen; Positionen zum Thema Feinstaub; hohe Wertigkeit von Grün in verdichteten Bereichen im Allgemeinen mit Forderung nach mehr Stadtgrün. Hierzu bedarf es aus Sicht des UBA weiterer Forschungen.

Anschließend berichtete die Klimatologin Professor Dr. Gisela Völksch über die klimatischen Aspekte, die bei der Konzipierung von Klimaanpassungsmaßnahmen unbedingt berücksichtigt werden sollten. Dabei sollten weniger die Durchschnittswerte als vielmehr die Häufigkeiten von Klimaereignissen eine Rolle spielen, weil diese meteorologische Ereignisse viel genauer beschreiben als langjährige Mittelwerte. Es müsse davon ausgegangen werden, dass mit strengen Wintern zu rechnen ist, auch wenn vielleicht nur noch selten. Insofern sei es eine Täuschung zu glauben, unsere Vegetation könnte zukünftig von frostempfindlicher mediterraner Flora dominiert sein.

Anhand eines Vorhabens zu Städtischen Grünsystemen im Kontext des Klimawandels berichtete Stefanie Rößler vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), Dresden, über erste Ergebnisse und Empfehlungen für die Planung und das Management von Freiräumen mit Blick auf ihre unterschiedlichen klimatischen Ausgleichsfunktionen.

Professor Dr. Hartmut Kenneweg (LUP-Luftbild Umwelt Planung GmbH) schilderte Entwicklungen des Städtischen Grünvolumens in Potsdam seit der Wiedervereinigung. Die Anwendung eines neuen Analyseverfahrens ermögliche eine flächendeckende und kostengünstige Erfassung des Grünvolumens innerhalb kurzer Zeit.

Ein „Aktionsplan Alleen“ für den Landkreis Barnim präsentierte Professor Dr. Jürgen Peters von der Fachhochschule Eberswalde. Viele Kriterien würden in einer umfangreichen Datenbank berücksichtigt, sie erlaubten dadurch sachgerechte Ableitungen eines Handlungsbedarfes.

Welche Arten im Angesicht des Klimawandels gute Verwendungsmöglichkeiten hätten, un-tersucht derzeit Susanne Böll von der LWG Veitshöchheim. Es werden 20 verschiedene Baumarten getestet, von denen nur zwei als heimisch bezeichnet werden können, u. a. die Hainbuchensorte „Frans Fontaine“.

Professor Dr. Hartmut Balder von der Beuth Hochschule Berlin stellte Untersuchungen zum Einsatz von Unkrautvliesen bei der extensiven Pflege von Grünanlagen vor.

Mit überraschenden Ergebnissen wartete Dr. Achim Friedrich, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde (BDG), auf. Seine Organisation hatte in fast allen Bundesländern Untersuchungen zur Biodiversität von Haus- und Freizeitgärten durchgeführt. An 83 Kartierungsstandorten wurden mehr als 2.000 Kulturpflanzenarten und mehr als 1.500 Sorten gefunden.

Sebastian Wolter von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden informierte über ein neues Fassadenbegrünungssystem, das schnell und unabhängig von bewachsenem Boden begrünen kann.

Moderiert wurde der erste Veranstaltungstag von Prof. Dr. Bettina Oppermann.

Alessandra Kreibaum vom Verlag Eugen Ulmer führte in den Themenblock Wissensmanagement ein. Ihre wohl wichtigste These, dass derzeit auch in der Landschaftsarchitektur zwischen Wissenschaft und Praxis nur wenige Überlappungen bestehen, konnten ihr die Anwesenden bestätigen. Dies in Zukunft zu ändern, ist ein wichtiges Aufgabenfeld des Forschungsforums. Unter Moderation von Dr. Kerstjens wurden viele Aspekte diskutiert; man merkte deutlich, dass die Teilnehmer von diesem Thema berührt waren.

Professor Dr. Richard Stiles stellte das „Le:Notre-Projekt“ vor, das er an der TU Wien koordiniert und in dem alle interessierten Hochschulen weltweit kooperieren können.

Aktuelle Beispiele zum Wissensmanagement in der Pflanzenverwendung präsentierte Frithjof Gutberlet mit dem Netzwerk „Hortigate“, das der Zentralverband Gartenbau (ZVG) mit dem inhaltlichen Schwerpunkt zur Unterstützung der Praxisfachberatung aufgebaut hat.

Eine bereits seit 1994 funktionierende Kooperation der Lehr- und Versuchsanstalten im Bereich Landespflege beschrieb Dr. Philipp Schönfeld von der LWG Veitshöchheim. Hier kooperieren die Beteiligten jährlich ihre Forschungsergebnisse nach strengen Vorgaben als „Versuche in der Landespflege“ und veröffentlichen sie seit 2002 über die FLL sowie über „Hortigate“.

Konkrete Forderungen nach einer einwandfreien Kommunikation stellte Marcel Heins von der Hochschule Anhalt für Strategien und Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Informations- und Wissensmanagement. Alle Daten müssten nach einheitlichen Vorgaben aufbereitet und möglichst frei verfügbar gemacht werden, damit vielen Forschern wie Anwendern Verknüpfungen und Ableitungen ermöglicht werden.

Im dritten Workshop ging es dann um die Integration Europäischer Richtlinien in die deutsche Rechtspraxis und deren Auswirkungen. Einen breit angelegten Überblick gab Dr. Alfred Herberg vom Bundesamt für Naturschutz, das die Schirmherrschaft über das 2. Forschungsforum übernommen hatte. Er ging auf Änderungen ein, die aufgrund der EU-Richtlinien in deutschen Gesetzen nötig geworden waren, vor allem im Bundesnaturschutzgesetz.

Über die Umsetzung der Feinstaubrichtlinie und die Umsetzung der FFH-Richtlinie in Dortmund berichtete Umweltamtsleiter Dr. Wilhelm Grote. Bei der Luftreinhaltung ergaben sich Konsequenzen in Form von erweiterten Messprogrammen, Aktionsplänen sowie in der Kommunikation. Im Zusammenhang mit der FFH-Richtlinie beschrieb Dr. Grote ein Projekt, in dem Befürchtungen ausgeräumt werden konnten, dass Artenschutz zwingend eine Bremse für die industrielle und gewerbliche Flächenentwicklung darstellt.

An konkreten Beispielen aus dem Amtsalltag berichtete Dr. Thomas Keller von der Regierung von Unterfranken sehr anschaulich über Konsequenzen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie. Sein Kollege aus der Wasserwirtschaft, Dr. Heribert Januszewski, schilderte die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Bayern.

Die Anwesenden waren sich einig, dass das 3. Forschungsforum Landschaft 2012 in zwei Jahren unbedingt stattfinden soll. Als Tagungsort ist dann Osnabrück geplant.

Eine ausführlichere Darstellung der Vorträge sowie die aktuellen Übersichten über die Forschungseinrichtungen sind unter www.fll.de/Presse-News.10.0.html sowie www.fll.de/Forschungsforum-Landschaft.27.0.html zu finden. (FLL/ZVG)


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